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Kapellex1.jpg (35465 Byte)    Die Friedhofskirche

Von Rolf Deuschle

 

Lage und Bedeutung

Mit der noch recht gut erhaltenen Friedhofskirche besitzt Denkendorf ein besonderes Kleinod. Man nennt sie auch die Kapell, s'kleine Kirchle, in früheren Jahren auch d'Gottesackerkirch. Es sieht so aus, als sei die Friedhofskirche das älteste Gotteshaus Denkendorfs. Wie ist sie entstanden und welche Funktionen hatte sie zu erfüllen?

Seit alters ist die Lage des Maierhofs am Fuße des Klosterbergs bekannt. Er ist auf der Kieserschen Forstkarte von 1684 als vierseitiges Gehöft eindeutig zu erkennen und als solcher bis zum heutigen Tage bekannt. Maierhöfe wurden bekanntlich im Zuge der Villikation zur Zeit Karls des Großen und Friedhofskapelle11.jpg (185161 Byte) danach im Zusammenhang mit der Einführung der Dreifelder-/Dreizelgenwirtschaft errichtet. Die Siedlung Denkendorf ist jedoch älter, wie oben dargelegt wurde, und diese musste einen Herrenhof besessen haben. Urkundlich erfahren wir von einem Herrenhof in Denkendorf erstmals im Jahre 1305, als Rudolf der Jüngere von Stuttgart den Herrenhof dem Kloster schenkte. Im Lagerbuch von 1554 heißt es, der Herrenhof liege "zwischen dem Bach und unter der Frauen Kapelle". Kirchen oder Kapellen lagen in unmittelbarer Nähe des Herrenhofs oder waren integriert. Die im Jahre 1463 geweihte heutige Kapelle stellt den Um- und Erweiterungsbau einer ehemaligen romanischen Kapelle dar, wie schon Hermann Bitterle festgestellt hat. Untersucht man das Kirchenschiff genau, so entdeckt man im Innenraum über der Empore auf der Westseite des Schiffes einen romanischen Eingang, der von außen vermauert wurde. Es handelt sich eindeutig um einen ehemaligen Hocheingang, wie er von vielen Wehrtürmen, die dann zu Kirchtürmen wurden, bekannt ist. Weitere Zeugnisse der alten Kirche findet man im romanischen Fenster auf der Empore sowie in der alten Eingangstür hinter dem Kriegerdenkmal. Es sieht so aus, als sei die alte romanische Kirche in den Herrenhof integriert gewesen; vermutlich befand sich im unteren Raum die Kapelle und darüber der Wohnraum des Herrenhofbesitzers.

Natürlich ist es schwierig, den Besitz des ehemaligen Herrenhofes zu ergründen, da er bereits 1305 ans Kloster überging. Sicherlich gehörte die unmittelbare Hoffläche dazu, sicherlich die so genannten Herrengärten (Äcker der Chorherren), aufgrund der ungeteilten Größe des Flurstücks bis zum Schneckengässle.

Der Name würde etymologisch zu dieser Theorie passen, da er weder auf die Schnecke, noch auf die gewundene Form der Gasse oder einen Bewohner, der Schneck hieß, zurückgeht, sondern auf das fränkische Wort "Snaga". Dies bezeichnet den aus Flachs hergestellten Herrenmantel, vielleicht ein Indiz dafür, dass sich im Bereich des Schneckengässle das Flachs- und Hanfland des Herrenhofes befand. Wenn man bedenkt, dass - entgegen früherer Theorien - große Teile der Alemannen nach der Landnahme in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts bis um die Mitte des 5. Jahrhunderts als noch nicht ständig an feste Siedlungen gebundene Viehzüchter lebten und erst um 500 nach den Eroberungszügen der Franken zur Sesshaftigkeit gezwungen wurden, wenn man weiter bedenkt, dass die -ingen- und die -heim-Ortsnamen als älteste Siedlungsschicht heute zeitgleich anzusetzen sind, dass es um die Mitte des 6. Jahrhunderts im Neckarraum zu einem völligen Siedlungsneubeginn kam, getragen von einer völlig ortsfremden Personengruppe vom Nieder- oder Mittelrhein, und wenn man schließlich bedenkt, dass die -dorf-Ortsnamen zur ersten Ausbauphase des 7. Jahrhunderts gehören, so darf mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass fränkische Siedler und damit fränkisches Recht auch bei der Anlage des Herrenhofes in Denkendorf eine wichtige Rolle spielten. Hierzu würde auch der Name "Rimpengasse" passen. Als älteste Straße der Siedlung stand sie in unmittelbarer Verbindung zur Kapelle des Herrenhofs und zum alten Hof oben im Dorf. Die Wörter Rimp - Remp - Rehmagen - Reims usw. weisen auf den fränkischen Heiligen Remigius hin. Es lässt sich jedoch nicht belegen, ob Remigius das erste Patrozinium der Kapelle war.

