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Heinrich Werner Abgedruckt ist hier die um 1950 vom damaligen Pfarrer i.R. Heinrich Werner geschriebene und bis um 1990 mehrfach von anderen überarbeitete Geschichte des Klosters Denkendorf. Nicht aufgenommen wurden die detaillierten Quellennachweise, jedoch das Quellenverzeichnis. Für die Übernahme in dieser Homepage des Klosters Denkendorf wurde die Darstellung nochmals geringfügig überarbeitet. Insbesondere ist die Rechtschreibung angeglichen worden. Inhalt A. DIE KLOSTERKIRCHE 2. BAUGESCHICHTE DER KLOSTERKIRCHE II. TEIL DAS KLOSTER IM WANDEL DER ZEITEN A. DAS MITTELALTERLICHE KLOSTER B. DAS EVANGELISCHE KLOSTER C. DAS SÄKULARISIERTE KLOSTER ANHANG I. TEIL
- DIE KLOSTERBAUTEN In der Klosterkirche zu Denkendorf, einer alten Stiftskirche, besitzen wir, auch wenn sie weit nicht die Größe anderer Klosterkirchen erreicht, ein kunst- und baugeschichtlich bedeutsames Bauwerk, dessen Geschichte nachzugehen seit langem eine verlockende Aufgabe bildet. Als Denkmal einer bewegten Vergangenheit wird sie immer ehrfürchtige Beachtung finden. 1. BAUBESCHREIBUNG DER KLOSTERKIRCHE Das Eingangstor ist von einem spätgotischen Baldachin überdeckt. Nach dem Schlussstein des Rippengewölbes stammt er aus dem Jahr 1478. Ursprünglich bildete den Eingang zur Vorhalle ein großer Rundbogen, wie man am Gemäuer rechts und links von dem Anbau noch erkennen kann. Das jetzige Portal geht auf das Jahr 1468 zurück, ist jedoch später erneuert worden. Es zeigt rechts das Klosterwappen (das Doppelkreuz des Patriarchen von Jerusalem) und deutet damit auf die ursprüngliche Verbindung des Klosters mit dem Chorherrenstift des Ordens vom Heiligen Grab in Jerusalem hin. Links ist das Wappen des Erbauers des Portals, des Propstes Bernhard von Baustetten zu sehen (Schild mit Schrägbalken und Pfeilspitzen). Daneben sehen wir die Buchstaben bb (jetzt freilich eher wie vv zu lesen). Das rätselhaft scheinende Datum "anno dni ulcia mauy" ist zweifellos durch den die alte Inschrift erneuernden Steinmetzen nicht verstanden und verdorben worden; es ist zu lesen "Anno Domini 1468 ultima Martii" (31. März). Merkwürdigerweise ist damit das Todesdatum des schon i.J. 1467 abgesetzten Propstes Bernhard von Baustetten angegeben.
Beim Eintritt in die Vorhalle wird man von der spätgotischen plötzlich in die spätromanische Zeit und damit in die Welt einer längst verlassenen Bauweise zurückversetzt. Zwei freie Pfeiler, vier Eckpfeiler und sechs Wandpfeiler – alle mit
Halbsäulenvorlagen, mit hoher Alle Grabsteine aus der Zeit vor 1377 sind bei der Zerstörung in diesem Jahr zugrunde gegangen. Die ältesten Steine befinden sich jetzt in dem Vorraum zum südlichen Seitenschiff. Von den noch vorhandenen Grabdenkmälern standen die meisten früher im südlichen Seitenschiff und im Chor.
Grabmale der Pröpste Peter Wolff (s.Nr.3), Johannes Unger (Nr. 10) und Johann von Ringingen (Nr.9; von links nach rechts; zur Vergrößerung anklicken). Sodann in der Vorhalle selbst, anschließend an den letztgenannten Stein: An der Westwand der Vorhalle stehen die beiden schönsten Grabdenkmäler aus der Zeit der Spätgotik und Renaissance, beide wohl vom gleichen Meister K. gearbeitet. An der Nordwand stehen noch folgende Grabdenkmäler: Detailansichten der Grabmale für Dorothea Schreiber-Schwarz (links) und Philipp Heinrich Weissensee.
Von der Vorhalle führt der Zugang zum Langhaus unter dem Turm durch, der von der älteren Pelagiuskirche (um 1050) her stammt. Die Jahreszahl 1478, die über diesem Durchgang steht, bezieht sich nur auf einen späteren Umbau. Wenn man im Langhaus auf den Durchgang zurücksieht, fällt sofort auf, dass das Langhaus die Achse des Turmes nicht einhält, sondern nach Norden zu verbreitert ist. Grabungen haben bewiesen, dass die ältere Pelagiuskirche, die hier stand, mit dieser Achse übereinstimmte. Ebenso auffallend ist ferner, wie außerordentlich einfach, schmucklos, fast nüchtern die Pfeiler des Mittelschiffs gehalten sind; keinerlei Profilierung oder Verzierung ist vorhanden. Man nimmt deshalb mit Recht an, dass die erste Bauleitung, die mit dem Neubau beauftragt war, in den Händen eines schlichten, schwäbischen Werkmeisters lag. Die Arkadenbögen des Mittelschiffs zeigen eine erste, ganz leichte, fast zaghafte Zuspitzung. Man kann daraus schließen, dass der Bau etwa um 1200 begonnen wurde. Die Hochwände tragen je sechs Rundbogenfenster, die jedoch auf die Arkadenbögen keine Rücksicht nehmen. Der vierte Arkadenpfeiler ist breiter als die andern, wohl als Anfang des hier beginnenden, höher gelegenen Chors, dem in der Tiefe die Krypta entspricht. Die Seitenschiffe haben nicht mehr die ursprüngliche Form. Das südliche ist beim Wiederaufbau des Klosters nach dem Brand von 1377 aus Raummangel zum Kreuzgang hinzugezogen und wie dieser in spätgotischer Weise eingewölbt worden, Die Schlusssteine hier sind geschichtlich aufschlussreich. Sie bestätigen, was auch sonst bekannt ist, dass 1467 der Propst Bernhard von Baustetten durch den Ordensgeneral Jakob von Baldantoniius von Perugia (wo seit 1187 die Hauptkirche des Ordens war) mit Hilfe des Grafen von Wirtemberg abgesetzt wurde und dass an seine Stelle Heinrich Gutzmann trat. Deshalb trägt ein Schlussstein die Inschrift: "Jacob de Perusio fecit orn(amentum) 1467", ein anderer "Hainricus p(rae)positus". Der letzte Schlussstein gegen Westen zeigt das Wirtemberger Wappen (drei Hirschhörner). Das Fenster im westlichen Vorraum dieses südlichen Seitenschiffes ist erst im 19.Jahrhundert, als der westliche Seitenflügel des Kreuzgangs abgebrochen wurde, aus einem Durchgang zu einem gotischen Fenster umgestaltet worden. Um dieselbe Zeit hat das nördliche Seitenschiff seine gotischen Fenster erhalten; der evangelische Gottesdienst erforderte stärkere Lichtzuführung. Ursprünglich mögen beide Seitenschiffe kleine romanische Fenster besessen haben, von derselben Art, wie am östlichen Ende noch einige vorhanden sind. Damals war was Augenmerk ganz auf das Licht vom Osten gerichtet. Nach der Oberamtbeschreibung Esslingen konnte man um 1850 unter der Tünche noch alte Wandmalereien sehen. Ein Teil davon wurde i.J. 1956 wieder aufgedeckt.
