patri51.jpg (40591 Byte) Kreuz des Patriarchen von Jerusalem im Kreuzgang des Klosters

    

Willkommen im Kloster Denkendorf

  

Links zu Informationsseiten:

Im Bereich der Sprachhilfe

Erzieherinnen

Diakon/innen 

Beauftragte für Gemeindediakoninnen und -diakone

Sekretär/innen

Kirchenpfleger/innen

Mesner/innen und Hausmeister/innen

   
Bereich "Christen und Juden"

Arbeitsgruppe "Wege zum Verständnis des Judentums"

   
Pastoralkolleg


Kultur im Kloster:

Kreuzgangkonzerte

Ausstellungen


Das Kloster:

Die Geschichte des Klosters Denkendorf

Anmeldung/Anreise

Die Mitarbeiter

Allgemeine Geschäftsbedingungen

 

 


zurück zur Geschichte - Überblick  

Kloster und Dorf

Von Hermann Bitterle

Denkendorf wird Klosterort

Chorherr vom Hl Grab.jpg (91128 Byte)Die Denkendorfer Mönchsgemeinschaft (Abbildung links: ein Chorherr des Ordens vom Heiligen Grab) bestand schon einige Jahre, als der Papst das Kloster in seinen Schutz nahm. Für die Dorfbewohner änderte sich mit der Anwesenheit der Mönche kaum etwas. Sie waren nach wie vor Eigenleute Bertholds. Er war ihr Grundherr, ihr Leibherr und Gerichtsherr, sie gehörten zu seinem Hausgesinde, in der damaligen Rechtssprache: zu seiner „familia". Mönche hatten sie wohl noch nie gesehen, denn in großem Umkreis gab es nur in Faurndau ein Klösterlein mit wenigen Insassen. Mit Neugier und Ehrfurcht werden die Leute von Denkendorf den Herren (damals nur Angehörigen des Adels) in den langen Gewändern mit dem aufgenähten Doppelkreuz auf der Brust begegnet sein. Der bisherige Ortspfarrer tat weiterhin seinen Dienst in der Pelagiuskirche und an seinen Pfarrkindern. Das tägliche regelmäßige Geläute zu den Stundengebeten der Mönche zeugte von der Anwesenheit der Brüder vom Heiligen Grab und erinnerte schon in der Nacht und während des Tageslaufs an das Gott wohlgefällige Werk, das die Mönche auch für die Menschen im Dorfe verrichteten.

Als der alte Ortspfarrer um 1160 gestorben war, übernahmen die Mönche den Pfarrdienst in Denkendorf, und so kamen Klosterinsassen und Ortsbevölkerung einander zwangsläufig näher. Eine neue Situation ergab sich, als Berthold gestorben war. Sein Todesjahr kennen wir sowenig wie sein Geburtsjahr. Mit ihm starb das Geschlecht der Denkendorfer Edelherren aus, die im Herrenhof jenseits der Körsch (später Maierhof) gewohnt hatten. Man darf annehmen, dass der steinerne Bau der Pelagiuskirche, deren Turm noch heute auf uns herunterblickt, von Bertholds Großvater errichtet worden ist.
  

Worin bestand die neue Situation

Der neue Grundherr, der Eigentümer aller Bauernlehen, war jetzt das Kloster. Bisher waren die Mönche den Dorfbewohnern im Gottesdienst gegenübergestanden, hatten ihre Ehen geschlossen, ihre Kinder getauft, ihre Toten begraben und bei Hausbesuchen mit geistlichem Zuspruch geholfen. Waren die Dörfler bis dahin ihre Pfarrkinder gewesen, so wurden sie nach Bertholds Tod auch ihre Knechte. Das Kloster war Herr über alles bebaute und unbebaute Land der ganzen Markung. Vom Propst und den Mönchen mussten die Bauern Haus und Hof und Güter sich verleihen lassen. Sie selbst waren nur die Nutzungsberechtigten, solange sie lebten. Ihre Lehen waren so genannte Fall-Lehen. Beim Tode des Lehensmannes fiel ihr Lehen heim an den Grundherrn. Es konnte von einem erwachsenen Sohn von neuem erbeten werden, aber der Grundherr hatte freie Hand bei der Wiederverleihung. An die Stelle der adeligen Grundherrschaft war die Klostergrundherrschaft getreten. An den Besitz- und Rechtsverhältnissen hatte sich nichts geändert. Grob gesprochen war jene Zeit ein Zeitalter der Herren und Knechte. Dennoch wurde die Klosterherrschaft von den Untertanen im allgemeinen anders beurteilt als die Adelsgrundherrschaft. Im Volksmund ging die Redensart „Unterm Krummstab ist gut leben." Der Krummstab war der gebogene Hirtenstab, den der Bischof, der Abt, der Propst bei feierlichen Anlässen als Zeichen seiner Würde in der Rechten trug.
  