Baugeschichte und Nutzung der Kapelle

Friedhofskirche von Friedhof10.jpg (111398 Byte)Etwa zur Mitte des 8. Jahrhunderts errichtete der Ortsherr im Herrenhof in der Nähe der geschätzten Quelle am Fuße des Klosterbergs eine Eigenkirche. Ob die Christianisierung von Kirchheim oder von Plieningen, von Plochingen oder von Esslingen (St. Dionys, Abt. Fulrad von St. Denis + 784) erfolgte, ist bislang nicht zu erschließen. Sicherlich ist es aber die Kirche für die Bewohner der Siedlung Denkendorf gewesen. Es wird berichtet, dass dann um 1060 Burghard, Bertholds Großvater und Hadwiga von Ingersheim eine Kirche (templum) errichten. Die Stilelemente des frühromanischen Turms belegen die Erbauung in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Der heute noch vorhandene Hocheingang weisen den Turm eindeutig zugleich als Wehrturm aus. Zwischen 1050 und 1100 tobte während des Investiturstreits zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ein fürchterlicher Krieg, der nicht nur Schwabens Adel spaltete, sondern vor allem das Herzogtum Schwaben mit Plünderung und Verwüstung überzog. Der Schwabenherzog Rudolf von Rheinfelden weilte als Gegenkönig und Anführer des Aufstands gegen Heinrich IV mehrfach in Esslingen. Es liegt nahe, dass der Ortsherr seine Kirche mit dem Herrenhof auf den Berg verlegte und mit Mauern umgab, damals wurden ohnehin zahlreiche Burgen in Höhenlagen errichtet. Außerdem ist anzunehmen, dass die Bertholde, als nahe Verwandte der Salier, Parteigänger Heinrichs IV. waren.

Durch die Ausgrabungen im Jahre 1930 konnten die Fundamente dieser damals errichteten, nur halb so langen und schmäleren ersten Steinkirche identifiziert werden, die ja in der Stiftungsurkunde von 1124 eine wichtige Rolle spielt. Sie wurde dann wahrscheinlich zur Zeit des Stauferkaisers Heinrichs VI. (gest. 1197) vor 1197 von Propst und Konvent abgetragen - der Turm blieb stehen - und etwa bis zum 1230 in der heutigen großen Form der Klosterkirche mit der Krypta neu errichtet. Höchstwahrscheinlich steht der Bau der großen Pelagiuskirche damals mit den Ereignissen in Jerusalem und dem Schicksal des Ordens zum Heiligen Grab in Zusammenhang. Sultan Saladin hatte 1187 die arabische Welt zum Heiligen Krieg gegen die Christen mobilisiert. Es kam am 6. Oktober 1187 bei Hattim am See Genezareth zur Entscheidungsschlacht mit den Kreuzfahrerstaaten, die geschlagen wurden und den Fall Jerusalems hinnehmen mußten. Akkon wurde Sitz des lateinischen Patriarchats und damit auch des Ordens vom Heiligen Grab. Als dann im sofort eingeleiteten dritten Kreuzzug (1189-1192), auf dem bekanntlich Kaiser Friedrich Barbarossa im Saleph ertrank (10. Juni 1190), Jerusalem nicht mehr erobert werden konnte, ja 1191 sogar auch Akkon verlorenging, wurde die Propstei St. Lukas in Perugia zum Hauptkloster des Ordens (bis 1489) bestimmt. Von 1497 bis 1535 war der Propst von Denkendorf aufgrund eines Breve von Papst Alexander VI. aus dem Jahre 1497 Generalvikar des Erzpriors vom heiligen Grab in Deutschland.

Das Heilige Grab in Jerusalem konnte ja seit 1191 nicht mehr besucht werden. Da die Propstei Denkendorf wegen ihres Alters, ihres Besitzes und der großen Zahl von ihr abhängiger Kirchen die bedeutendste Propstei des Ordens zum Heiligen Grab im Deutschen Reich und damit auch das Zentrum der Ordensprovinz Germanien war, lag es nahe, nun eine Wallfahrtskirche mit einer Krypta zu errichten, damit von nun an Pilger "das heilige Grab" in Denkendorf besuchen konnten. Wie wir wissen, hat der Schwiegervater Kaiser Heinrichs VI. (verheiratet seit 1186 mit Konstanze von Sizilien), König Roger II. von Sizilien, den Orden des heiligen Grabes mit einer sehr hohen Geldsumme bedacht. Es ist nicht auszuschließen, dass mit einem Teil der Mittel die bedeutende Denkendorfer Pelagiuskirche finanziert wurde.