Vom südlichen Seitenschiff aus geht man auf 23 Stufen zur Krypta hinab. (Ein entsprechender Zugang vom nördlichen Seitenschiff her ist entfernt worden, als man an dieser Stelle die nördliche Eingangstüre erstellt.) Die Krypta ist das Eigenartigste am ganzen Bau. Sie hat etwas Geheimnisvolles an sich und gibt viele Rätsel auf. In alter Zeit mag sie noch viel mehr dieses Gepräge getragen haben. Sie hat einen ganz anderen Charakter als sonst die Krypten in Deutschland. Es ist ein einheitlicher großer Saalraum ohne Säulen mit einem leicht zugespitzten Tonnengewölbe und einem einzigen großen Fenster gegen Osten. Da diese Bauform an südfranzösische Saalkirchen erinnert, die auch nur Stirnlicht haben, wird mit Recht angenommen, dass hier ein zweiter Baumeister zum Zug kam, der die südfranzösische Bauweise auf irgendeinem Wege kennengelernt hatte. Welchem kultischen Zweck der Raum diente, deutet die Vertiefung in der Mitte
an: ein offenes leeres Baulich interessant ist die Krypta durch den wertvollen künstlerischen
Schmuck, den die Kämpferkapitelle an den mittleren und östlichen Wandpfeilern
tragen. Sie sind nahe verwandt mit einer ähnlichen Steinmetzkunst in Worms,
Gelnhausen und Murrhardt. Auch das steinerne Weihwasserbecken an der "Picturam quicumque (acute) inspicere gaudet, noverit auctorem: Vir pius atque bonus extiteat. Natale solum Landsbergum erat ei. Nomen Martini tuli, ut ipse fatur. Cenobium intravit. Si statum noscere gestis, iam diu celestem deguit ibi vitam" Zu Deutsch etwa: "Wer immer dieses Gemälde (eingehend) mit Freuden betrachtet, kennt wohl des Urhebers Art: Frömmigkeit dürfte der Mann ebenso Güte beweisen. Er hatte als Heimatort Landsberg. Martins Namen er trug, wie er selbst es bezeugt, trat ins Kloster einst ein. Willst kennen den Stand seines Herzens: jahrelang hat er schon dort himmlisches Leben geführt".
Am Über die ursprüngliche Gestaltung und Verwendung des rückwärtigen Teils der Krypta, der aus rohen Feldsteinen aufgemauert ist, gehen die Meinungen der Forscher noch auseinander. Allgemein anerkannt ist, dass dieser Teil nie zur eigentlichen Krypta gehörte und dass das flache Gewölbe erst später eingezogen wurde. Die Frage ist nur die, wie dieser Teil ursprünglich aussah und welchem Zweck er diente. Ernst Fiechter hat aus der Beobachtung, dass der Gewölbebogen an dieser Stelle ein Randprofil hat, den Schluss gezogen, dass hier die Krypta in der ganzen Breite früher offen war, dass Kirchenraum und Krypta dadurch verbunden waren und dass man von der Kirche heruntersehen und wohl auch wie zu einem Vorplatz heruntersteigen konnte. Er weist auf ähnliche Anlagen im Süden, besonders in Märtyrerkirchen hin. Auch der Dom zu Speyer (J.H. ergänzt: und der Dom zu Bamberg) mag vielleicht zum Vergleich herangezogen werden. Die Vermutung würde eine weitere Unterstützung finden, wenn nachgewiesen werden könnte, dass die beiden seitlichen Zugänge zur Krypta erst nachträglich hergestellt worden wären. Eine Grabung (aus Anlass einer neuen Heizung), bei der der Gewölbebogen mit seinem Randprofil von Westen her sichtbar war, hat die Vermutung fast zur Gewissheit gemacht. Adolf Mettler glaubt dagegen, weil das erwähnte Randprofil nicht ganz bis zur Spitze geht und weil eine solche Verbindung von Ober- und Unterkirche selten ist, dass dieser Teil mit einer waagrechten Holzdecke in der Höhenlage des Fußbodens im westlichen Teil des Mittelschiffs abgedeckt war und irgendwie als Geräteraum Verwendung fand. Man wird neue Forschungsergebnisse durch Urkunden oder Grabungen abwarten müssen, ehe man zu einer gesicherten und befriedigenden Lösung dieser Frage gelangt.
Die Zugänge zum Chor sind in der alten Zeit zweifellos von den Seitenschiffen her zu denken, in erster Linie vom südlichen Seitenschiff, zu dem von dem anstoßenden Kapitelsaal aus eine Öffnung vorhanden war. Da, wo jetzt die Staffel mit den sieben Stufen ist, hatte der Chor irgendwelchen Abschluss. Die Chorstühle standen wohl rechts und links im Vorderchor und an der Stelle des jetzigen Altars. Der frühere Altar stand ganz hinten im Altarchor. Ein größerer Chorstuhl (jetzt geteilt nördlich des Turms), trug die Inschrift, die nur noch zum Teil zu lesen ist: "Joannes Ungar stabulata sedilia fabre praepositus fieri fe(cit) amore chori 1511". (Propst J.U. ließ aus Liebe zum Chor künstlerisch feste Sitze herstellen). An einem Teil ist an der einen Wange ein Heiliger mit Buch und Licht (?),
vielleicht St.
Blasius, sowie die Heilige Katharina abgebildet, an der andern
Wange der Heilige Nikolaus und die Heilige Agathe. Der andere Teil zeigt den
Heiligen Mauritius und die Heilige Ottilie, den Heiligen Georg und die
Heilige Der Altarchor, der durch den frühgotischen Triumphbogen vom Vorderchor (Presbyterium) getrennt ist, mag in seinem unteren Teil auf einen dritten, die Einwölbung gar auf einen vierten Baumeister zurückgehen. Jedenfalls hat sich während der Bauzeit der Plan geändert, was man bei der Innenwand an der Verkürzung der Rippen, bei der Außenwand an Konsolen, die jetzt gegenstandslos sind, deutlich erkennen kann. Eigenartig sind auch die zwölf Nischen samt der ursprünglich wohl ein Kreuz bildenden Doppelnische in der Mitte. Schwerlich dienten sie als Sitze, eher als Raum zur Aufstellung von zwölf Apostelbildern, von welchen um 1845 (Oberamtsbeschreibung Esslingen) noch einige vorhanden waren. Eine Unregelmäßigkeit, wie sie häufig in mittelalterlichen Kirchen zu finden ist, kann an der Südwand des Altarchors beobachtet werden. Diese ist nicht, wie die nördliche, die genaue Fortsetzung der Arkadenwand des Langhauses, sondern verläuft etwa 30 cm weiter südlich. Infolgedessen haben das Rosenfenster einerseits und der Triumphbogen andererseits nicht die gleiche Achse. Der Grund dafür ist erst bei der Betrachtung von außen her zu erkennen. Die letzte nördliche Arkade im Vorderchor ist jetzt vermauert, da an dieser Stelle dahinter eine Sakristei eingebaut ist. An dieser Mauer hängt ein Altarbild von 1515. Es ist, wie die Gestalt mit Wappen links unten auf der Haupttafel zeigt, von dem Propst Unger gestiftet. Der Künstler ist unbekannt. An den Stufen, die jetzt zum Altar führen, steht die Kanzel, die laut Inschrift vom Jahr 1518 stammt. Sie enthält in Flachreliefs die Darstellung des Auferstandenen in der Mitte sowie die vier Kirchenväter: links Ambrosius und Gregor der Große, rechts Augustin und Hieronymus. 1904 wurden noch einige kleinere Schnitzfiguren, wohl Apostelgestalten, hinzugefügt. Im südlichen Seitenschiff hängt das Bild des Klosterpräzeptors JOHANN ALBRECHT BENGEL, sowie das des Propstes W.A. DROMMER. Ein Bild des Propstes D.J.F. HOCHSTETTER ist bei den Bauarbeiten 1956 beschädigt worden und abhanden gekommen. Am Turm steht noch eine größere gotische Schnitzfigur, die als der Auferstandene, der seine Nägelmale zeigt, zu deuten ist. Die Kanzel in der Klosterkirche von 1518. Auf der Detailansicht sieht man Gregor I., der Große (links) und Augustin; in der Mitte eine der 1904 ergänzten Schnitzfiguren.
