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Links: Plan mit den Bauphasen der Pelagiuskirche
Die Abstammung des Denkendorfer Stifters
Von Rolf Deuschle
Nach der Denkendorfer Überlieferung bauen um das Jahr 1020
Berthold und Ita auf dem Klosterberg zu Denkendorf einen "Tempel".
Kunsthistoriker, so auch Eduard Krüger, der Stadtbaumeister von Schwäbisch
Hall, datieren den Turm der Klosterkirche in seiner Struktur mit seinen bereits
ausgereiften Bogenfriesen, Lisenen und blockartigen Kapitellen in den Öffnungen
des Glockengeschosses auf 1050/1060. Krüger stellt fest, dass nur zwei
Türme in Schwaben eindeutig der Comburger Bauschule zuzuordnen sind, St.
Michael in Schwäbisch Hall und St. Pelagius in Denkendorf. Dieser
Befund lässt fragen, welche Zusammenhänge bestehen zwischen Comburg und
Denkendorf? Liegen hier enge verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den
Erbauern der Denkendorfer Pelagiuskirche und Comburg vor?
Wenden wir uns zunächst Berthold zu. Aus der Ehe zwischen
Berthold und Ita ging eine Reihe von Kindern hervor, wie unten zu zeigen sein
wird. Ein Sohn, Burghard, ist als Graf von Staufenberg in der Ortenau
ausgewiesen; er hat außerdem umfangreichen Besitz im Raum Pforzheim und teilt
mit den Grafen von Sulz, zudem gehören zu den Leitnamen seines
Personenverbandes die Namen Adalbert und Berthold. Burghards Sohn war Berthold
der Ältere, Vogt von Lorsch, der Vater des Denkendorfer Klosterstifters
Berthold von Hohenberg/Lindenfels.
Der Vater Bertholds, der mit Ita um 1020 einen
"Tempel" in Denkendorf baute, war Adalbert, Graf im Breisgau. Thomas
Zotz hat darauf hingewiesen, dass zu seinem verwandtschaftlichen Umkreis eben
die Staufenberger sowie der Bischof Erchangbald gehörten." Als Adalberts Vater ist Rezo als Graf
im Breisgau
im Jahr 982 bezeugt (Bezo = Berchtold, nicht zu verwechseln mit Birchtilo =
Odoberchtilo/Ottoberchthold). Da Adalbert am 31. Mai 1015 bei der Jagd Herzog
Ernst von Schwaben aus Versehen mit dem Pfeil erschossen hat, ging
wahrscheinlich das Breisgauer Grafenamt an seinen Bruder Berthold über, von
dem sich dann die Herzöge von Zähringen/Teck ableiten. Verfolgen
wir die Vorfahren Bezos, so war bislang nicht klar, ob sie von Erchanger oder
Berchtold, den 917 ermordeten Kammerboten abstammen. Auch Heinz Bühler ließ
diese Frage offen, macht dies aber abhängig vom Besitz der Zähringer in
Marchtal. Vieles spricht dafür, dass die Zähringer doch von
Erchanger abstammen, denn auch nur so wäre über die Staufenberger der
Denkendorfer Besitz Bertholds, des Denkendorfer Stifters, zu erklären,
vielleicht als ehemals zähringischen Eigen. Und dies hängt natürlich auch mit
dem Pelagius-Patrozinium und der Pelagius-Reliquie und mit dem Streit zwischen
dem Konstanzer Bischof Salomon III. und den Kammerboten Erchanger und Berchtold
in den Jahren 913 bis 917 zusammen.