Wenn nun in der Zeit zwischen 1190 und 1230 die kleine Pelagiuskirche abgebrochen wurde, um den Neubau zu errichten, hat man sicherlich die Kapell während dieser Zeit als Kirche, ja sogar als Wallfahrtskirche, benützt. An der südlichen Türe zeigen sich links bislang nicht erklärbare Schürfungen. Da es sich eindeutig um eingeritzte Riefen handelt, die von Schwertschürfungen stammen, kann man annehmen, dass sie aus der damaligen Zeit von Wallfahrern stammen, die sich Sandsteingries abgeschürft haben, um diesen in einem Säckchen als Votivgabe und Andenken vom Ort ihrer Wallfahrt mit nach Hause zu bringen. Die heilende Wirkung für Mensch und Vieh ist überliefert. Das Abschürfen der Reliquien war aber nicht jedermann gestattet.

Im Jahre 1305 hat dann Rudolf von Stuttgart den Herrenhof ans Kloster geschenkt. Da er dazu das Einverständnis von Graf Eberhard von Württemberg einholen musste, ist klar, dass die Württemberger schon vor 1305 die Lehenshoheit über den Herrenhof besaßen. Das Kloster musste bald danach die Kapelle verändert haben. Am südlichen Eingang kann man als Jahreszahl 1324 erkennen. Aufgrund des Stilmusters lassen sich die beiden gotischen Fenster und die gotische Türe mit ihrem sehr schönen Schloss und ihren Bändern dieser Zeit zuweisen.

Friedhofskirche Fenster10.jpg (118951 Byte)Die gotischen Fenster (das Foto zeigt ein Fenster im Chor) besaßen vermutlich Glasfenster. Aus alledem ist zu schließen, dass das Kloster um 1320 die Südseite der Kapelle verändert hat, während das romanische Fenster und der Türbogen auf den Vorgängerbau hinweisen dürften.


Schließlich wird am 8. Juni 1463 berichtet, Propst und Kapitel des Klosters wollen die Kapelle zum Lob des Erlösers, deiner Mutter und Johannes des Täufers neu bauen und weihen und dabei den Kirchhofanlegen. Bei der Renovierung 1968-1970 hat man die Weihekreuze tatsächlich gefunden. Freigelegt wurde damals auch die in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datierte Seccomalerei, in der in drei übereinander liegenden Bildstreifen ein Passionszyklus dargestellt ist, der gegen Osten  mit der Darstellung des heiligen Georg als Schutzpatron der Kreuzfahrer abschließt. Auffällig ist die unten angemalte Zirbelnuss. Da jedoch sowohl Propst Gutzmann (1467-1477) als auch Propst Johannes Unger (1508-1516) die Zirbelnuss im Wappen tragen, der Passionszyklus aufgrund der Stilelemente vor 1500 gemalt worden sein muss, ist er eindeutig Propst Gutzmann zuzuordnen und somit zwischen 1467 und 1477 gemalt worden. Propst Johannes Unger hat dann größere Baumaßnahmen eingeleitet, indem er die Ostwand für den Triumphbogen durchbrach und den Chormantel mit den spätgotischen Fenstern erstellte.

Friedhofskirche Fresken11.jpg (94192 Byte) Friedhofskirche Fresken12.jpg (87466 Byte) Friedhofskirche Fresken14.jpg (80531 Byte)

Bei der Renovierung 1968 bis 1970 wurde die in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datierte Seccomalerei freigelegt, in der ein Passionszyklus dargestellt ist.

Es sieht allerdings danach aus, dass die Kapelle entweder nicht fertig gestellt oder auch in Teilen zerstört wurde, vielleicht während der Reformationswirren, denn im Jahr 1570 berichtet Propst Bartholomäus Käs, er wolle die zerfallen Kapelle wieder bauen, wobei er das Material stellt und die Handwerkerlöhne bezahlt, während die Untertanen jedoch die Hand- und Fuhrfron leisten sollen, wie es schon immer war; und dies wurde so auf Befehl des Vogts von Stuttgart bestimmt. Dies ist dann auch geschehen, wie die Epitaphien belegen (s.u.). Allerdings heißt es dann im Jahre 1587: "Die Capell im dorff ist noch nit gedeckt, die fenster nit gemacht. Es ist auch der Chormantel durchsichtig, beim -Tauft kein becken. Pflegt der Pfarrer die kinder auß eim Zin (aus einer Zinnschüssel), das als der Schulmaister haben mag, zu tauften. dass kirchlein will auch Zu einer solchen großen gemein Zu klein werden. Wer ein nitturfft man macht noch ein borkirch (eine Empore) und würden die glöcklin so noch beyhanden wieder auffgehenckt." Die Renovierung muss kurz danach erfolgt sein, da von 1630-1632 und von 1634-1648 die "Kappel" der evangelischen Gemeinde als Kirche diente, während die Klosterkirche aufgrund des Restitutionsedikts katholisch war. Nach dem Westfälischen Frieden blieb sie dann evangelisch bis das kleine Kirchlein den katholischen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg jahrelang als Gotteshaus diente.'"