Die Pelagiuskirche wird abgetragen.

Pelagiuskirche.jpg (43687 Byte)Dass die Dorfkirche (die Abbildung links zeigt das vermutliche Aussehen der Pelagiuskirche im 12. Jahrhundert) für die Dorfbevölkerung und die Mönchsgemeinschaft zu klein war, musste von Anfang an klar sein, zumal auch aus der Umgebung Besucher zuströmten. Doch vergingen Jahrzehnte, bis ein fester Plan vorlag, der auch den Bedürfnissen und den Vorstellungen der Brüder vom Heiligen Grab entsprach. Die Brüder waren unermüdlich, den vermögenden Adel des Landes zu weiteren Schenkungen zu veranlassen, so dass etwa um 1200 mit dem Bau einer stattlichen Klosterkirche begonnen werden konnte. Die Erbauungszeit ist nirgends überliefert, man kann sie nur aus den Stilmerkmalen des Bauwerks ungefähr ablesen. Vor Abtragung der Pelagiuskirche musste für einen würdigen Ersatzbau während der langen Bauzeit gesorgt werden. Als solcher könnte die Vorgängerin der Friedhofkapelle, die nachweislich an derselben Stelle gestanden ist, gedient haben. Ohnehin hatten die Mönche den bisherigen Kirchhof auf der Nordseite der Pelagiuskirche als Klosterkirchhof beibehalten und hatten für die Dorfbevölkerung einen eigenen Begräbnisplatz angelegt. Vielleicht sind Kapelle und Dorffriedhof gleichzeitig entstanden.

Ob der Bau der Klosterkirche 30 oder 50 Jahre gedauert hat, weiß niemand zu sagen. Für die Leute aus dem Dorf waren es nicht weniger arbeitsreiche Jahre als für die Mönche. Nach zuverlässigen Berichten war der Arbeitseifer bei den Kirchenbauten des Mittelalters groß und anhaltend, man verstand sein Tun als gottgefälliges Werk. Alle Hände wurden gebraucht. Die Bauhandwerker waren Fremde, die Handlanger Einheimische.

Die Steine aus den hiesigen Steinbrüchen gefielen den Mönchen nicht. Wo sie die großen, hellen Stubensandsteine brechen ließen, ist eine Frage an die geologischen Fachgelehrten. Die Überlieferung ist stumm, und die Geologen haben noch nichts entschieden. Fester, widerstandsfähiger Stubensandstein kommt hierzulande nicht häufig vor. Aus großer Entfernung können die Steine aber nicht herangeschafft worden sein. Bedenkt man die Wegeverhältnisse, die einfachen Bauernfuhrwerke und den Zustand der Zugtiere, so muss jeder einzelne stattliche Quader eine volle Fuhr gewesen sein. Unzählige mühsame Fuhren waren nötig. Die Arbeit der Einheimischen wurden in der Fron ausgeführt: die Leute wurden zur Arbeit verpflichtet, aber der Handlanger wurde für seine Handfronen und der Fuhrmann für seine Spannfronen bezahlt, meist in Naturalien. Jahrzehntelang gab es für die Denkendorfer zusätzlichen Verdienst, und der war zu allen Zeiten willkommen.

