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Das Foto links zeigt den Blick vom Meierhof zum Kloster.
Das Gebäude im Mittelpunkt ist die 1713 erbaute ehemalige Kelter, die am Platz
des zuvor hier stehenden Herrenhauses gebaut wurde.
Herrenhof - Maierhof - Klosterhof
Von Rolf Deuschle und Herbert Raisch
Oberamtmann Zeller hat in den Jahren 1785 - 1806 einen Plan
gezeichnet, auf dem sich die Lage der einzelnen Baueinheiten des. Klosters
erkennen lassen. Nach diesem Plan wurde das abgebildete Modell rekonstruiert. -
Es erhebt sich die Frage: Wie lassen sich Herrenhof- Maierhof und Klosterhof
zeitlich einordnen?
Denkendorf ist in der ersten Ausbauphase, also in der ersten
Hälfte des 7. Jahrhunderts entstanden. Es ist anzunehmen, dass in damaliger
Zeit - wie in anderen Siedlungen, so auch in Denkendorf - der Herrenhof zwischen
Klosterberg und Körsch angelegt wurde, der die fränkische Herrschaft sichern
sollte, nachdem sich die Alemannen in Einzelhöfen und Weilern angesiedelt
haben. Dafür sprechen die bis heute ausgewiesenen großen Flurstücke
"Brühl" und "Breite", die signifikant sind für einen
Herrenhof und eben nicht auf den fruchtbaren, lößlehmbedeckten Hochflächen,
sondern im Tal, in der Nähe des Herrenhofes liegen. Der Herrenhof besaß
durchaus eine Schutzlage zwischen dem noch wasserüberströmten, nicht
begehbaren Klosterberg und der Körsch, und er konnte zudem das hervorragende
Wasser der Schichtquelle des Klosterbergs nutzen. Im Herrenhof lebte der
"Dorfadel", der sich herausbildete - vielleicht auch aus der neuen
fränkischen Schicht - und der durchaus mit dem Namen eines Danko in Verbindung
gebracht werden kann. Selbstverständlich dauerte es, bis sich die fränkische
Herrschaft im mittleren Neckarraum durchsetzen konnte. Einen wichtigen Schritt
dazu bildete die Christianisierung, die sich während des gesamten 8.
Jahrhunderts als Prozess vollzog. Es ist deshalb anzunehmen, dass während
dieser Zeit zum Herrenhof eine Holzkapelle gebaut wurde, das erste Gotteshaus in
Denkendorf, ein Vorläufer der heutigen Friedhofskirche.
Um 800 vollzogen sich entscheidende wirtschaftliche und
gesellschaftliche Veränderungen. Die Karolinger versuchten durch die
Villikation, eine tiefgreifende "verwaltungstechnische" Neuerung, das
Land herrschaftlich in den Griff zu bekommen, vor allem natürlich auch um
Steuern zu erhalten. Überall in den Siedlungen wurden Maierhöfe angelegt und
ein neues Wirtschaftssystem eingeführt, die Dreifelder- oder
Dreizelgenwirtschaft mit Schwarzbrache und Rotation. Maierhöfe waren Gutshöfe,
in denen die Naturalabgaben für die Herrschaft und in den Zehntscheuern, die
Abgaben für die Kirche gesammelt wurden. Der Denkendorfer Ortsherr hat also um
800, während der Zeit Karls des Großen, oder im ersten Drittel des 9.
Jahrhunderts, während der Zeit Ludwigs des Frommen, auf einem
hochwassergeschützten Bereich den Maierhof neu angelegt, da die Fläche des
Herrenhofs zwischen Klosterberg und Körsch zu klein war, um einen großen
Gutshof zu errichten mit Zehntscheune, Drittelscheune, Maiereiwohnung und
Haupthaus, wie wir sie noch heute erkennen können. Da die geweihte Kapelle im
Herrenhof vorhanden ist, bleibt sie in situ. Ob der Ortsherr im Herrenhof blieb
oder in den Maierhof ging, ob er selbst noch in Denkendorf lebte, können wir
bislang nicht erschließen.
Erst um das Jahr 1000 lässt sich eine neue Entwicklung
erkennen. Die adligen Herren verlegten ihre befestigten Häuser in Höhenlagen.
Jetzt wird der Klosterberg hergerichtet, indem man das Wasser fasst und südlich
um den Klosterberg leitet. Dieser wird zum burgartigen Herrenhof ausgebaut mit
Wehrtürmen und Wehrgang (noch in der Pfarrscheune sichtbar) sowie einer
Zugbrücke. Durch Vergabe von Zwing und Bann entsteht ein Zwinghof (vermutlich
ein Königshof), in dem Graf Berthold und seine Frau Ita um 1000/1020 eine
Kirche (templum) bauen. Um 1050/60 erbaut dann Graf Burghard von Staufenberg den
heute noch bestehenden Turm mit der Pelagiuskirche aus Stein. Ob dies mit der
Herrschaftssicherung auf den Fildern zusammenhängt, ob sich hier ein Geschlecht
- etwa die Fildergaugrafen von Plieningen aus - eine Grablege als Stätte der
Traditionsbildung und -pflege anlegen ließen, kann nur vermutet werden. -
Schließlich stiftet Graf Berthold von Hohenberg/Lindenfels 1124 hier sein
Kloster. In den Jahren 1195/97 ist der Beginn des Baus der Klosterkirche zu datieren, wobei man den Turm von 1050/60
belässt.