Hermann Bitterle hat die weitere Baugeschichte vom 18. bis zum 20. Jahrhundert beschrieben. Er führt aus, dass der Kirchhof selbst und die angrenzende Flur von jeher herrschaftlicher Besitz gewesen sind. 1827 vermerkt die Pfarrbeschreibung von Pfarrer Günzler: "... der Begräbnisplatz samt der darauf befindlichen Kapelle im Eigentum der Gemeinde geworden". Kapelle und Friedhof waren an die Gemeinde Denkendorf übergegangen im Tausch gegen die Ablösung der Lasten der Herrschaft (Abreichung der Hostien und des Abendmahlweins sowie Lieferung des Brennholzes zur Heizung der Sakristei). Dies ist schließlich noch einmal ein Indiz dafür, dass Teile der Kapelle, höchstwahrscheinlich die Sakristei, als Teil des ursprünglichen Herrenhofs das älteste Gotteshaus Denkendorfs darstellen.

Das Innere der Friedhofskirche

Die Patrozinien

Die Menschen des Mittelalters lebten in besonderem Maße mit Symbolen. Deshalb sind unsere Kirchen seit alters zu gewissen Zeiten bestimmten Heiligen geweiht. Bekannt ist beispielsweise, dass die vier "M-Patrozinien" (Martin - Michael - Maria - Mauritius) zur ältesten Patrozinienschicht in Schwaben zählen.

Die Friedhofskirche wurde folgenden Heiligen geweiht:
Salvator, der Heiland, der Erlöser der Toten
Maria, die Gottesmutter
Johann Baptist, Johannes der Täufer.

Außerdem sind als Heilige versinnbildlicht:
• an die Wand gemalt der heilige Georg, der Beschützer der Kreuzfahrer im Heiligen Land;
• auf dem Altarbild von 1515: die heilige Barbara, der heilige Januarius, der heilige Nikolaus und die heilige Margaretha. Das Altarbild, das Propst Johannes Unger für die Kapelle anfertigen ließ, befindet sich heute in der Klosterkirche.

Der Chorraum 

Friedhofskirche Chor10.jpg (45708 Byte) Der Chorraum wird von zwei Schlusssteinen getragen. Der eine zeigt eine auf Sandstein gemalte Zirbelnuss. Es ist das Wappen des kunstsinnigen Propstes Johannes Unger (1508-1516), der den Chor bauen ließ. Die Zirbelnuss, im Volksmund als Tannenzapfen bezeichnet, gilt ausschließlich als Auferstehungssymbol. Es deutet auf das Patrozinium Salvator und auf die Funktion der Kapelle hin. Der zweite, hintere Schlussstein, der erst 1968/70 wieder freigelegt wurde, zeigt Maria, das zweite Patrozinium der Kirche. Sie überkrönte den noch bis 1970/71 darunter stehenden, aus einzelnen Steinen gemauerten Altar. 


Friedhofskapelle Schlussstein Zirbelnuss.jpg (30780 Byte) Friedhofskirche Muttergottesschlussstein10.jpg (64588 Byte)
Schlussstein im Chorraum mit dem Wappen von Propst Johannes Unger Hinterer Schlussstein im Chorraum mit der Gottesmutter Maria und dem Kind

Der Altar trug eine große Sandsteinplatte, auf deren Unterseite ein fränkisches Kreuz mit angetatzten Enden eingemeißelt war. Die Ausführung des Kreuzzeichens deutet darauf hin, dass der Altar seit der Bauzeit in situ stand, hier ein besonderer Ort ist, ein Zeichen dafür, dass hier die Reliquie oder das Abbild einer Reliquie vorhanden ist. Es ist anzunehmen, dass sich an dieser Stelle eine Predella befand, die als Mittelpunkt ein Salvator-Bild trug. Propst Johannes von Ringingen hat sich für sein Siegel ein Salvator-Bild gewählt, das nach dem bekannten Grabtuch-Forscher Willi K. Müller als Siegel der Sepulcriner zu Denkendorf die Epiphania Domini (die Erscheinung des Herren) dokumentiert. Zweifellos soll das heute in der Klosterkirche seitlich im Chor angebrachte Altarbild aufgrund der Stilähnlichkeit mit dem Salvator-Bild des Propstes Johannes von Ringingen das ursprüngliche Altarbild der Friedhofskirche darstellen. Heinrich Werner hat das Bild zu Recht auf 1515 datiert, weil Propst Unger als Auftraggeber sein Wappen, die Zirbelnuss und den Skorpion, anbringen ließ. Er hat also bei der Renovierung der Kapelle das Altarbild noch gekannt und es symbolisch in die Klosterkirche transferiert.