Vom Klosterhof her sind sämtliche Baustile, die bei dem Bau zusammengewirkt haben, zu sehen: am Turm (unterhalb der Uhrentafel) die Merkmale der hochromanischen Zeit, an den Hochwänden des Mittelschiffs die spätromanische Bauweise, an den Blendarkaden daselbst die Spuren des südfranzösisch beeinflussten zweiten Baumeisters, der die Krypta baute, an dem Hauptportal, dem Baldachin, den beiden Seitentüren und dem Kirchendach die Gotik und Spätgotik (auch die seltsamen Strebepfeiler an der Nordseite der Vorhalle gehen auf diese Zeit zurück) und endlich am obersten Stockwerk des Turmes und seiner Spitze eine Zutat des 17.Jahrhunderts. Vom Maierhof her bekommt man den stärksten Eindruck von der Einzigartigkeit des ganzen Baues. Einzigartig ist insbesondere die Tatsache, dass die Kirche, um eine Krypta zu gewinnen, über den Steilabfall des Klosterhügels hinausgebaut wurde. Von hier aus erklärt sich nun auch die auffallende Höhe der Krypta, die kaum mit andern zu vergleichen ist. Gewaltig erhebt sich die Ostwand von Krypta und Chor über dem Talgrund, von mächtigen Stützmauern getragen. Hier erkennt man auch deutlich, dass die südöstliche Stützmauer zu weit südlich angesetzt wurde und dass dadurch der Altarchor breiter wurde als das Mittelschiff und der Vorderchor. Noch eine scheinbar unbedeutende, aber vielleicht doch sehr bedeutsame Stelle
darf hier nicht
2. BAUGESCHICHTE DER KLOSTERKIRCHE a) Die frühromanische Pfarrkirche "Bertholdus, eines Edlen und hochberühmten Stammes von Erlickhen (Erligheim) samt seiner nit minder edlen Gemahl, Ita genannt, hat dem Herrn einen Tempel und Stifftung in Denkendorff fundiert und aufgebauet. Von obgenannter seiner Gemahl ist ihm ein Sohn Burkhard geboren worden, der auch an eine Edle Hatwiga von Ingersheim sich vermählet, von welcher drey Söhne erzeuget, nehmlich Burkhardum, so zu Helmeßhorn erschossen worden, Eberhardum, den nachmaligen Mönch von Hirschau, und Bertholdum samt fünf Schwestern Haltwig, Hadewig, Ita, Kunegund und Werntrut. Berthold habe nun das ganze väterliche Erbe besessen und wegen seines Reichtums eine edle und schöne Gemahlin Luitgarden bekommen, aber mit derselben keine Kinder erzeuget, daher er zu dem Heiligen Grab in der gelobte Land verreyßt und dasselbe von wegen sein und seiner Voreltern Seelenheyl den vorgememeldten Tempel und Stifftung in Denkendorff dem Heiligen Grab übergeben. Hierauf habe der Patriarch Warimundus zu Jerusalem ihn einige Stücke von dem Heiligen Grab und Holz des heiligen kreuzes geschenket, annebst aber auch ihm einen Probst, Conradum, zugesellet und ermahnet, bei obgemeldtem Tempel ein Kloster zu bauen, so auch zur Ehre des Heiligen Grabes nach der Regul Augustini geschehen." So sagenhaft diese alte Mitteilung klingt, die auf Hans Ulrich Landschad von Steinach um 1600 zurückgeht, und so unsicher ihre Beziehung auf die Familie von Erligheim ist, so stimmt sie doch in dem, was über die erste Stiftung einer Kirche in Denkendorf gesagt wird, mit dem auch sonst Bezeugten überein, dass man ihr darin wohl Glauben schenken kann. Darnach hätte schon etwa 70 bis 80 Jahre vor der Klostergründung ein Rittergeschlecht hier eine Kirche gestiftet und ein Nachkomme desselben, Berthold, eben diese Kirche aus Anlass einer Pilgerfahrt ins Heilige Land dem Orden vom Hl. Grab zu Jerusalem stiftungsgemäß zugesprochen. dass schon vor dem Bau der jetzigen Kirche eine ältere vorhanden war, geht aus einer Urkunde vom Jahr 1144 hervor und wird nochmals bestätigt durch die besonders wichtige Urkunde vom Jahr 1160. Bei der Übernahme der Stiftung durch den Orden blieb zunächst das Recht des mit der Kirche auf Lebenszeit belehnten Kirchherrn ungeschmälert bestehen. Nachdem dann im Jahr 1160 dieser Kirchherr durch den Tod oder auf andere Weise abgegangen war, wurde die Versehung des Dienstes an dieser Kirche vom Bischof zu Konstanz durch die genannte Urkunde dem Propst und Konvent in Denkendorf übertragen, weil die gemeinsame Benützung der einen Kirche durch Männer verschiedener Profession (d.h. geistlichen Standes) leicht zu Streitigkeiten führen könnte ("quod ex diversa professione in una ecclesia facile emergeret occasio scissurae et litigii"). Eine volle Gewissheit, dass schon vor der jetzigen Kirche und vor der Klostergründung eine frühere Kirche an gleicher Stelle vorhanden war, wurde durch eine Ausgrabung gewonnen, die Adolf Mettler im März 1930 durchgeführt hat. Dabei wurden am Westende des südlichen und nördlichen Seitenschiffs die Außenmauer und sodann zwischen dem ersten und zweiten Pfeiler der nördlichen Mittelschiffsarkade wiederum die Außenmauer sowie die Arkadenfundamentmauer der früheren Kirche aufgedeckt. Außerdem wurden am Turm Spuren vom Dachansatz der alten Kirche und vom einstigen Zugang aus dem Turm zum Kirchendach nachgewiesen. Damit war die Lage, die Breite und die Höhe der frühromanischen Kirche festgestellt. Aus Urkunden, Grabungen und sonstigen Beobachtungen gewinnen wir demnach etwa folgendes Bild. Ums Jahr 1050 stiftete ein Rittergeschlecht als Grundherrschaft von Denkendorf seiner Dorfgemeinde eine Kirche von bescheidenen Ausmaßen. Sie wurde als eine dem Bistum Konstanz zugehörige Kirche dem Heiligen Pelagius geweiht. Die Kirche entstand als sogenannte Überfeldkirche außerhalb der Dorfsiedlung, die sich am nördlichen Talhang hinzog, auf einem südlichen Vorsprung des Körschtales. Der Grund dafür lag wohl nicht bloß in dem Umstand, dass vermutlich der Grundbesitz der Herrschaft hier oben war, sondern noch mehr in dem andern, dass an dieser Stelle (wie oben erwähnt) unten im Tal ein Quell entsprang, der wohl seit uralter Zeit bei den Dorfleuten in hohem Ansehen stand und vielleicht einst als heiliger Quell verehrt wurde. Von dieser frühromanischen Dorfkirche ist nur noch der Turm in seinen fünf unteren Stockwerken übrig. Er reichte wohl nur bis zu dem Fries über den Doppelfenstern und schloss mit einem niedrigen Dach ab. Die Kirche selbst war dreischiffig, aber um 2,50 m weniger breit als die jetzige. Das Mittelschiff, dessen Achse mit der des Turms gleich war, hatte eine lichte Breite von etwa 5 m, die Seitenschiffe eine solche von 2 m. Die Höhe bis zur Decke mag annähernd 10 m betragen haben, etwa 1,60 m weniger als heute. Die Länge der Kirche konnte nicht mehr festgestellt werden, war aber von selbst gegeben durch die Stelle, wo der Hügel zum Tal sich senkte. Die aufgedeckten Fundamente bestanden aus ziemlich kleinen Bruchsteinen, die durch einen geringwertigen Tuffsteinmörtel verbunden waren. Daraus ist zu entnehmen, dass diese Kirche sehr einfach war und ihr Abbruch schon nach ungefähr 150 Jahren nicht unberechtigt schien.
