Arbeitsgruppe „Wege zum Verständnis des
Judentums“ 73770 Denkendorf,
22.10.2004
Vorsitzender: Dr. Michael Volkmann Klosterhof
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Stellungnahme zur geplanten
Handreichung der Landessynode
„Daran
glauben wir“
Die Handreichung „Daran
glauben wir“ gibt der Landessynode die Chance, an ihre grundlegenden
Erklärungen zum Verhältnis von Christen und Juden zu erinnern und so der
„Israelvergessenheit“ in der Kirche entgegenzuwirken. Die Arbeitsgruppe „Wege
zum Verständnis des Judentums“ macht im Folgenden konkrete
Formulierungsvorschläge, wie dem Textentwurf in diesem Sinne einige Akzente
verliehen werden können. Wir erinnern besonders an die Erklärung der Synode vom
6. April 2000: „Bei allen Aussagen zu unserem Selbstverständnis und zum
Verhältnis von Christen und Juden wollen wir den jüdischen Weg und das jüdische
Schicksal mit bedenken.“ Da dieses Mit-Bedenken im Textentwurf bislang nicht
erkennbar wird, handelt es sich bei unseren Vorschlägen vor allem um
Text-Ergänzungen.
Neuformulierungsvorschläge
sind unterstrichen:
1. Zur Einleitung „Was trägt?“ empfehlen wir
einen kurzen Einschub.
Die Quelle unseres Glaubens ist die Bibel. Sie ist für uns Heilige
Schrift (Bild). In ihr hören wir Gottes Stimme. Durch sie sind wir
mit Israel verbunden. Ihr vertrauen wir ganz und nennen dies „glauben“. Auf
sie hören wir in jedem Gottesdienst. In der Bibel entdecken wir die gute
Nachricht von Jesus Christus, das Evangelium. Sie erzählt Gottes Geschichte mit
der Welt und seinen Menschen: vom Anfang, von Gottes besonderem Weg mit Israel,
von Jesus Christus, von den Anfängen der christlichen Kirche und der Hoffnung
auf die Vollendung.
Begründung:
Wir erinnern an die
Synodalerklärung vom 6. April 2000, Abschnitt „3.a) Durch die Schrift verbunden
…“
2. Wir empfehlen vor „2. Jesus Christus –
Gott kommt zur Welt“ einen neuen Abschnitt 2. einzufügen und die weitere
Nummerierung entsprechend zu verändern:
2. Gottes
besonderer Weg mit Israel
Aus Liebe hat
Gott aus allen Völkern Israel zu seinem Bundesvolk erwählt, damit durch dieses
Volk alle Völker gesegnet werden. Gott ist seinem Bund treu. Als Heilsgaben
verlieh er seinem Volk „die Kindschaft und die Herrlichkeit und den Bund und
das Gesetz und den Gottesdienst und die Verheißungen und die Väter, und aus
ihnen kommt Christus her nach dem Fleisch“ (Römer 9,4-5). Auch das Christentum
stammt aus dem jüdischen Volk her. Jesus sagt:
„Das Heil kommt
von den Juden.“ (Johannes 4,22)
Begründung:
Im einleitenden Abschnitt
„Was trägt?“ wird aufgezählt, wovon die Bibel erzählt. Alle Punkte der
Aufzählung (vom Anfang, von Jesus Christus, von der christlichen Kirche, von
der Hoffnung auf die Vollendung) werden aufgenommen und ausgeführt, nur nicht
„Gottes besonderer Weg mit Israel“. Wir erwarten, dass gerade dieses Thema
nicht hinter die anderen zurückgesetzt wird.
3. Zum Abschnitt „Jesus Christus – Gott
kommt zur Welt“: Wir empfehlen, den Satz „Als Kind der Maria kommt er in
Bethlehem zur Welt“ neu zu formulieren.
In Jesus Christus
wird Gott selbst Mensch. Als Kind wird er von der jüdischen Mutter Maria
geboren (Bild mit einer
Krippe). Mit diesem Kind macht Gott den Menschen eine große Freude. Das
feiern wir jedes Jahr an Weihnachten.
