|
|
|
Kurzgefasste
Geschichte des Klosters Denkendorf
Das Wappen von Denkendorf ist das oben links abgebildete Patriarchenkreuz von Jerusalem. Das Kreuz mit dem doppelten Querbalken findet man auf den Grabmalen in der Vorhalle der Klosterkirche, an der Kanzel und auf Schlusssteinen im Gewölbe von Kreuzgang und Kapitelsaal. Es weist darauf hin, dass die Gründung des Klosters Denkendorf in die Zeit der Kreuzzüge und Pilgerfahrten nach Jerusalem fällt.
Um 1125 unternahm der Ortsherr von Denkendorf, ein Edler Bertholdus, eine solche Pilgerfahrt ins Heilige Land, um in der Grabeskirche von Jerusalem zu beten. Er besaß auf dem heutigen Klosterhügel eine dem Pelagius geweihte Eigenkirche, die zwischen 1050 und 1100 erbaut worden war. In Jerusalem stiftete er seine Kirche in Denkendorf mit allen Einkünften dem Chorherrenorden vom Heiligen Grab, der dem Patriarchen von Jerusalem unterstand. Der Patriarch sandte daraufhin einen Chorherren nach Denkendorf mit dem Auftrag, hier eine Niederlassung des Ordens der Brüder vom Heiligen Grab zu gründen. So ist Kloster Denkendorf entstanden. Die erste Urkunde über die neue Gründung stammt aus dem Jahr 1129. Zunächst bauten sich die Chorherren an der Seite der Kirche eine Unterkunft,
das erste romanische In der neuen Kirche sollte vor allem ein Raum entstehen, wo in besonderen
Gottesdiensten die Verbundenheit der Chorherren mit ihrer Mutterkirche, der
Grabeskirche in Jerusalem, zum Ausdruck kommen konnte. Die Krypta wurde dafür
erbaut. An dem leeren Grab feierten die Ordensbrüder wie
"Klein-Jerusalem" in Denkendorf 1291 brach die Kreuzfahrerherrschaft in Palästina endgültig unter dem Druck der Mamelucken zusammen. Die Gläubigen aus Deutschland erhielten nun für eine Pilgerfahrt zur Grabeskirche in Denkendorf, besonders am Karfreitag, denselben Ablass wie vorher für das Gebet am Heiligen Grab in Jerusalem. Denkendorf wurde zur stark besuchten Wallfahrtskirche. Auch ein Pilgerfriedhof aus dieser Zeit ist gefunden worden. Noch heute kann man in der Gegend den Spitznamen "Klein-Jerusalem" für Denkendorf hören.
Den weltlichen Schutz des Klosters hatte zunächst der Kaiser als Schirmvogt übernommen.
Solange während der Stauferzeit die Kaiser zugleich Herzöge waren, genügte
das. In der darauffolgenden Zeit war der Kaiser zu weit, um wirksamen Schutz
bieten zu können. Das Kloster geriet in die Machtkämpfe zwischen der
Reichsstadt Esslingen und den aufstrebenden Grafen von Württemberg.
Die letzten Pröpste vor der Reformation, Peter Wolff (1477-1508), Johannes
Unger (1508-1516) und Martin Altweg (1516-1521) waren als Ratgeber des Herzogs
auch persönlich eng mit dem Haus
Die Reformation konnte in Denkendorf ohne Unruhen durchgeführt werden. Einige der Denkendorfer Chorherren hatten sich schon auf ihren auswärtigen Pfarrstellen für die Lehre Luthers entschieden, als im Juni 1535 eine offizielle Abordnung des Herzogs unter der Führung von Ambrosius Blarer in Denkendorf eintraf, um eine Erklärung über die Annahme der Reformation einzuholen. Der Propst Ulrich Fehleisen erreichte zunächst einen Aufschub; er brachte vor, die Chorherren seien nicht alle anwesend, sondern auf ihren Pfarrstellen tätig und mit dem Einbringen der Ernte beschäftigt. Die Verhandlungen wurden mit Rücksicht darauf abgebrochen und nach der Ernte wieder aufgenommen. Verschiedene Chorherren nahmen die evangelische Lehre an und wurden als Prediger angestellt; den anderen wurde freigestellt, ob sie das Kloster mit einer Leibrente verlassen oder bis zu ihrem Tod bleiben wollten. Der Propst selbst trat nicht zum evangelischen Glauben über, war aber dem Herzog treu ergeben. Verschiedene Chronisten berichten, Propst Ulrich Fehleisen sei es gewesen,
der später Herzog Christoph den Rat gegeben habe, die Klöster in Klosterschulen
zu verwandeln. Junge Leute sollten hier durch eigene Lehrer unter der Leitung
eines Prälaten auf das Theologiestudium in Tübingen vorbereitet werden. Aus
diesen Klosterschulen entstanden später die heutigen evangelischen Seminare.