b) Die spätromanische Stiftskirche Nachdem das um 1128-1129 gegründete Chorherrenstift im Jahr 1160 in den Besitz der Rechte und Pflichten des Pfarrers an der Kirche gelangt und im Jahr 1190 die Einverleibung der Kirche in das Stift endgültig bestätigt war, beschloss der Konvent, die alte Kirche abzubrechen und eine größere zu bauen. Wann dieser Neubau begann, ist urkundlich nicht nachzuweisen. Da das Kloster 1191 als Kloster des Heiligen Pelagius bezeichnet wird, die Kirche aber 1213 vermutlich irrtümlich als St.-Marien-Kirche, dürfte der Anfang wohl um 1200 geschehen sein. Übrigens wird das Kloster auch später noch öfters, z.B. in einer päpstlichen Bulle von 1517 "Kloster des Hl. Pelagius" genannt. Was war wohl der Grund für diesen Neubau? Zweifellos war die Kirche für die gemeinsame Benützung von Konvent und Dorfgemeinde zu klein, für das vornehme Herrenstift auch zu armselig. Doch der Hauptgrund für den Neubau war sicher der Wunsch, eine Kirche zu erbauen, in der die alten gottesdienstlichen Sitten des Mutterklosters vom Hl. Grab in Jerusalem gepflegt werden könnten, die darum eine Krypta mit der Nachbildung des Hl. Grabes enthalten musste und die dadurch zu einer Wallfahrtskirche vom Hl. Grab werden sollte. Indem dieser Plan ausgeführt wurde, ist die spätromanische Stiftskirche zu einem einzigartigen Denkmal jener Kreuzzugsbewegung in unserem Land geworden, die so lange die Christenheit in Atem hielt und neben allen Misserfolgen und menschlichen Schwächen doch auch viele wertvolle Eindrücke und Kräfte der abendländischen Kirche vermittelte. Der Bau der neuen Kirche begann in diesem Fall nicht, wie sonst im Mittelalter üblich, vom Chor, sondern vom westlichen Turm her, der von der alten Kirche übernommen wurde, also mit dem Bau des Langhauses. Da die neue Kirche wesentlich länger als bisher werden musste, um eine Krypta unterzubringen, musste sie auch breiter werden. Gegen Süden, wo schon die Klausur des Stifts angebaut stand, war eine Verbreiterung nicht mehr möglich; so blieb sie nur nach Norden zu übrig. Dadurch hat die neue Kirche die gleiche Achse mit dem Turm verloren. Das Stift beauftragte zunächst einen einfachen schwäbischen Baumeister mit dem Neubau. Dieser begann mit dem Langhaus. Dehio sagt darüber in seinem Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: "Das Langhaus ist in alter schwäbischer Tradition äußerst schlicht gestaltet". Auffallend ist dabei, dass man in einer Zeit, wo schon die kunstgeübte Hirsauer Bauschule bestand, hier noch so anspruchslos bauen konnte. Immerhin kannte der Baumeister den Gedanken einer Zuspitzung des tragenden Arkadenbogens, wenn er ihn auch nur sehr schüchtern versucht hat. Zur selben Zeit, da man am Arkadengeschoss des Langhauses baute, fing man auch wohl schon an, für die Krypta den Grund zu legen und die mächtigen Stützmauern aufzuführen. An der südöstlichen Stützmauer jedoch hielt man die Flucht der entsprechenden Arkadenmauer des Langhauses nicht genau ein, sondern setzte zu weit südlich an, wodurch nachher beim Aufbau allerlei Unregelmäßigkeiten sich ergaben. Man merkte zwar bald den Fehler und suchte ihn durch Hereinrücken der Stützmauer bzw. der Mauerverstärkung auszugleichen, aber ganz konnte es nicht mehr gelingen. Die Krypta selbst zwar behielt die Achse des Langhauses bei, aber der Chor darüber vermochte sie nicht festzuhalten. Ob auch die Verbreiterung des vorletzten Langhauspfeilers, wie Adolf Mettler annimmt, in der genauen Bemessung, in diesem Fall der Länge des Kirchenraums, ihre Ursache hat, mag man sich fragen. Ehe man an den Bau der Krypta selbst kam, ging die Bauleitung an einen andern, vielleicht auch einheimischen Baumeister über, der aber in einer ganz neuen Weise an seine Aufgabe herantrat. Durch die alten Beziehungen des Klosters zum Hl. Land muss dieser Meister, sei’s dort, sei’s in Südfrankreich, die Bauweise, wie sie seit dem ersten Kreuzzug in Jerusalem geübt wurde, kennengelernt und sich angeeignet haben. Während man sonst bei einer Krypta, wie der Name sagt, an ein dunkles, enges, von Säulen getragenes Grabgewölbe denkt, tritt man hier überraschend in einen hohen, lichten Saalraum ein, der von einem, durch Gurten gegliederten, leicht zugespitzten Tonnengewölbe überspannt ist und durch ein großes Fenster von Osten her reichlich Licht empfängt. Diese Bauform ist den romanischen Kirchen Deutschlands völlig fremd; sie trägt offenbar südfranzösischen Charakter. Der Baumeister bewährte seine hohen künstlerischen Fähigkeiten noch besonders an den wertvollen Vorlagen für den Steinmetzen, die er für die Kapitelle und Friese an den Gurtbogen für die Krypta schuf. Adolf Mettler macht jedoch darauf aufmerksam, dass die Ornamente mit denen anderer schwäbischer Kirchen enge Verwandtschaft haben, und fügt hinzu: "Ich bin überzeugt, dass ein Einheimischer das gemacht hat, allerdings einer, der vielleicht auswärts richtig in Stein zu arbeiten gelernt hatte und über die zur selben Zeit in Gmünd, Brenz und an anderen Orten geübte Schnitztechnik weit hinausgewachsen war". Von 1207 an, als Denkendorf in den Besitz der Kirche zu Dietbrücke, einer Vorstadt von Speyer gelangt war, mögen auch starke Einflüsse rheinischer Baukunst beim Bau der neuen Stiftskirche mitgewirkt haben. Unwillkürlich fragt man sich, was die seltsamen Drachen und andere Tiergestalten zu bedeuten haben, die hier die Kämpfer und damit die Gurtbogen und das Gewölbe tragen müssen. Es gibt mancherlei Erklärungen dafür. Die Verwendung der Tiergestalten hängt wohl mit der mittelalterlichen, teilweise von uraltem Volksglauben genährten und vielleicht nicht mehr überall verstandenen Tiersymbolik zusammen, wie sie von "Physiologus" (neu übersetzt und herausgegeben von Otto Seel, Zürich) zu erklären versicht wird. Die Menschengestalt wird mit der Sitte zu erklären sein, dass man solche Figuren gerne an besonders wichtigen Stellen des Baus anbrachte, um sie - nach der Meinung des Volkes - fest und gefahrlos zu machen. Die unheimlichen Bestien aber dürften wohl Sinnbilder alter heidnischer, dämonischer Gestalten, die die nunmehr in der christlichen Kirche gebannt und entmächtigt seien. Der im Boden steckende rückwärtige Teil ist wohl nie zur eigentlichen Krypta gerechnet worden. Über die Frage nach seiner ursprünglichen Gestaltung und seinem Zweck im Rahmen des Ganzen ist noch keine Einigkeit erzielt worden. Unwillkürlich fragt man sich, was die seltsamen Drachen und andere Tiergestalten