Begründung:
Jesus Christus ist
Jude. Neben dem sehr zwiespältigen Pilatuszitat – die einzige Nennung „der
Juden“ im gesamten Text stammt aus dem Mund eines Heiden! - unten im selben
Abschnitt ist es wichtig, diese Tatsache in einer eindeutig positiven
Formulierung zu bringen. Daher im nachstehenden Abschnitt auch das Paulus-Zitat
aus Römer 15,8.
4. Mit derselben Begründung empfehlen wir im
selben Abschnitt den folgenden paulinischen Zusatz:
Tote macht er
lebendig. Er verkündigt Gottes Willen und ruft Menschen, ihm zu folgen. „Christus
ist ein Diener der Juden geworden, … um die Verheißungen zu bestätigen, die den
Vätern gegeben sind.“ (Römer 15,8). Damit hat er Staunen ausgelöst, aber
auch Anstoß erregt. Unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus wurde Jesus
in Jerusalem als „König der Juden“ zum Tode verurteilt, gefoltert und
gekreuzigt.
5. Zum Abschnitt „Die Kirche – Gemeinschaft
der Gläubigen“ empfehlen wir, am Ende des Abschnitts hinzuzufügen:
Wir unterstützen
den „Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der
Schöpfung“ und fördern weltweit Aktionen, die zum christlichen Glauben rufen.
Wir unterhalten
respektvolle Beziehungen zu Juden und fördern das Gespräch zwischen Christen
und Juden. Wir wenden uns gegen jede Form von Antisemitismus. Judenfeindschaft
trifft auch die Kirche und ihren Herrn Jesus Christus.
Begründung:
Die Synode hat am
6. April 2000 erklärt: „Wir leben davon, dass Israel unser Gegenüber ist, und
nehmen Juden als Juden wahr.“ Die Verbundenheit von Christen und Juden sollte
in diesem Abschnitt über die Kirche zum Ausdruck gebracht und nicht
verschwiegen werden. Dass der Antisemitismus eine reale Gefahr für Israel und
die Kirche, für jede Form des menschlichen Zusammenlebens, darstellt, muss
immer wieder neu betont werden.
6. Zum Abschnitt „Mit Gott leben“ empfehlen
wir zwei Änderungen:
Gott hat den Menschen die Verantwortung für die
Schöpfung übertragen. Zum Schutz des Lebens hat er seine Gebote gegeben.
Begründung:
Auch andere Gebote
Gottes über die zehn Gebote hinaus dienen dem Schutz des menschlichen Lebens.
Darum sollten die Gebote Gottes nicht von vorn herein auf die Zehn Gebote
eingegrenzt werden.
Jesus hat, wie
jüdische Schriftgelehrte seiner Zeit auch, die Gebote zusammengefasst
in der Liebe zu
Gott, zu uns selbst und zu unseren
Mitmenschen, zu denen ausdrücklich auch unsere Feinde gehören.
Begründung:
In Lukas 10,27
fasst ein Schriftgelehrter die ganze Tora im Doppelgebot der Liebe zusammen. In
Markus 12,32-33 bestätigt ein Schriftgelehrter die Zusammenfassung der ganzen
Tora durch Jesus in vorbehaltloser Übereinstimmung, was Jesus zu der Reaktion
veranlasst: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“
7. Um der Redlichkeit im Umgang mit der biblischen
Überlieferung willen sollte die Herkunft der beiden Liebesgebote aus der Tora
Israels kenntlich gemacht werden (vgl. Luther-Bibel).
Außerdem halten wir
es für angebracht, die ursprüngliche, Israel freundliche Stelle Markus 12,29-31
zu zitieren:
„Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der
Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem
Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften
(5. Mose 6,5). Das andere ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben
wie dich selbst (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als
diese.“ (Markus 12,29-31)
8. Zum Abschnitt „Die Vollendung der Welt“
empfehlen wir eine kurze Ergänzung:
Wir glauben, dass diese Welt nicht so bleibt, wie sie ist. Gott wird die ganze Schöpfung von allem Leiden
befreien. Diese Hoffnung teilen wir mit dem Volk Israel.
Begründung:
Die Synode hat am
6. April 2000 erklärt, dass sie diese Hoffnung von Israel gelernt habe. Ihrer
urzeitlichen Herkunft und ihrer endzeitlichen Zukunft nach sind Judentum und
Christentum eine Religion (Peter von
der Osten-Sacken). Darum halten wir auch hier einen Hinweis auf unsere
Verbundenheit mit Israel für unverzichtbar.