Dorf und Herrschaft vor Gericht

Wir müssen einen großen Zeitraum überspringen, weil er leer ist von urkundlichen Nachrichten, aber durchaus nicht leer an bedeutsamen Vorgängen in der geschichtlichen Entwicklung. Wir finden uns wieder in einer veränderten Welt. Seit der Stauferzeit gibt es Städte, in unserer Gegend die Stadt Esslingen. Sie ist ein Machtmittelpunkt des Königs mit einem königlichen Schultheißen an der Spitze und mit dem Sitz eines Hohen Gerichts. Vor diesem Gericht streiten sich 1420, 1422, 1427 und 1430 die Klostergrundherrschaft und das Dorfgericht um gegenseitige Rechte und Pflichten. Das Kloster bezieht sich 1420 wegen der ihm schuldigen Pflichten des Dorfgerichts auf einen Majestätsbrief König Ruprechts (1399-1410). Zu Zeiten dieses Königs war das Dorfgericht eine fest bestehende Einrichtung. Wann aber die Dorfleute von der einstigen „familia" der Klostergrundherrschaft sich gelöst haben und zu einer selbständigen Dorfgenossenschaft mit eigenen Recht und Pflichten, vertreten vom Dorfgericht, geworden sind, lässt sich bis heute nicht sagen. Die Zahl der Richten betrug 12. Aus ihren Reihen erwählte der Propst den Amann, der als Vorsitzender des Gerichts die Richter befragte. Als Zeichen seiner Würde führte er den Gerichtsstab. Schied einer der Richter aus dem Dorfgericht aus, so wählte dieses einen Ersatzmann, der aber vom Propst bestätigt werden musste. Die Wahl erfolgte stets auf Lebenszeit.

Vom Fall-Leben zum Erblehen

Bis die allgemeinen Zustände bei den hart schaffenden Untertanen wieder um einen Schritt vorankommen in der Erleichterung ihres Daseins, vergehen lange Zeiträume. Aus der Zeit gegen 1500 sind ein Reihe Denkendorfer Lehensbriefe vorhanden, die eine bedeutsam Neuerung aufzeigen. Die bisherigen Fallgüter werden nacheinander in Erbgüter umgewandelt. Eigentümer der Bauerngüter bleibt nach wie vor das Kloster. Der Bauer wird aber nun ein erblicher Besitzer, d.h., er sitz fest auf seinem Lehensgut und kann nur in Ausnahmefällen verdrängt werden. Wie bisher zahlt er von dem Ertrag seinen jährlichen Grundzins, im allgemeinen ein Viertel des Ernteertrags, an die Grundherrschaft, von manchen Grundstücken sogar ein Drittel. Er kann sein Nutzungsrecht auch verkaufen oder vertauschen oder beleihen. Doch muss für jede Besitzveränderung, auch für den erblichen Besitz, "Handlohn und Weglösin" (meist 5 % des Wertes) an den Lehnsherrn bezahlt werden.

Aufrührer in Denkendorf

Schon vor der Reformation war das Kloster seinem Schirmherrn, dem Herzog von Württemberg, sehr verpflichtet. Das Kloster musste ihn und sein Gefolge samt Dienerschaft und Pferden, wenn er zur Jagd in die hiesige Gegend geritten kam, beherbergen und verpflegen. Dafür war das Kloster von den allgemeinen Steuerlasten frei. Die Klosteruntertanen aber wurden als Treiber und Fuhrleute zu den Jagden herangezogen. Diese Jagdfronen waren im Leben der Dorfbewohner eine kräfteverzehrende Abwechselung bei kärglicher Entlohnung.

