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Der "Denkendorfer Engel" Von Rolf Deuschle Auf dem Siegel von Propst Johannes Unger (1508-1516) an einer Urkunde des Esslinger St. Katharinen-Spitals ist der sogenannte Denkendorfer Engel abgebildet. Das Siegel zeigt eine aus einem Dreiberg herauswachsende Zirbelnuss. Der Schild symbolisiert in Verbindung mit dem Auferstehungszeichen das heilige Grab. Aus dem Schildwust (vielleicht stilisiert die Grabplatte) erscheint ein halber Engelsrumpf mit Kopfnimbus und ausgebreiteten Flügeln und dahinter das Kreuz des Jerusalemer Patriarchats. Hiermit zeigt Propst Johannes Unger von Denkendorf, der Tochter Jerusalems, erstmals nach allen anderen Pröpsten sinnbildlich mit seinem Siegelbild, dass er wie seine Vorgänger in Nachfolge der Patriarchen "Wächter" von Grab und Kreuz, der wertvollsten Reliquien der Christenheit ist. Auftrag und Funktion, in der Nachfolge des Engels die Wacht am Grabe des Herrn auszuüben, bestimmte somit auch in erster Linie Identität und Spiritualität, Traditionsstiftung und -pflege der Denkendorfer Kanoniker. Auch in Denkendorf verkörperte die Verehrung von Grab und Kreuz nach den Vorschriften einer aus griechischen und lateinischen Elementen zusammengewachsenen Liturgie höchste Sinnbildung und Würde der Kanoniker vom Heiligen Grab. Sicherlich ist die Vergabe der vielen kaiserlichen Schutzurkunden, besonders aber die der Staufer für Denkendorf, damit zu erklären, dass die deutschen Kaiser die Wacht in der Nachfolge des Engels zugesprochen erhielten, eine Würde, die sich besonders Kaiser Friedrich I. Barbarossa zur Aufgabe machte. Aus diesem Grunde konnte dem Propst von Denkendorf jeweils nur die "Funktion des Stellvertreters" zukommen. Deshalb ist auch die Thematik der Klosterkirche heute unter vielfältigen Gesichtspunkten zu beleuchten. |
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