Viele Friedhofskapellen verdanken ihre Entstehung dem spätmittelalterlichen Salvatorkult, so auch die Königskapelle in Turin, ein ein Haus der Toten, in der das Grabtuch Christi aufbewahrt wird. Willi K. Müller hat darauf hingewiesen, dass sich Beziehungen der Salvatorbilder zu alten Christusdarstellungen nachweisen lassen, indem nur ein Teil der Gestalt Christi abgebildet werden. Diesem Bild-Typus entspricht das Salvator-Siegelbild des Propstes Johannes von Ringingen als Christus im Kreuznimbus (oft verwechselt als Schüssel in der Krypta), der mit beiden Händen das Jerusalemer Patriarchenkreuz von Denkendorf hält. Willi K. Müller weist außerdem darauf hin, dass Ähnlichkeiten bestehen zwischen der Kunigunden-Kapelle in Burgerroth mit ihrer Reliquien-Krypta und der Denkendorfer Klosterkirche. Das Turiner Grabtuch wurde indes zwischen 1229 und 1234 in Burgerroth aufbewahrt. Nach der Überführung des Turiner Grabtuchs aus der Burgerrother Krypta, erhielt diese eine Kontakt-Reliquie. Er vermutet, dass es in Denkendorf gewesen ist, da man sich ein Heilig-Grab nicht ohne Grabtuch denken könne und wenn das Grabtuch auch nur symbolisch an die Wand der Krypta gemalt wurde. Tatsächlich lassen sich heute noch in der Denkendorfer Krypta Reste dieser Bemalung feststellen. - Vermutlich wurde auch in Denkendorf nur einmal im Jahr, wenn am Osterfest die Wallfahrt zum Heiligen Grab Pilger nach Denkendorf zogen, das auf Holz gemalte Salvator-Bild als Reliquie aus dem Altar genommen, um es den Menschen vor Augen zu führen.

Friedhofskirche Ausmalung10.jpg (22398 Byte)Eine weitere Besonderheit des Chors stellt die Bemalung in den Kreuzrippenzwickeln dar (Foto links unten). Hier ist  ein Kräuterhimmel angemalt zu Ehren Mariens (Marien-Kräuterhimmel), der Mutter des Salvators. Um Maria zeigen sich die in den zwei Farben blau und rosa angelegten Glockenblumen als Marien-Symbol. Auch die weitere Bemalung deutet darauf hin, dass der Chorraum Maria geweiht ist, zugleich jedoch auf die Bedeutung des Alters: Als Marienpflanzen zu identifizieren sind Disteln, Storchenschnabel, Schlehe, Ehrenpreis/Vernonica, Negelin, Eicheln und Flachs.

  

Die Kapelle und ihre mögliche Funktion bei einer Prozession

Prozessionen zum Heiligen Grab in Denkendorf sind überliefert. Natürlich muss man fragen, weshalb kam es gerade hier in Denkendorf zur Stiftung des Klosters zum heiligen Grab? Hat der Stifter, nachdem er 1120 Jerusalem zum ersten Mal besucht hatte, auf seinem Eigen ähnlich den Verhältnissen in Jerusalem einen Platz gesucht und mit dem abfallenden Steilhang links des Körschbachs eine Stelle gefunden, um ein Kloster zum heiligen Grab zu errichten?

Über Jahrhunderte ist überliefert, dass der Platz im alten Dorf, auf dem heute die Klosterapotheke steht, Ölberg genannt wurde und dass Parallelen zu Jerusalem bestehen: Wie der Weg vom Ölberg herunterführe am Garten Gezemaneh vorbei, so gehe der Weg die Eichersteige herunter. In Denkendorf führt dann der Weg über die Rimpengasse vorbei zur Körschbachbrücke, so wie man in Jerusalem das Kidrontal durchschreite. In Denkendorf führt der Weg dann an der Maria, Christus dem Erlöser (Salvator) und Johannes dem Täufer geweihten "Kappel" vorbei wie der Weg in Jerusalem an der der Mutter Mariens, der heiligen Anna, geweihten Kirche vorbeizieht. Sodann führt in Ulme um 1910.jpg (148647 Byte) Denkendorf der Weg sogleich nach der Brücke rechts ab den Klosterberg hinauf, links in das Kloster einbiegend, wie in Jerusalem der Weg von der St. Maria-Kirche rechts abbiegt, um hinaufzuführen und links zum Löwentor einzubiegen. Hier beginnt die Via Dolorosa, der Leidensweg Christi. In Denkendorf führt der Weg in die Klosterkirche hinein bis zum Ziel, zum heiligen Grab, wie der Weg in Jerusalem vom Löwentor aus über die Via Dolorosa in der Grabeskirche endet.

 Das Foto links von 1910 zeigt den letzten Teil des Weges zum Klosterberg mit der damals hier stehenden Ulme.

Die Decke der Friedhofskirche 

Bei der Renovierung im Jahre 1887 wurde die Holzdecke blau gestrichen. Ältere Leute haben berichtet, man habe gesagt, mit dem Blau der Decke wollte man den offenen Himmel darstellen, man habe daher dann dieses Blau auch ins Wappen übernommen, indem man damals vom Rathaus aus ein Wappen habe malen lassen: In Blau ein goldenes Patriarchenhochkreuz zwischen den beiden goldenen Großbuchstaben D. Dieses Wappen ist heute noch im Heimatmuseum erhalten; es entspricht dem der Gemeinde Denkendorf am 21. Juni 1965 vom Innenministerium verliehenen Gemeindewappen.