Als der junge Herzog Ulrich durch seine unglaubliche Verschwendung eine große Schuldenlast angesammelt hatte, sollte das Land ihm heraushelfen. Bei der Verteilung der Lasten traf das Klosteramt Denkendorf eine künftige Jahreszahlung von 100 Gulden. Die Hälfte sollte das Kloster, die andere Hälfte dessen Untertanen aufbringen. Denkendorf als der größte der 3 Klosterorte musste jedes Jahr 25 Gilden zur Tilgung der herzoglichen Schulden von seinen Bürgern eintreiben. Für den einzelnen Haushalt bedeutete das etwa 1-2 Tagelöhne. Bald rumorte es unter den Bauern, am meisten in den Weingärtnerdörfern des Remstales. Wie viele Denkendorfer sich 1514 bewaffnet zum Cappelberg bei Beutelsbach aufgemacht haben, um sich dem bäuerlichen Heerhaufen anzuschließen., wissen wir nicht. Auch darüber ist nichts bekannt, ob sie im Auftrag der Denkendorfer Dorfgenossen gehandelt haben oder als Einzelne. Ihr Glück war, dass das Strafgericht sich in die Klänge zog, und sie erst nach einem Jahr ihr Urteil bekamen. Das gesamte Dorfgericht musste sich nach Stuttgart begeben und eine scharfe Strafpredigt entgegennehmen. Den "Hauptsächern" aber wurde das Tragen von Waffen solange verboten, bis sie dieses Recht vom Propst wieder "bittlich erlangen". Die ländliche Bevölkerung blieb weiterhin darauf beschränkt, Gehorsam zu leisten, ohne gehört zu werden, blieb also gänzlich ohne Einfluss auf politische Entscheidungen, ein Spielball der Mächtigen.

Das Kloster wird aufgehoben – die Klostergrundherrschaft bleibt

Altes Pfarrhaus.jpg (206681 Byte)Als Schirmvogt löste Herzog Ulrich alle Klöster im Herzogtum Württemberg auf, nachdem er 1534 sein land zurückerobert und 1535 die Reformation in Württemberg eingeführt hatte. Die kirchliche Versorgung der Gemeinde Denkendorf geschah nun durch evangelische Prediger, die – wie die Pfarrerliste ausweist – einander in kurzen Abständen folgten. Mit Herzog Christoph (1550-1568) kehrte Beständigkeit ein. Die Große Kirchenordnung von 1559 sicherte die Ausbildung und den Nachwuchs der evangelischen Pfarrer. 1567 bezog Leonhard Alber, ein geborener Denkendorfer, hier auf. Wo er zunächst mit seiner Familie gewohnt hat, ist nicht bekannt; vielleicht wie der Vorgänger im Kloster. Vor 1579 muss aber der Umzug in die Pfarrgasse erfolgt sein. Dorf hatte Pfarrer Alber im Auftrag der Klosterverwaltung ein geeignetes Bauernhaus samt Stall und Scheuer, Baumgarten und Weinberg um 625 Gulden gekauft (Foto links oben zeigt das alte Pfarrhaus in der Pfarrgasse), vielleicht schon vor seinem Aufzug in Denkendorf. Die Sorge für die Erhaltung des Pfarrhauses fiel der Klosterverwaltung zur Last. Für die Fenster, die Öfen und Türschlösser hatte der Pfarrer selbst aufzukommen. 4 Wagen Brennholz und 2 Wagen Reisig lieferte die Klosterverwaltung jährlich ins Haus.

Der ganze Besitz der vormaligen Klostergrundherrschaft blieb beisammen. Der neue Grundherr und auch der Leibherr war nun der württembergische Herzog. Der evangelische Propst (1560 war der letzte katholische Propst gestorben) und der Klosterverwalter wurden vom Herzog ernannt, sie waren herzogliche Beamte. Das Beispiel des Pfarrhauses zeigt, dass der Herzog nicht nur Besitzrechte vom Kloster übernommne hat, sondern auch Pflichten. Nachfolger in diesen Rechten und Pflichten ist seit 1918 der Staat, der sich denn auch bis zum heutigen Tages alle Entscheidungen bei baulichen Veränderungen am Pfarrhaus wie am Kirchengebäude vorbehalten hat und die alten Beziehungen zwischen Dorf und Kloster immer wieder sichtbar werden lässt.

Veränderungen im wirtschaftlichen Leben des Dorfes

Im Jahre 1583 wurde aus Gründen der Sparsamkeit die kleine Klosterschule in Denkendorf aufgehoben und die 14 Schüler in eine andere Klosterschule verlegt. Tiefgreifender war die Aufhebung der klostereigenen Gutswirtschaft. Im Viehhof am Fuße des Klosterberges zogen 2 Klostermaier ein, man teilte den Viehhof in 2 Maierhöfe mit je etwa 50 Morgen Ackerland. Alle übrigen Äcker, Wiesen, Gärten und Weinberge wurden an die Dorfbewohner verliefen. An die Trockenlegung des großen Fischteichs erinnern heute noch die Flurnamen der Seebettlen und der Bettlesäcker. Nur die Wälder blieben bei der Klosterverwaltung.