zu bedeuten haben, die hier die Kämpfer und damit die Gurtbogen und das Gewölbe tragen müssen. Es gibt mancherlei Erklärungen dafür. Die Verwendung der Tiergestalten hängt wohl mit der mittelalterlichen, teilweise von uraltem Volksglauben genährten und vielleicht nicht mehr überall verstandenen Tiersymbolik zusammen, wie sie von "Physiologus" (neu übersetzt und herausgegeben von Otto Seel, Zürich) zu erklären versucht wird. Die Menschengestalt wird mit der Sitte zu erklären sein, dass man solche Figuren gerne an besonders wichtigen Stellen des Baus anbrachte, um sie – nach der Meinung des Volkes – fest und gefahrlos zu machen. Die unheimlichen Bestien aber dürften wohl Sinnbilder alter heidnische, dämonischer Gestalten sein, die nunmehr in der christlichen Kirche gebannt und entmächtigt seien. Der im Boden steckende rückwärtige Teil ist wohl nie zur eigentlichen Krypta gerechnet worden. Über die Frage nach seiner ursprünglichen Gestaltung und seinem Zweck im Rahmen des Ganzen ist keine Einigkeit Sollte die Krypta hier in der ganzen Breit offen gewesen sein, so dass man von oben in die Krypta hinuntersehen oder gar hinuntersteigen konnte (man könnte dabei an Einflüsse vom Speyrer Dom her denken), so müsste gerade diese Gestaltung das Geheimnis, das sich um die Krypta wob, besonders stark hervorgehoben haben. Dieses Geheimnis knüpft sich in erster Linie an das Grab, das in der Mitte des Raumes sich öffnet und das man sich in alter Zeit wesentlich anders als heute denken muss. dass es irgendwie als eine Nachbildung des leeren Grabes Christi gedacht war, ist zwar zweifellos. Aber wie wurde es gottesdienstlich verwendet? Die Überlieferung darüber scheint völlig abgerissen zu sein, so dass man weder die Gottesdienste kennt, die hier abgehalten wurden und die jedenfalls ihren morgenländischen Charakter nicht verleugneten, noch auch die besondere Aufgabe, die das Grab dabei hatte. Man mag vermuten, dass es bei der Aufnahme der Klosterbrüder und dann in erster Linie an den Ostertagen eine besondere Rolle spielte, etwa so, dass dabei der Novize sich ins Grab legen, "mit Christus begraben" lassen musste, um dann "mit Christus zu einem neuen Leben aufzuerstehen". Es lässt sich auch denken, dass je und je an dieser Stelle wie über dem Hl. Grab in Jerusalem mancher feierliche Ritterschlag erfolgte. Während die Krypta ihrer Vollendung entgegenging, mag nun auch das Mittelschiff in seinem oberen Teil, das Hochschiff, ausgebaut worden sein. Man nimmt an, dass es noch von der gleichen Bauleitung wie die Krypta ausgeführt wurde. Denn seine äußere Gestaltung, wonach die Fenster (die übrigens auf die unteren Arkaden keine Rücksicht nehmen) durch eine Reihe von Blendgalerien miteinander verbunden sind, ist wiederum der schwäbischen Überlieferung fremd. Diese dekorative Bauweise gilt aus ausländisches, besonders französisches Motiv. Endlich schreibt man derselben Bauleitung auch noch den Plan für die Vorhalle zu. Adolf Mettler schreibt darüber: "Die Struktur ist französisch, der Baugeist und die Dekoration der Kämpfer und der Kapitelle sind schwäbisch". Ähnlich sagt Hans Klaiber: "Hier ist der konstruktive Grundgedanke der quadratischen, durch vier Halbsäulenvorlagen gegliederten Stützpfeiler fremdartig, das Ornament und auch die Ausführung des Gewölbes deutet auf einheimische Kräfte". Man nimmt also an, dass, wenn auch der Grundriss und das Pfeilersystem noch von dem alten Baumeister herrührt, die weitere Ausführung jedoch in den Händen eines anderen Baumeisters lag, der nach ganz Spätromaniker war und in der Art der übrigen schwäbischen Baumeister jener Zeit die Zeichnung für die vielen Ornamente lieferte. Besonders auffallend ist die Ähnlichkeit eines Ornaments mit dem der Kirche in Faurndau, was ja bei der räumlichen Nähe der beiden Kirchen nicht verwunderlich ist. Die Verwendung des Rundbogens, der ebenso in Südfrankreich wie in Schwaben noch länger neben dem Spitzbogen festgehalten wurde, mag dem Plan beider Baumeister entsprochen haben. In der Einwölbung des Mittelschiffs der Vorhalle jedoch, in dem Kreuzrippengewölbe und besonders in dem Schlussstein kündigt sich wieder eine neue Bauweise an: an Stelle der Spätromanik der sog. Übergangsstil oder, wenn man will, die frühgotischen Formen der Maulbronner Zisterzienser. Noch deutlicher tritt diese neue Bauweise in Erscheinung im Altarchor, der den letzten Bauteil der Kirche bildet. Zwar könnte man bei den Blendarkaden im Innern, bei den Fenstern und bei den äußeren Blendarkaden rechts und links vom Rundfenster, noch an einen Spätromaniker als Baumeister denken; aber schon hier, stärker noch beim großen Chorbogen, beim Kreuzrippengewölbe und dem Schlussstein, sind die Merkmale einer anderen Bauweise so zahlreich, dass der Einfluss des neuen Stils unverkennbar ist. Hans Klaiber nimmt deshalb wohl mit Recht einen vierten Baumeister an, einen Einheimischen, der ganz mit dem neuen Baugeist vertraut war. Auch die jetzt überflüssigen Konsolen an der nördlichen und südlichen Außenwand des Chors zeigen, dass hier eine Änderung des Bauplans vorgenommen wurde. Es war an einen andern Abschluss des Chors gedacht; die Konsolen sollten wohl das gegen das Schiffsdach abgestufte Chordach tragen. Der Plan wurde offenbar bald wieder verlassen, die Außenwände auf die Höhe der Mittelschiffswände gebracht. Genaue Zahlen für die Bauzeit dieser spätromanischen Stiftskirche lassen sich nicht angeben. Es ist nicht bekannt, wann die Kirche geweiht wurde. Das Datum 30. September 1249, das Hager, "Romanische Baukunst Schwabens" anführt, bezieht sich nicht auf unsere Stiftskirche, sondern auf das Denkendorfer Priorat Dietbrücke aus Speyer. Nach sorgfältiger Prüfung der Stilmerkmale hat Adolf Mettler folgenden Rahmen für die Zeitabschnitte gegeben, der viel Wahrscheinlichkeit für sich hat: Langhaus begonnen bald nach 1200 Kryptafries um 1225 Vollendung der Krypta etwa von 1225 an Vorhalle zwischen 1220 und 1230 Altarchor zwischen 1225 und 1240 Nach Vollendung des ganzen Baues wurde die neue Stiftskirche zugleich Wallfahrtskirche, und blieb es 300 Jahre lang. Die Wallfahrt zum Hl. Grab in Denkendorf wurde einer solchen nach Jerusalem fast gleich geachtet. Die Zerstörung des Klosters im Jahre 1377 hat auch seine Kirche sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dach, das niedergebrannt war, wurde nun als gotisches Steildach erneuert. (Das frühromanische Dach der älteren Kirche war stumpfwinklig, das