Friedhofskirche Decke Wappen10.jpg (54263 Byte) Friedhofskirche Decke Wappen31.jpg (47737 Byte)

Die an der Holzdecke der Friedhofskirche gemalten Wappen


Sakristei und Einrichtungsgegenstände

Wenig beachtet wurde bislang der auf der Nordseite an den Chorraum angebaute Raum. Er scheint seit alters als Seitenkapelle benutzt worden sein. Es lassen sich noch Ansätze der Kreuzrippengewölbe erkennen, obwohl die Rippen selbst und der Schlussstein verschwunden sind. Dieser Verlust mag auf die Zeit zurückzuführen sein, als die Kappel zum Abbruch stand. Im Jahre 1788 erhebt Pfarrer Holland im Namen der ganzen Gemeinde, Schultheiß, Convent und Richter zu Denkendorf Einspruch und verhindert so den Abbruch. Was aber im 17. und 18. Jahrhundert herausgenommen wurde, wissen wir nicht. Es müssen jedoch bedeutende Einrichtungsgegenstände vorhanden gewesen sein, wie allein die folgenden Beispiele zeigen:

Im Zuge der Renovierung von 1968-1970 kam der ausgehöhlte Taufstein von 1545 als Leihgabe der Gemeinde, wie auch schon der römische Hausaltar, in die Vorhalle der Klosterkirche. Als weitere Leihgabe erhielt das Kloster eine viersitzige Chorbank, die von Konservator Albert Waiser auf "um 1280" datiert wurde, sowie den Propststuhl von 1515 aus der Friedhofskirche. Eine sechssitzige Chorbank - ebenfalls auf "um 1280" datiert, - eine Holztafel von 1518 mit dem Wappen von Propst Martin Altweg sowie ein einsitziger Chorstuhl befinden sich im Heimatmuseum.

Alter Taufstein10.jpg (38995 Byte) Propststuhl aus Friedhofskirche11.jpg (38361 Byte)
Taufstein von 1545 aus der Friedhofskirche - jetzt im Vorraum der Klosterkirche Propststuhl von 1515 aus der Friedhofskirche - jetzt im 1. Stock im Altbau des Klosters


Das Epitaph und die Grabplatten im Chor

Ursprünglich war jeder Friedhof um die Kirche herum angelegt, so auch um die Kapelle in Denkendorf. Der Friedhof war ins Dorfleben integriert, im Gegensatz zu heute, wie Angelika Bischoff-Luithlen berichtet: "Man staunt, was auf dem Totenacker alles los sein konnte: Schaubuden, Jahrmärkte, Schwätzplätze, Viehweiden, Schankwirtschaften, Sägeplätze, Gemeindeversammlungsorte beherbergte er, und niemand fand daran etwas Anstößiges, im Gegenteil, man wollte die Toten am alltäglichen Leben teilhaben lassen. Ein Wandel im Verhältnis der Lebenden zu den Toten trat erst etwa im 14. Jahrhundert ein. Nun kleidete man sich schwarz .... Im 16. Jahrhundert bürgerte sich dann, durch obrigkeitlichen Druck unterstützt, die Sitte ein, die Friedhöfe nach außen zu verlegen. Nun gestaltete man das Grab als Andachtsstätte. Jetzt ließen sich die Vornehmen auch Epitaphien errichten.

Friedhofskirche Grabmale Chorraum10.jpg (61802 Byte)Die Kapelle besitzt im Chor ein einzigartiges Epitaph aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sprachen im Mittelalter vor allem Bilder zu den Menschen, verbinden sich in diesem Epitaph Bild und Wort, wobei sich die Einzelgrabsteine deutlich vom Familienverband im Epitaph abheben. Neben den Inschriften erscheinen selbstredende Wappen mit Tieren, Engel in Menschengestalt, die Mitra des bereits evangelisch gewordenen Propstes als Zeichen der Würde und Verehrung. Die Inschriften bringen nun die Gefühle der Überlebenden zum Ausdruck und in den Sinnbildern spiegelt sich weniger das Seelenheil, sondern die Unsterblichkeit und die Hoffnung auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit. Das Epitaph wurde von Propst Bartholomäus Käs bald nach dem Tod seiner ersten Frau, Barbara Beer, die 1571 starb, in Auftrag gegeben. Er hat als Propst des Klosters und der Kapelle, die im Eigentum des Klosters stand, sein Familiengrab errichtet und dabei die Grabplatte für seinen Vater Michael Käs integriert, der zunächst Schmid in Bönnigheim, dann Lehrer an der Klosterschule war und 1567 starb. Es lässt sich nachweisen, dass dieser Stein von Georg Beer, dem herzoglichen Baumeister am Lusthaus in Stuttgart und Schwager von Bartholomäus Käs, angefertigt wurde.