Gewiss waren die klostereigenen Grundstücke, die wohl auch in gutem Zustand waren, damals sehr begehrt. Die Markung reichte wegen der zunehmenden zahl der Einwohner nicht mehr aus, um alle Familien auskömmlich zu versorgen. Die landesgesetzliche Realteilung sprach den nachgelassenen Kindern gleiche Erbteile zu, zerstückelte die Güter und brachte die kleinbäuerliche und zwergbäuerliche Landwirtschaft hervor, die zu einem Nebenerwerb zwang. Der häufigste Nebenberuf war in Denkendorf die Leineweberei. Denkendorf wurde immer mehr ein Handwerkerdorf.

Als 1713 die Hirsauer Klosterschule nach Denkendorf verlegt wurde, bedeutet dies eine Förderung des handwerklichen Lebens. Von da an lesen wir in den Tauf- und Sterberegistern nicht mehr nur vom Klostermaier, sondern auch vom Klostermetzger, Klosterschmied, Klostermaurer usw. Die Klosterschüler waren werktags für die Dorfbewohner kaum zu sehen. In den sonntäglichen Gottesdiensten aber wurde die Gemeinde durch Gesang und Instrumentalmusik, der Schüler erfreut, als Vorleser traten die Alumnen (so war ihre amtliche Bezeichnung) in den Abendgottesdiensten auf.

Propst und Präzeptoren wechselten sich ab als Prediger. Von den Leuten im Dorf wurden der Propst und die beiden Klosterpräzeptoren, auch die Speismeister und der Hausschneider oft als Geldgeber aufgesucht, wenn sie durch Misswachs oder Unglück im Stall in Not geraten waren.

Von der religiösen Bewegung der Zeit ergriffen

Als der berühmte Johann Albrecht Bengel (in Denkendorf 1713-1741) verabschiedet wurde, überreichte die Gemeinde Denkendorf als Zeichen der Dankbarkeit dem langjährigen Prediger und verehrten Wohltäter ein Geldgeschenk mit ausführlicher Widmung. Zwei Jahre vor seinem Weggang war in der Pfarrgasse der Pfarrer Joh. Christoph Glöckler eingezogen, ein ehemaliger Schüler Bengels. Pfr. Glöckler richtete in Denkendorf die erste Privatversammlung ein, die als „Stunde" bis auf den heutigen Tag weiterlebt. Der Ort der pietistischen Erbauungsstunden war teils das Pfarrhaus in der Pfarrgasse, teils kam man in diesem und jenem Bauernhause zusammen.

Die Klosterschule wird verlegt

Durch Napoleons Machtspruch war das württembergische Königreich doppelt so groß geworden wie vorher. Die noch bestehenden Klöster wurden aufgehoben. König Friedrich bestimmte das geraume Kloster Schöntal an der Jagst als den künftigen Ort der bisherigen Denkendorfer Klosterschule. 1810 erfolgte der Umzug. Die Wiederverwendung der Klostergebäude als Zuckerfabrik, FrKauffmann1.jpg (55955 Byte) Landwirtschaftsschule, wieder als Zuckerfabrik, als Senffabrik ergab für die weniger Begüterten im Dorf erst eine stetige Verdienstmöglichkeit, als Friedrich Kauffmann (Bild links) 1838 das Anwesen kaufte und mit der Herstellung von Senf, Öl, Likör und Schokolade einen dauerhaften und erfolgreichen Fabrikbetrieb in Gang brachte, von dem die Alten heute noch erzählen können. Die Firma stellte seit 1905 ihren „Klostersenf" in Ebersbach her. 