spätromanische der Stiftskirche annähernd rechtwinklig). Als ein Jahrhundert später, ums Jahr 1467, im neu erbauten Kloster der Kreuzgang seine gotische Ausgestaltung fand, wurde das südliche Seitenschiff der Kirche als vierter Teil in den Kreuzgang mit herein bezogen und ebenso gewölbt wie die übrigen Teile. Diese Einwölbung wurde wohl noch von dem Propst Bernhard von Baustetten begonnen, dann, wie ein Schlussstein meldet, nach seiner Absetzung 1467 von dem Ordensgeneral fortgesetzt und schließlich von dem neu gewählten Propst Heinrich Gutzmann vollendet. Ungefähr gleichzeitig wurde die Vorhalle, die zuvor eine offene Halle mit einem breiten Eingang war, durch Propst Bernhard mit einem gotischen Portal versehen, das jedoch erst im Jahr nach seiner Absetzung, am 31. März 1468 fertig wurde. Der feingliedrige Baldachin vor dem Portal wurde nach dem Schlussstein im Jahr 1478 von dem Propst Peter Wolff hinzugefügt. Von Propst Bernhard stammen wohl auch die Strebepfeiler an der Nordwand der Vorhalle. Sie wurden angebracht, als auf der Vorhalle eine Propsteiwohnung aufgebaut wurde, die dann 1826 wieder entfernt worden ist. Auch die drei letzten Pröpste aus der vorreformatorischen Zeit haben für die Kirche, besonders für ihre innere Ausstattung, viel getan. Ein Teil des Chorgestühls (1511) , die Fresken in der Krypta (1515), das Altarbild (1515) und die Kanzel (1518) verdanken ihnen ihre Entstehung. Schon unter Propst Unger und Propst Altweg mag ihr später Nachfolger Ulrich Fehleisen besonders tätig gewesen sein, dem wir dann noch in der Friedhofkapelle begegnen. Während oder bald nach der Reformationszeit wurde wohl der rückwärtige Teil der Krypta mit dem flachen Bogen gedeckt. Im Jahr 1569 jedenfalls ist eine größere Bautätigkeit anzunehmen. Sie geht zurück auf den ersten evangelischen Propst Bartholomäus Käs (1560-1577). Von seiner Hand stammen die lateinischen Distichen, die einst an der Kirchenwand geschrieben standen, heute aber nicht mehr sichtbar sind: "Mille ac quingentos triginta bisque novemque / Virginis a partu connumeravit homo, / Quando domus sancti renovaret templa sepulchri / Haec pia Praepositum Bartholomäus agens, / Qui Christum sequitur costanti menti fugitque / Pectore sincero dogmata falsa Papae. / Huic Pater omnipotens currentes proroget annos / Ad majestatem nominis usque sui, / Quo valeat coetus animos renovare sacrati / Ut muros verbo, Christe benigne, tuo". Zu Deutsch etwa: "Als man zählte die Jahrzahl des Herren Eintausend Fünfhundert / zweimal Dreißig und Neun seit seiner Jungfraugeburt, / neuerte Bartholomäus, der jetzo das Propstsamt bekleidet, / diesen ehrwürdigen Dom, Heiligem Grabe geweiht. / Standhaften Sinnes und aufrichtigen Herzens als Christi Gefolgsmann / Meidet er alles, was je fälschlich gelehrte der Papst. / Möge der allmächtige Vater ihm flüchtige Jahre verlängern / - göttlichem Namen zur Ehr und zu ewigem Preis – / dass ihm gelinge zu neuern die Herzen der heiligen Gemeinde / - gleichwie die Mauern – durch dich, gütiger Christ, und dein Wort." Nach Aufhebung der ersten Klosterschule im Jahr 1584, ging die herzogliche Regierung schon dazu über, die Krypta als Keller zu benützen. In einer Instruktion an den Verwalter vom 6. Juli 1584 wird dieser angewiesen, da "es in heiligem Grabeskeller gegen den Hof (Maierhof) hinab ein groß und weit Kirchenfenster hat, so zu Sommerzeiten dem Keller viel Wärmen bringt", so soll er das Kirchenfenster "zumauern, allein eines Luftlochs Größe lassen". Zum Glück wurde dieser Befehl nicht ausgeführt. Im Dreißigjährigen Krieg 1633 brannte mit der Propsteiwohnung auf der Torhalle auch der oberste Teil des Turmes ab. In der darauffolgenden Zeit erhielt er dann seine jetzige Gestalt. Die Wiederherstellung soll eines der letzten Werke des berühmten Baumeisters Heinrich Schickhardt (gest. 1634) gewesen sein. Der spätere Zugang zur Krypta von außen her, dessen Stelle innen noch zu sehen ist, könnte ebenfalls schon im 16. oder 17. Jahrhundert entstanden sein, da dieser Teil der Krypta schon Ende des 16. Jahrhunderts als Keller benützt wurde, spätestens aber, als man für die erste Zuckerfabrik im Kloster (1811-1815) in unglaublicher Weise diesen zurückliegenden Teil der Krypta als Rübenkeller verwendete. Entfernt wurde dieser Zugang wohl im Jahr 1836, als man an dieser Stelle die nördliche Eingangstüre zur Kirche herstellte. Größere Bauarbeiten wurden in den Jahren 1862/63 und 1904 ausgeführt. Bei der letzten Wiederherstellung 1955-1957, die aus Anlass des Einbaus einer Heizung erfolgte, hat der Kirchenraum durch Tieferlegung des Fußbodens, durch Entfernung unnötiger Schranken, durch Aufdeckung eines Gemäldes an der Ostseite des Langhauses, durch Aufstellung eines neuen Altars und durch sachgemäße, sorgfältige Behandlung der Kanzel ganz wesentlich an Schönheit gewonnen. Im Jahr 1827 waren, wie die alte Pfarrbeschreibung dieses Jahres meldet, vier Glocken vorhanden. Die dritte stammte aus dem Jahr 1626 von dem berühmten Glockengießer Wolfgang Neidhardt in Augsburg. Die beiden größeren waren 1651 gegossen. Die kleinste, unbekannter Herkunft, wurde 1834 abgenommen und 1835 veräußert. Von den dann noch vorhandenen Glocken wurde die mittlere 1891 umgegossen und 1917 im Ersten Weltkrieg an das Reich abgeliefert. Die größte, die mit einem schlechten Ton nicht befriedigen konnte, wurde bei der Erneuerung des Geläutes im Jahr 1925 an Glockengießer Heinrich Kurtz in Stuttgart abgegeben und zu der alten kleinen Glocke ungefähr mit dem Ton Es‘‘ (-E‘‘) drei neue Glocken gegossen in der Tonfolge As‘, H‘ und As‘‘. Auch die Friedhofkapelle erhielt damals wieder eine neue Glocke. Im Jahr 1942 mussten alle neueren Glocken aufs neue an das Reich abgeliefert werden, und es blieb wieder nur die kleine alte Glocke von 1626 übrig. Diese wurde nun, weil sie der Normalstimmung nicht entspricht, aus Anlass der letzten Erneuerung des Geläutes im Jahr 1948 auf die Friedhofkapelle gebracht und für die Klosterkirche ein ganz neues Geläute von fünf Glocken mit den Tönen F‘, As‘, B‘, C‘‘, Es‘‘ gegossen. Es steht nun (einschließlich der Friedhofglocke) ganz im Eigentum der Ev. Kirchengemeinde. Die Baulast für die Glocke As‘, C‘‘ und Es‘‘ trägt wie bisher der Staat. Die Orgel ist ursprünglich im Jahr 1743 von dem Orgelbauer Georg Friedrich Schmohl in Ulm erbaut worden. Im Jahr 1929 wurde sie gründlich erneuert und erweitert, das alte Gehäuse aber mit einer geringfügigen Erweiterung belassen.