Das Baumeisterzeichen von Georg Beer

Schon Alfred Klemm und Karl Walcher haben das Baumeisterzeichen von Georg Beer gesucht. Es ist nur noch zweimal vorhanden, auf dem oben genannten Denkendorfer Stein für Michael Käs von 1567 sowie auf dem Stein des Andreas Fautt in Hirsau. Dieser Andreas Fautt war der Gegenschwieger von Propst Bartholomäus Käs, also der Schwiegervater seiner Tochter Anna Maria Käs, aus seiner ersten Ehe mit Barbara Beer. Das Steinmetzzeichen des berühmten württembergischen Baumeister Georg Beer ist heute noch im Heimatmuseum erhalten.

Das Hirschmanngrabmal

Friedhofskirche Hirschmanngrabmal10.jpg (120047 Byte)Das später ins Epitaph um 1656 eingefügte Grabmal gehört der Frau des Klosterverwalters Georg Rochus Hirschmann. Er war der Sohn des Bürgermeisters Michael Hirschmann aus Schorndorf. Des Klosterverwalters Frau Margarethe, geborene Sattler, die ebenfalls aus Schorndorf stammte, war in Denkendorf gestorben und erhielt in der Kapelle ein Grabmal, auf dem oben noch das Alliancewappen Hirschmann-Sattler erkennbar ist.

Der Stein der Familie Beer

Friedhofskirche Grabmal Beer10.jpg (62854 Byte)Barbara Beer, die Frau des ersten evangelischen Propstes hatte es sicherlich verdient, in der Kapelle ein bevorzugtes Denkmal zu erhalten. Im Zentrum des Steins steht ihr eigenes Familienwappen, der auf einem Dreiberg stehende schwarze Bär. Der Stein stellt zugleich ein Alliancestein dar, da Georg Beer mit seinem Familienwappen im Stein seiner Schwester auch seiner Eltern in Gestalt zweier Engel gedachte: links sein Vater Hans Beer aus Bönnigheim und rechts seine Mutter Margarethe, geborene Decker.

Die Steine der Familie Käs 

Friedhofskirche Grabmale Barbara und Bartholomaeus Kaes10.jpg (107366 Byte) Der älteste Stein von 1567 mit dem Baumeisterzeichen von Georg Beer unterscheidet sich von den übrigen besonders dadurch, dass er besonders fein ausgearbeitet wurde. Offenbar hatten die Käs aus Bönnigheim ein gemeinsames Familienwappen, einen geteilten Schild, auf einem Hirschgehörn einen Schenkenbecher. So wurde - außer dem Stein für Barbara Käs, geborene Beer - je ein Stein geschaffen für Vater Michael Käs, Sohn Propst Bartholomäus Käs und einen weiteren Sohn Serverinus Käs, der ebenfalls in Denkendorf gestorben ist.

 

Die Ummalung des Epitaphs 

Friedhofskirche Engel10.jpg (50942 Byte) Die Mitte des gemalten Epitaphs beherrschen eindeutig die zwei Steine von Propst Bartholomäus Käs und seiner Frau Barbara. Die beiden Grabplatten sind so angelegt, dass zwischen ihnen der Abtsstab  des Propstes und die Mitra platziert sind. Die Grabmäler werden von vier schildhaltenden Engeln umgeben. Der linke obere zeigt das Klosterwappen, ein schwarzes Doppelkreuz in weiß als Zeichen für ein evangelisches Kloster (ein katholisches Kloster hätte in schwarz ein rotes Doppelkreuz). Rechts oben ist das Wappen von Propst Ulrich Fehleisen angebracht, der als letzter katholischer Propst Vorgänger von Propst Bartholomäus Käs gewesen war. Links unten sind zwei gekreuzte Stäbe als Christuszeichen (Salvatorzeichen) mit zwei Kugeln angebracht, ein Zeichen, das Bartholomäus Käs in seinem Siegel führt, und schließlich steht rechts unten noch einmal das Klosterwappen. 
Friedhofskirche Barholomaeus Kaes10.jpg (89062 Byte) Friedhofskirche Barbara und Margaretha Kaes10.jpg (88210 Byte) Die Bemalung zeigt die Familie des Propstes Bartholomäus Käs. Im linken Teil (Foto links) kniet er gekleidet im evangelischen Talar, neben ihm knien seine beiden Söhne: der ältere, Bartholomäus Käs, Magister der Philosophie in Tübingen, und der jüngere, erst jetzt identifizierte Caspar Käs, von dem fast nichts bekannt ist. Auf der rechten Seite (Foto links unten) knien in  evangelischem Gewand Barbara Käs, geborene Beer und ihre Tochter Anna Maria Käs, die in erster Ehe mit Hans Bernhard Fautt aus Hirsau verheiratet war.