In der Propsteiwohnung über der Vorhalle der Klosterkirche wohnte noch eine Zeitlang der damalige Pfarrverweser. Nach ihrem Abbruch wurde dem neuen Pfarrer das 1804 erbaute Oberamtsgebäude als Pfarrhaus zugewiesen. Das Pfarrhaus im Pfarrgäßle wurde verkauft. Einen entscheidenden Schritt tat der württembergische Staat 1841 mit dem Verkauf aller ehemaligen Gebäude und Grundstücke der einstigen Klostergutswirtschaft. Im Klosterhof wurde der Fruchtkasten, im Maierhof wurden die Wohnhäuser, Ställe und Scheuern verkauft. Außer den Klosterwäldern gingen alle Grundstücke in bäuerlichen Besitz über. Nur die Flurnamen Klosteracker, Stuck- oder Klosterstuckacker erinnern noch an die Bewirtschaftung durch das Kloster. Der Maierhof und der Klosterhof sind Ortsteile der Gemeinde geworden. Die Klosterkirche und das Pfarrhaus sind Eigentum des Staates geblieben.

Die Neuzeit

FrKauffmann2.jpg (179868 Byte)Seit der Aufhebung der Klosters im Jahre 1535 hatte sich bis zu diesen letzten Besitzveränderungen die Bevölkerung von Denkendorf verdoppelt. Der Zwang und Drang zu Nebenverdienst hatte aus Denkendorf ein Handwerkerdorf, vor allem ein Weberdorf gemacht. Der bäuerliche Charakter blieb dennoch erhalten, weil jeder sein Erbteil an Äckern und sonstigen Grundstücken festhielt und mit seiner Familie zusammen bewirtschaftete. Seit der Ablösung der Grundlasten um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren alle Grundbesitzer freie Eigentümer von Grund und Boden geworden. Das bedeutete rechtlich die letzte Loslösung von der früheren Grundherrschaft und völlige Selbstbestimmung in der Nutzung der Grundstücke. Noch gab es den Etter (Dorfzaun) mit den Ettertörlein. Dieser verschwand erst in den 18u60er Jahren, und nun erst wuchs der Ort langsam über seine uralten grenzen hinaus.

Die einstige Fernstraße mitten durch Denkendorf verlor ihre Bedeutung durch den Bau der Eisenbahn, die alsbald den Güterverkehr übernahm. Der Fabrikant Friedrich Kauffmann im Kloster war jetzt die treibende Kraft. Nicht umsonst bekam die neue Straße, die 1869 gebaut wurde und die Schäfersteige umging, den Namen Friedrichstraße. Sie war eine richtige Umgehungsstraße und führte um das Dorf herum, erst beim „Bären" kam sie in den Ort herein.

Zwischen 1870 und 1900 verwandelte sich Denkendorf in ein Maurerdorf. Der Bau von Fabriken in Esslingen und Stuttgart und damit zusammenhängend der Bau neuer Wohnviertel erzeugten großen Bedarf an Bauhandwerkern. Weil diese damals lange Winterpausen durchstehen mussten, bedurften sie einer Ergänzung ihres Verdienstes. Diesen Rückhalt hatten die Kleinstbauern in der weiteren Umgebung von Esslingen und Stuttgart an ihren kleinen Landwirtschaften.

In diesem Zeitraum entstanden nach und nach die Häuser an der Friedrichstraße, diese typischen Häuser der Arbeiterbauern: Einfamilienhäuser mit Stall und Scheuer, einem Garten hinter dem Haus und der unentbehrlichen Dunglege neben dem Haus. In der Furtstraße markiert die „Germania" die Fortsetzung des Dorfes. Sie entstand nach 1870 und bekam wie an vielen anderen Orten unter dem Einfluss der nationalen Hochstimmung diesen neuartigen Namen. Vom Kloster gingen auch in der Neuzeit kulturelle Einflüsse aus. Schon 1841 war er der Fabrikant Friedrich Kauffmann, der den „Liederkranz" ins Leben rief und die Gesangskultur von Esslingen nach Denkendorf weitergab und damit das Vereinswesen hier begründete. Gelindere Einflüsse bewirkten die Nachfolger im Kloster: das Lehrerseminar und das Volkshochschulheim. Spürbare Einflusse in einem ganz wörtlichen Sinn gingen seit der Einrichtung der Wasserleitung im Jahre 1908 von den Klosterquellen aus; sie wurden in jedem Hause dankbar begrüßt.

 

 

 

 

 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: info@kloster-denkendorf.de 
Copyright © 2001 Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf
Stand: 07. Februar 2007