Auf der Suche nach der Herkunft von Ita, der Frau Bertholds,
werden Zusammenhänge zur Comburger Bauschule evident. Nach Decker-Hauff war
eine Judith in erster Ehe mit Siegfried, Graf von Öhringen, in zweiter Ehe mit
Konrad, Herzog von Schwaben, verheiratet. Aus der ersten Ehe ging
Eberhard, Graf von Öhringen, hervor, der an seinen Sohn Hermann, Graf von
Öhringen, vererbt. Er wird im Öhringer Stiftungsbrief als kinderlos bezeichnet,
kann aber durchaus eine Ehe eingegangen sein. Mit den Grafen von Öhringen nahe
verwandt war Adelheid, die Mutter Kaiser Konrads II. Aus ihrer zweiten Ehe mit
Graf Poppo von Lobdengau stammen mehrere Kinder, darunter Bischof Gebhard von
Regensburg, eine Tochter, die mit einem Grafen von Comburg verheiratet war, der
zugleich Schutzherr des Öhringer Stifts wurde. Im übrigen war eine
Enkelin der Adelheid von Öhringen mit Wolfram, Graf im Kraichgau, verheiratet,
und eine Tochter Bilizza wurde die Stammmutter der Grafen von Calw. Es ist
sicher, dass die Denkendorfer Ita (Judith) in diesen Personenkreis gehört,
vielleicht als Schwester Graf Hermanns von Öhringen, der wohl gleichzusetzen
ist mit jenem Grafen Hermann, dem Kaiser Konrad II. im Jahre 1025 Stuttgart und
Plochingen als Lehen übergab. Die Denkendorfer Ita würde dann den
Namen ihrer Großmutter tragen und das würde schließlich erklären, woher der
Name Eberhard sowohl bei den Ebersteinern als auch bei den Staufenbergern kommt.
Hermann von Öhringen und Ita wären dann eben zugleich nah verwandt mit Gisela,
der Frau Kaiser Konrads II. Auf diese Weise wären Denkendorfer Besitz und die
Comburger Bauschule erklärbar. So wäre durchaus auch denkbar, dass der
Pelagius geweihte, von Berthold und Ita errichtete "Tempel" auf einem
Lehen Graf Hermanns von Öhringen gebaut wurde.
Diese Überlegungen legen die Vermutung nahe, dass Berthold
vom Kammerboten Erchanger und Ita vom Kammerboten Berchtold abstammen. Es wird
berichtet, dass sich Bischof Salomon III. von Konstanz in Rom wegen der
Hinrichtung der Kammerboten Erchanger und Berchtold verantworten musste. Er habe
sodann von Rom die Gebeine des Heiligen Pelagius nach Konstanz gebracht, und in
unmittelbarer Nähe des Aufbewahrungsorts der Reliquie des Heiligen Pelagius
seien dann Erchanger und Berchthold sowie ihr Neffe begraben worden. Auch diese
Überlieferung hängt eben eng mit Denkendorf zusammen. Das Denkendorfer
Kreuzreliquiar von 1124, das vor 1979 in Stuttgart geöffnet wurde, besitzt auf
der Rückseite eine Vertiefung, in die vermutlich in den Jahren 1377 bis 1400
ein kleines leinenes Säckchen gelegt wurde, in dem sich ein Stück
Schädelknochen befand. Dabei handelt es sich eindeutig um die Pelagiusreliquie.
Es scheint wahrscheinlich, dass die Esslinger bei der
Plünderung des Klosters im Jahre 1377 die Herausgabe des Altarkreuzes verlangt
haben, welches rückseitig die Pelagius-Reliquie enthielt. Diese wurde vorher
herausgenommen, ins Kreuzreliquiar gelegt und auf diese Weise gerettet. Das
Denkendorfer Altarkreuz selbst wird um 1850 in Esslingen von Viktor Heideloff
noch gesehen und gezeichnet. Er beschreibt es und vermerkt, dass auf der Rückseite das Denkendorfer
Patriarchenkreuz zu erkennen sei mit der Umschrift F K P D, und dies bedeutet
nichts anderes als Friedrich Kayb Präpositus Denkendorfensis (Friedrich Kayb
Propst von Denkendorf). Auch für Denkendorf trifft die Verbindung von
Pelagiusreliquie, Heilig-Kreuz-Reliquie und Mutter-Gottes-Reliquie zu. In
Denkendorf war also eine echte Pelagiusreliquie tatsächlich anwesend. Sie hat,
wie die Pelagiusreliquie in Konstanz, viele Pilger bewogen, schon im 11.
Jahrhundert eine Wallfahrt nach Denkendorf zu unternehmen.
Wenden wir uns nun der für Denkendorf wichtigen Frage der
Nachkommenschaft von Berthold und Ita zu, die um 1020 hier einen
"Tempel" - vermutlich aus Holz - errichteten, der dann um 1060 wohl
von ihrem Sohn Burghard als Steinkirche neu gebaut wurde. Aus ihrer Ehe gingen
folgende Söhne und Töchter hervor:
1. eine Tochter, vielleicht namens Gisela, die nach Gerd
Wunder in zweiter Ehe mit Rudolf von Rheinfelden (Herzog von Schwaben und Gegenkönig) verheiratet war. Aus
dieser Ehe stammen höchstwahrscheinlich Gisela, die Ehefrau des Grafen Werner
von Grüningen; Rudolf und Volmar von Bernhausen (vielleicht der Abt von
Hirsau); Rudolf von Grüningen bei Riedlingen und dessen Verwandter Abt
Berthold von Zwiefalten und schließlich Herzog Berthold von Schwaben.