Es erhebt sich die Frage, wer wohl die Ummalung des Epitaphs der Familie Käs gestaltet hat? - Als Georg Beer das Stuttgarter Lusthaus erbaute und zum herzoglichen Baumeister berufen wurde, waren dort Steinmetzen und Maler beschäftigt. Beers erster Steinmetz, der unter Beers Anleitung das Stuttgarter Lusthaus erbaute, war Jerg Denckendorfer. Werner Fleischhauer hat ihn als Georg Reutter von Denkendorf identifiziert und ihn als den größten Palier seiner Zeit bezeichnet. Georg Reutter hatte einen Sohn Hans Reutter und auch einen Enkel namens Hans Reutter, der im Denkendorfer Taufbuch näher bezeichnet ist als "...so von Engersen (Ingersheim) zurückgekommen". Nun darf man annehmen, daß es in der Bauhütte des Georg Beer auch nicht anders zuging als anderswo, Bauleute und Handwerker kennen einander. Einer der wichtigen Mitarbeiter bei Georg Beer war Hans Steiner, ein Maler, der in Tübingen Ursula, die Tochter des Konrad Gröber von Denkendorf heiratete.
Es könnte durchaus möglich sein, daß er beim Malen des Epitaphs in Denkendorf seine Frau kennengelernt hat. Und wenn man die Ausmalung des Epitaphs von Bartholomäus Käs betrachtet, fallen ähnliche Stilelemente auf, wie sie der bei Georg Beer am Lusthaus in Stuttgart beschäftigte berühmte bayerische Seccomaler Friedrich Suttri mit seiner neuen Maltechnik bei seinen Frauenmatronen, Pflanzen, Früchten und Vögeln angewandt hat. Wie bekannt ist, wollte er mit seinen bunten leuchtenden Farben die Auferstehung symbolisieren.

Friedhofskirche Chor Inschrift Barbara Beer10.jpg (108145 Byte)

Die Matrona der Friedhofskirche zu Denkendorf. Nach einer Übersetzung von Hermann Bitterle.

HONESTISSIMA MATRONA BARBARA BEERIN
CLARISSIMI VIRI AC DOMINI DOMINI BARTHOLOMAEI CASI
COENOBIARCHAE DENCKENDORFFENSIS DIGNISSIMI CONTUNX
CHARISSIMA ANNO REPARATAE SALUTIS HUMANAE 1571 CAL. MAJI PIE IN
CHRISTO E VITA DEFUNKTA POSTERITATI
BARBARA QUAE QUONDAM FUERAM CHARISSIMA CONIUNX
CHARISSIMA ANNO REPARATAE SALUTIS HUMANAE 1571 CAL: MAJI PIE IN
CHRISTO E VITA DEFUNCTA POSTERITATI
BARBARA QUAE QUONDAM FURAM CHARISSIMA CONIUNX
PRAEPOSITO IN DENCKENDORFF BARTHOLOMAEO TIBI
QUAE NON VEL CLARO VIRTUTEM NOMINI CESSI
CORPORTS ET MENTIS DOTIBUS AUCTA FUI
A TENERIS ANNIS SINCERO PECTORE CHRISTUM
QUAE COLUI VITAE TERMINUM AD USQUE MEAE
SAXIS SIGNATIS SUB MORTE SOLUTA QUIESCO
EX PECTANS VOCEM CHRISTE BENIGNE TUAM
QUA RECOCABITUR IN CINERES IAM TURBA REDACTA
UT CAPIAT FACTIS PRAEMIA DIGNA SUIS
TUM REGEM CHRISTUM TANDEM MEA LUMINA CERNENT
TUM DEMUM OPTATO NECTARE SAEPE FRUAR

Die ehrenwerteste Frau Barbara Beerin,
des hochberühmten Mannes und Herrn Herrn Bartholomäus Käs,
des ehrwürdigsten Probstes in Denckendorff
teuerste Gattin, im Jahr der Wiederherstellung des menschlichen Heils 1571 am April fromm in Christo 
aus dem Leben geschieden, der Nachwelt:
Barbara, die ich einst war die teuerste Gattin
dem Probste in Denckendorff, dir, Bartholomäus,
die ich deinem berühmten Namen an Tugend nicht nachgestanden habe,
bin ich mit des Körpers und Geistes Gaben reichlich versehen gewesen;
die ich von zarten Jahren an mit aufrichtigem Herzen Christus
gedient habe bis zum Ende meines Lebens.
Unter dem Grabstein bin ich durch den Tod erlöst. Ich ruhe
erwartend deine Stimme, gnädiger Christus,
durch welche zurückgerufen werden wird die schon zu Asche gewordene Schar,
damit sie Belohnungen erlange, die ihrer Taten würdig sind.
Dann werden endlich meine Augen den König Christus sehen,
dann werde ich endlich den oft ersehnten Nektar genießen.

 

 

 

 

 

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Stand: 07. Februar 2007