Denkendorf hat offenbar als erste dieser Klosterschulen in Württemberg schon
1553 mit dem Unterricht begonnen. 1556 erfolgte dann die offizielle Einführung
der Klosterschulen für das ganze Land. 14 Klöster wurden damals in
Klosterschulen umgewandelt; bald aber stellte sich heraus, dass diese Zahl für
das kleine Land zu groß war. Schon im Jahr 1584 wurde deswegen die erste Die Propstei Denkendorf mit den ihr unterstellten Pfarreien und weltlichen Gütern blieb weiter bestehen, und von 1599 bis 1804 war der Propst von Denkendorf zusammen mit den Äbten von Adelberg, Bebenhausen und Maulbronn einer der vier Generalsuperintendenten bzw. Prälaten der Württembergischen Landeskirche. Viele der Prälaten waren zugleich Hofprediger in Stuttgart und wohnten nur zeitweise in Denkendorf, wo ein ständiger Verwalter eingesetzt war. Erst als im Jahr 1692 bei der Plünderungszügen Ludwigs XIV. gegen das Rheinland das Kloster Hirsau von den Franzosen völlig zerstört worden war, dachte man daran, in Denkendorf wieder eine Klosterschule unterzubringen. Nach Jahren der Vorbereitung und des Umbaus wurde diese zweite Klosterschule 1713 eröffnet. Damit begann für Denkendorf eine neue Blütezeit. Außer dem Propst zogen zwei Klosterpräzeptoren in Denkendorf ein, dazu etwa zweiundzwanzig 14-16jährige Schüler, die vorher in Stuttgart durch das "Landexamen" auf ihre Tauglichkeit geprüft worden waren. Nach zwei Jahren Unterricht in Denkendorf kamen sie in eine der sogenannten "Höheren Klosterschulen", Bebenhausen oder Maulbronn, von wo der Weg dann weiterging ins Tübinger Stift und an die Universität.
Die Geschichte der zweiten Denkendorfer Klosterschule ist eng mit dem Namen
Johann Albrecht Bengel verbunden. Er zählt zu den bedeutendsten evangelischen
Theologen in Württemberg. Bengel kam als junger Mann gleich 1713 als
Klosterpräzeptor nach Denkendorf und arbeitete hier 28 Jahre lang. Ungefähr
300 württembergische Theologen sind in dieser Zeit von ihm unterrichtet worden.
Auch in der Zeit nach der Reformation hatte das Kloster seine Güter, die über das ganze Land verstreut lagen, selbständig verwaltet. Die Bewohner der Klosterorte Denkendorf, Berkheim und Altdorf waren zum Teil noch dem Kloster leibeigen, weithin aber lehenspflichtig und fronpflichtig. Im Jahr 1806 erklärte der erste württembergische König, Friedrich I., das ganze Kirchengut zu staatlichem Besitz. 1810 musste die Schule Denkendorf verlassen. Sie wurde nach Kloster Schöntal verlegt. Der Staat, der nun alle Güter und Rechte des Klosters übernahm, wusste mit
den alten Gebäuden nichts anzufangen. Versuche mit einer Runkelrübenzuckerfabrik,
einer landwirtschaftlichen Schule und einer Senffabrik mussten aufgegeben
werden. Das Kloster ging durch mehrere Hände, bis es 1838 der Fabrikant Friedrich
Kauffmann aus Esslingen übernahm und eine Senf und Likörfabrik darin Beim Wegzug der Firma Kauffmann erwarb der Staat die Gebäude zurück; einige Jahre war eine Präparandenanstalt für künftige Lehrer im Kloster, von 1921 bis 1933 dann das erste süddeutsche Volkshochschulheim für Mädchen unter der Leitung von Frau Dora Weber. Im "Dritten Reich" benützte die NSDAP die Räume des Klosters; nach dem Krieg waren Flüchtlinge darin untergebracht. Um 1948 kaufte die Evangelische Landeskirche die Klostergebäude und gründete
in ihnen das Einen eigenen Schwerpunkt bildet im Kloster Denkendorf das jüdisch-christliche Gespräch mit Kursen, Begegnungstagen und Studienreisen. Quelle: Kloster Denkendorf, Hg. von der Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf.
Literatur:
Besondere Empfehlung:
Zu diesem Buch: Das "Klostermännle" entführt Leila auf eine Entdeckungsreise in die interessante Vergangenheit des Klosters Denkendorf. Eine spannende Geschichte, liebevoll illustriert, für kleine und große Leute von 6 bis 106 Jahren. Und ein "Mutmachbuch" für alle, die einen Neuanfang wagen. Das Buch ist erhältlich im Kloster Denkendorf, beim Evang. Pfarramt Klosterkirche oder z.B. bei amazon.de online bestellen.
Weiterer Hinweis:
Zufällig im Internet gefunden:
|
|
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: info@kloster-denkendorf.de
Copyright © 2001 Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf
|