Das erste Klostergebäude ist wohl unmittelbar nach der Stiftung des Chorherrenstiftes an die alte Pfarrkirche angebaut worden. Von diesem Bau sind keine sicheren Spuren mehr vorhanden (wenn nicht der kleine Überrest des abgebrochenen westlichen Flügels dafür angesehen werden will). Er muss in dem Städtekrieg 1377 gründlich zerstört worden sein. Auch die Zeit des Neubaubeginns kann bis jetzt nicht nachgewiesen werden. Bekannt ist nur, dass unter den Pröpsten Bernhard von Baustetten (1449-1467), Heinrich Gutzmann (1467-1477) und Peter Wolff (1477-1508) am Kreuzgang und Kapitelsaal gebaut worden ist. Am Ostflügel und am anstoßenden Kapitelsaal baute Bernhard von Baustetten, wie an einigen Schlusssteinen mit seinem Wappen (Pfeilspitzen im Schrägbalken) zu erkennen ist. Ein gewisses Rätsel enthält ein Wappenbild mit einem Löwen an der Ecke vom östlichen zum südlichen Flügel über der heutigen Speisesaaltüre und ein Schlussstein im südlichen Flügel mit der Inschrift "erlikain ain stifter" und dem gleichen Wappen wie auf dem Wappenschild. Es wird vermutet, dass beide Stücke auch auf Bernhard von Baustetten zurückgehen und im Gegensatz zu der Grafschaft Wirtemberg, deren Gegner er zuletzt war, die Herkunft des Klosters von dem freilich unsicheren Stiftergeschlecht von Erligheim betonen wollen. Am südlichen Kreuzgang hat sonst in der Hauptsache der übernächste Propst Peter Wolff gebaut; die Schlusssteine hier tragen mehrfach sein Wappen (gekreuzte Sägen) und zum Teil seinen Namen, sowie die Jahreszahl 1487. Auf welche Zeit der Anbau an der Ostfront, der wohl eine der Maria geweihte Kapelle war, zurückgeht, ist nicht ersichtlich. Im Kreuzgang sollen früher noch Überreste eines Freskobildes über dem Eingang zum Kapitelsaal zu sehen gewesen sein. (O.A. Beschreibung Esslingen.)
Während am Anfang des 19.Jahrhunderst das alte Kloster mit dem Klosterhof und dem darunter befindlichen Maierhof (dem landwirtschaftlichen Gutshof) im wesentlichen noch erhalten war, und damals den starken Eindruck einer trutzigen Gottesfestung bewahrt hatte – nur 1804 wurde vermutlich anstelle eines alten Baus die neue "Oberamtei" (später Pfarrhaus) gebaut -, so brach mit der Aufhebung der besonderen Klosterverwaltung und ihrer Vereinigung mit der Staatsfinanzverwaltung 1806 und mit der Wegverlegung der Klosterschule im Jahr 1810 eine Zeit herein, in der man ohne jede Ehrfurcht vor dem geschichtlich Bedeutsamen nur vom Gesichtspunkt der Nützlichkeit aus mit den Klostergebäuden verfuhr. Nicht nur, dass durch die nun folgende Verwendung des Klosters für profane Zwecke sehr vieles an dem alten Bau verändert wurde, nacheinander wurde auch eine Reihe von Gebäuden abgebrochen: 1824 der Westflügel des Kreuzgangs und die darüber liegenden Bauteile, sowie die sog. Kasten- und Amtsknechtswohnung und die westliche Toreinfahrt, und 1826 die Propsteiwohnung oder, wie man damals sagte, die Prälatur über der Vorhalle (diese wohl mit Recht). – Andere Gebäude folgten später (z.B. die frühere Wohnung von Johann Albrecht Bengel), so dass heute der geschlossene Charakter des Klosterhofs fast ganz verwischt ist und das Auge keinen Eindruck von der einstigen schlichten Schönheit des Klosteranlage mehr gewinnen kann.
An der Friedhofkirche, die am Nordhang des Klosterberges inmitten des alten Friedhofs liegt, haben auch verschiedene Zeiten ihre Spuren hinterlassen. Der Hauptraum war ursprünglich, wie man von außen deutlich zu erkennen vermag, um einen Meter niedriger als heute. Das westliche Rundbogenportal und die Spur eines jetzt vermauerten romanischen Fensters, das von der Empore aus an der Südwand festzustellen ist, scheinen auf einen älteren Bau hinzuweisen. Die Erhöhung ist dann wohl im Zusammenhang mit der Einsetzung gotischer Fenster und eines südlichen gotischen Portals, vor allem aber mit dem Anbau eines gotischen Chors erfolgt. Der Anfang dieser Bauarbeiten mag schon in die Zeit um 1450 fallen. 1463 wird bei der "neuerrichteten, aber noch nicht geweihten Johannes-Baptista-Kapelle" ein Friedhof neu angelegt, da der alte zu klein und überfüllt ist. Nach einer anderen Nachricht wurde die Kapelle dem Salvator, der Maria und dem Johannes geweiht". Der Ausbau der Kapelle erfolgte dann in der Hauptsache unter den letzten Pröpsten der alten Zeit: unter Johannes Unger, dessen Wappen (Zirbelnuss) am Schlussstein des Chorgewölbes zu sehen ist, Martin Altweg, dessen Wappen (Haftenschlinge) auf der Kreuzung der Unterzüge an der Decke des Hauptraumes und an einem Chorstuhl angebracht ist, und Ulrich Fehleisen, dessen Wappen (Hufeisen) ebenfalls an einem Chorstuhl steht. Der letztere mag dann noch im Jahr 1545 den früher ausgehöhlten Taufstein und die Kanzel hinzugefügt haben. Die Holzdecke mit blauer Bemalung ist wohl noch die alte. Es wird angenommen (E. Fiechtner), dass das Innere einst ganz ausgemalt war. Der Dachreiter im Westen gehört augenscheinlich einer wesentlich späteren Zeit an. Bemerkenswert ist die Kapelle durch einige Grabdenkmäler, darunter das Doppelmal für den ersten evangelischen Propst Bartholomäus Käs 1560-1577 und seine vor ihm verstorbene erste Gemahlin Barbara geb. Berin. Was aber einst die besondere Schönheit des Chors ausmacht, das waren alte Glasgemälde. Diese wurden der Kapelle durch Herzog Karl genommen und auf das Schloss Monrepos gebracht. Später kamen sie in das Schloss Friedrichshafen. Fast hätte dem heimeligen Kirchlein selbst die letzte Stunde geschlagen. Im Jahr 1787 ließ der herzogliche Kirchenrat anfragen, ob nicht die Kapelle als entbehrlich abgebrochen werden könnte. Allein die Gemeinde, geführt von Pfarrer Holland und Schultheiß Wendel Friedrich Silber, hat sich so herzhaft dagegen gewehrt, dass der Plan aufgegeben wurde. Die Friedhofskirche bildet heute den unentbehrlichen Mittelpunkt für den stimmungsvollen alten Friedhof und darf im Gesamtbild der Klosteranlage, wie sie sich von Norden her darstellt, nicht fehlen. Sie wurde 1887 in unzureichender Weise "renoviert". Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die katholische Kirchengemeinde durch den Zustrom von Flüchtlingen stark angewachsen. Ihr diente die Friedhofskirche lange Zeit als Gottesdienstraum. Der Zustand dieser Friedhofskirche wurde immer schlechter, so dass schließlich eine weitere Benützung nicht mehr möglich war. 1970/71 hat die bürgerliche Gemeinde, in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege die Kirche mit einem Kostenaufwand von 300 000 DM kunstgerecht erneuern lassen. Sie ist ein Schmuckstück geworden. Eine Besichtigung ist lohnenswert. Der Schlüssel zur Kirche befindet sich im Rathaus. Der Friedhof wurde 1731/32 erweitert. Im Jahr 1851 wurde durch den damaligen Pfarrgemeinderat ein neuer Friedhof (oberhalb des alten) gestiftet. Endlich wurde im Jahr 1964 durch die bürgerliche Gemeinde der ganze Raum zwischen altem und neuem Friedhof hinzuerworben, angelegt und eingeweiht. Durch das starke Wachstum der Gemeinde bedingt, musste in den Jahren 1973/74 noch einmal eine Erweiterung des Friedhofs durchgeführt werden. 1970/71 ist im Anschluss an die Friedhofskirche eine große, neuzeitlich eingerichtete Leichenhalle erstellt worden.
