patri51.jpg (40591 Byte) Kreuz des Patriarchen von Jerusalem im Kreuzgang des Klosters

    

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Bestand und Ausrüstung von Kloster Denkendorf

von Rolf Deuschle

Aus den Inventuren des Klosters Denkendorf

Leider existieren keine schriftlichen Aufzeichnungen aus der Zeit vor der Reformation über Bestand und Ausrüstung des Klosters. Die Überlieferung setzt erst ein mit den Aufzeichnungen aus der Zeit des ersten evangelischen Propstes Bartholomäus Käs, der im Jahre 1577 gestorben ist. In den Jahren 1563 bis 1568 wurde eine erste Liste angelegt, sodann diejenige von 1577 und zuletzt eine Liste, die nach dem Tod des Propstes in den Jahren 1577 bis 1579 aufgestellt wurde. Die Witwe von Propst Käs hat offensichtlich einige Dinge wegführen lassen, so dass man zur Klärung der Lage ein Inventar erstellte. Aus diesen drei Inventarlisten soll hier nur aufgelistet werden, was von Bedeutung ist:

"Ein kupferin vergüld Abtstab mit einem silbernen Lämmlein und silbernen Krönlein 
Ein alt fränkisch silbernes zweifaches Kreutz übergült mit blauen und roten Glassteinen 
Ein Ufferstehung Christi mit Bildwerk erhabener Arbeit mit vier roten Glassteinen geziert, silberin und vergült
Vierzig sechs Löffel mit Silber beschlagen, haben all die Denckendorfisch Kreutz uf dem Schilt 
Ain rot ganz samtis Taufsteintuch, alles aus Meßgewand gemacht
Ein beschlagener inwendig Rot Futter eines Bischoffshut mit Berten, so schon vor Jahren abhanden
Ein Kantzyl Tuch von rotem und blauem Samt, schwartzem Schamloth, gelbem Atlas, und hoch guld gesticktem Kreutz 
Ein Altartuch, rot und blauer Samt und gülden Sticken
Ein grün seiden Altartuch
Ein alter Macheyer, daran die vier Evangelisten, so man braucht, wenn man mit dem Kreitz gang zum Himmel an 4 Stang
Ein rot samtins gemusterter Chormantel mit einem güldin Stück verbrembt
Ein weis leinen Meßgewand mit alt güldin gesticktem Kreutz
Ein weis leinen Meßgewand mit einem schwarz samtin Kreutz
Ein weiß leinen Meßgewand mit grünem Kreutz und aufgenähten Blutstropfen weis
Ein gar alt mit gold gestricktem Messgewand mit aim rauchfarben samtin Kreutz
Ein Monstranz messing
Ein Rauchfaß messing
Ein kupferner, großer Taufkessel
Ein kupferner Weihkessel
4 hohe Altarlichter
Ein Brenneisen mit Kloster Wappen.

Alle gemalte Tafeln von Gemehl und dergleichen (Altarbilder) sind nach der Inventur von 1577 aus der Kirch dem Propst Käs übergeben worden, etliche Tafeln ihm geschenkt, jedoch alle im Kloster gelaß". -

Der Verwalter führt dann an, dass nur noch zwei alte Tafeln vorhanden sind.

Der Denkendorfer Bibliothekskatalog

Am 9. Dezember 1538 wurde die Denkendorfer Klosterbibliothek in einem eilig zusammengeschriebenen Konzept von einem Unbekannten erfasst. Der provisorische Katalog enthält 224 Titel, wobei nicht klar ist, ob alle vorhandenen Folianten und Bücher aufgenommen werden konnten. Festzustellen ist jedoch, dass allein die 224 Titel im Vergleich zu anderen mittelalterlichen Klosterbibliotheken auf eine bedeutende mittelalterliche Bibliothek hindeuten.

Der Bestand der Bibliothek wurde nach Sachgruppen aufgenommen, so wie er systematisch geordnet war: 25 Werke über die Heilige Schrift und das Chorgebet; 18 Werke zur Theologie, Dogmatik und zur Philosophie. Das Recht ist durch 40 Werke repräsentiert, 16 Werke zum Römischen Recht und 24 Werke zum Kanonischen Recht. Mehr als 130 Werke existierten zur Angewandten Moral, darunter 60 Predigtsammlungen. Die Bearbeitung des Katalogs verdanken wir der Heilig-Grab-Schwester Marie Hereswitha in Belgien. 

Das älteste Buch stammte aus dem Jahr 1131/32, das jüngste von 1530. Aus dem gesamten Bestand existiert heute nur noch ein Werk in der Württembergischen Landesbibliothek. Auch die in der Friedhofskirche existierenden Werke, sind weder erhalten noch erfasst. Leider ist auch die Beschreibung der Wallfahrt in Denkendorf, die im 1730/50 angelegten Repertorium des Bestands A 480 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart verzeichnet, aber als verloren angegeben wird, nicht mehr vorhanden, so dass wir die Bedeutung der Wallfahrt nach Denkendorf nur erahnen können.

Die Seite eines Antiphonale

antiphonale um 1450z.jpg (397006 Byte)Im Einbanddeckel eines Steuerbuchs der Denkendorfer Pflege zu Köngen aus dem Jahr 1544 fand sich der Teil eines Einzelblatts aus einem handschriftlichen Antiphonale des Klosters Denkendorf. Die  Seite stammt aus dem liturgisch-musikalischen Buch zu den Tageshoren des römischen Stundengebets und wird um 1450 datiert (freundliche Mitteilung von Herrn Prof. Dr. Thomas Kohlhase, Tübingen). Es handelt sich bei diesem Antiphonale um Vesperformulare mit ausnotierten Antiphonen und Textincipits mit musikalisch ausnotierten Schlusskadenzen (den zu den Antiphonen passenden "Differentiae"). Oben: Zum Fest des Erzengels Michael. Rechts, später in margine ergänzt: Textincipits zu Antiphonen und Psalmen sowie zum Hymnus des Dionysius-Festes. Unten: Zum Fest Allerheiligen mit der Rubrik "De omnibus sanctis ad vesperas". Insgesamt handelt es sich um eine außergewöhnliche Quelle aus dem Kloster Denkendorf.

 

klosterbesitz mittelalterz.jpg (143127 Byte)Plan zum ehemaligen Denkendorfer Klosterbesitz von 1124-1580: Städte und Ortschaften, in denen die Propstei, das Priorat und der Konvent zu Denkendorf Schenkungen, untergeordnete Priorate, Kirchen, Kapellen, Tragaltäre, Äcker, Wiesen, Häuser, Weingärten, Pfleghöfe, Gülten, Zins, Salzpfannen, Fischwasser und leibeigene Leute besaß.

 

 

 

 

 

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Stand: 07. Februar 2007