2. eine Tochter, die mit Graf Alwig von Sulz verheiratet war,
dessen Tochter Werntrud Konrad von Beutelsbach ehelichte. Sie könnte
Mitbesitzerin am Maierhof in Denkendorf gewesen sein. Der Stifter
des Klosters wird dann ja 1467 Graf von Beutelsbach genannt. Bislang wurde auch
wenig beachtet, dass Volmar von Hirsau, Albert von Bernhausen und Berthold in
einer Urkunde der Werntrud vorkommen. Die beiden Bernhäuser sind Söhne
Rudolfs von Bernhausen (s. o.), wobei wahrscheinlich Berthold von Bernhausen der
Vater des Chronisten von Zwiefalten gewesen ist.
3. Anselm ist einer der vier im Hirsauer Codex ausgewiesenen
Brüder (Anselm, Berthold, Adalbert und Burghart). Anselms Sohn Hermann ist Graf
in Forchheim. Ein weiterer Sohn ist Anselm von Nellingen, der die eine Hälfte
von Nellingen stiftet. Manches spricht dafür, kann aber noch nicht belegt
werden, dass Anselm nahe verwandt war mit den Grumbachern, da er an erster
Stelle einer Urkunde dieses Personenverbandes steht.'" Zudem ist in der
Denkendorfer Testamentsurkunde von 1142, die in Jerusalem ausgestellt ist, als
Spitzenzeuge Konrad von Cruonbach genannt, ein Hinweis auf diese mögliche
Versippung.
4. Berthold ist eindeutig ein Ebersteiner, seine Ehefrau ist
Uta von Calw. Ihr Sohn Berthold heiratete Adelheid, die Tochter der Gräfin
Adelheid von Tübingen. Als Söhne von Berthold und Adelheid lassen sich eindeutig Berthold, Eberhard und Hugo identifizieren. Hugo treffen
wir wieder in Jerusalem, wo er 1142 in der Testamentsurkunde als Hugo von
Plieningen als Zeuge aufgeführt ist.
5. Adalbert ist bislang wenig bekannt. Es sieht so aus, als
sei er mit einer Tochter des Kraichgaugrafen Wolfram verheiratet gewesen und
damit verwandt sowohl mit Gottfried von Bouillon, dem Anführer des 1.
Kreuzzuges, als auch mit Adelheid von Öhringen. Vermutlich war Wolfram von
Plieningen sein Sohn und der ebenfalls 1142 genannte Wolfram von Plieningen/
Bernhausen sein Enkel.
6. Burghard ist als Graf von Staufenberg in der Ortenau
ausgewiesen. Er hat umfangreichen Besitz im Raum Pforzheim und teilt mit den
Grafen von Sulz. Nach der Denkendorfer Überlieferung von 1560 war er mit
Hatwiga von Ingersheim verheiratet, einer Tochter des Grafen Eberhard von
Ingersheim. Aus dieser Ehe sind folgende Kinder überliefert: Burghard von
Erligheim, Eberhard Mönch in Hirsau, Berthold, Haltwig (Alwig, verheiratet mit
Egbert von Speyer), Hadwig, Ita, Kunegund und Werntrud. - Von Berthold wird
berichtet, er habe das gesamte Vermögen besessen und sei reich gewesen.
Berthold ist der Lorscher Vogt, Berthold der Ältere. Zusammen mit seiner Frau
Luccard hatte er folgende Kinder: Berthold, Stifter von Denkendorf; Mathilde
verheiratet mit Graf Poppo von Lauffen; Luccard verheiratet mit Godebold von
Henneberg. Deren Sohn war schließlich Bischof Günther von Speyer, der die
Denkendorfer Stiftung Walheim rechtlich regelt, indem er für seinen kinderlos
verstorbenen Onkel Berthold, Graf von Hohenberg/Lindenfels, den Denkendorfer
Stifter, eintritt.