II. TEIL DAS KLOSTER IM WANDEL DER ZEITEN Wie die Klosterbauten, so ist auch das Kloster selbst es wert, dass wir seiner bei aller Schlichtheit doch reich bewegten Geschichte, die große Höhepunkte und Zeiten tiefsten Niedergangs in sich schließt, teilnehmend nachgehen. Das Dorf ist viel älter als das Kloster. Doch gehört es nicht zu den ältesten Siedlungen der Filder. Während schon Köngen, Nellingen, Sielmingen, Plieningen, Echterdingen, vielleicht auch schon Neuhausen, Scharnhausen, Bernhausen bestanden, war hier wohl noch ein weltvergessenes Waldtal mit tiefem Dickicht und wilden Quellen. Denkendorf, d.h. das Dorf, das wohl einem Mann namens Danko oder Dankino seinen Ursprung verdankt, mag immerhin zu sehr frühen Ausbausiedlungen der ältesten Dorfmarken gehören. Die auffallende Größe seiner Markung könnte darauf hinweisen. Das Dorf zog sich ursprünglich am nördlichen Hang des Körschtales aufwärts. Etwas unterhalb der Höhe, im sog. "alten Hof", soll früher eine Kapelle gestanden haben, deren Mauerwerk jetzt in einer Scheuer steckt. Noch vor kurzer Zeit war ein Weihwasserkessel daselbst zu sehen. Auf dem südlichen Abhang des Tales hatte, wie es scheint, im 11. und anfangs des 12. Jahrhunderts ein edelfreies Geschlecht seinen Sitz, das die Grundherrschaft und Gerichtsbarkeit über das Dorf ausübte. Vielleicht ist die oben erwähnte Kultstätte zunächst Gerichtsstätte geworden und hat dadurch Anlass zur Ansiedlung eines Gerichtsherrn und Rittergeschlechts gegeben. Woher das Geschlecht stammte und mit welch anderen edlen Geschlechtern des Landes es zusammenhing, wird wohl schwerlich mehr mit Sicherheit festzustellen sein. Der Geschichtsschreiber des Klosters, Johann Christoph Schmidlin, erwähnt verschiedene Möglichkeiten, die an alten Nachrichten wohl ihre Anhaltspunkte, aber keine sichere Bestätigung finden. Eine Überlieferung, die besonders der mehrfach erwähnte Propst Bernhard von Baustetten pflegte, lässt die Familie dem Geschlecht derer von Erligheim angehören. Aber wenn es auf dem früher genannten Schlussstein nur "Erlikain ain stifter" heißt, so war man offenbar der Sache nicht sicher. Und wenn sein Wappen, das an der südöstlichen Ecke des Kreuzgangs angebracht ist, einen offenen Turnierhelm enthält, so verrät sich darin die späte geschichtlich unrichtige Überlieferung, da "zur Zeit der Stiftung des Klosters bekanntermaßen kein Graf einen offenen Turnierhelm geführt hat, viel weniger die geringeren vom Adel". Noch die letzten Pröpste des mittelalterlichen Klosters hatten Ansprüche eines Nachkommen dieses Rittergeschlechts, des Michael von Erligheim abzuwehren. Das geschah durch einen Vergleich, wonach er gegen 45 fl. und den Nachlass eines kleinen Schuldpostens seinen Anforderungen gänzlich entsagte. Im Gegensatz dazu waren die Anhänger des Hauses Wirtemberg der Überzeugung, dass der Stifter des Klosters ein Graf von Wirtemberg gewesen sei. Doch ist auch dafür kein sicherer Beweis zu erbringen. (Immerhin wird in der Ordenschronik der Chorfrauen vom Hl. Grab in Baden-Baden ein Berthold von Beutelsbach erwähnt. Die Gemahlin des ersten bekannten Württembergers Konrad war höchstwahrscheinlich die Erbtochter des Geschlechts Beutelsbach). Andere Vermutungen sprechen von den Grafen von Calw, die auf den Fildern Güter hatten und später in Ingersheim und Walheim, wo sie begütert waren, Stiftungen an Denkendorf machten, den Herren von Neuffen, den Herzögen von Zähringen bzw. Teck und den Herren von Neuhausen. Einer aus diesem Geschlecht hat, wie oben berichtet, die erste Kirche und wohl gleichzeitig damit die Pfarrei in Denkendorf um 1050 gestiftet und, weil die Kirche innerhalb des Bistums Konstanz lag, sie dem heiligen des Bistums, dem Pelagius, geweiht. Der Stifter hat dann, wie üblich, einen "Kirchherrn" mit der Versehung der Pfarrei und mit dem Recht auf ihre Einkünfte belehnt. Das geschah in der Regel auf Lebenszeit. Es ist zu vermuten, dass sowohl der Grund und Boden für die Kirche wie für den damaligen Pfarrhof aus dem Grundbesitz des Stifters herausgeschnitten wurde und damit somit der Sitz der Stifterfamilie auf dem späteren Klosterhügel zu suchen ist.
A. DAS MITTELALTERLICHE KLOSTER 1. DIE GRÜNDUNG DES CHORHERRENSTIFTES Nach alter Überlieferung war es der Enkel des ursprünglichen Kirchenstifters, Berthold, dem das Stift seine Entstehung verdankt. Es liegt nahe zu glauben, dass die erste Anregung dazu von seinem Nachbarn, dem Ortsherrn von Nellingen, Anselm ausging, der sich im Jahr 1120 seine Stiftung an das Kloster St. Blasien vom Papst bestätigen ließ. Der besondere Anlass aber wurde für ihn die Kreuzzugsbewegung. Im Jahr 1099 hatte das Kreuzfahrerheer Jerusalem eingenommen und den christlichen Gottesdienst daselbst wieder hergestellt. Der Führer des Heeres, Gottfried von Boullion, hatte alsbald zum Schutz und Dienst des Heiligen Grabes Chorherren beauftragt, die sich dann zu einem "Orden vom Heiligen Grab" nach der Augustinerregel einrichteten und unter der Leitung des Patriarchen von Jerusalem standen. Ihre Tracht war ein schwarzer Leibrock, darüber ein kleinerer weißleinener Rock mit einem kleinen Halskragen, von einer doppelten feuerfarbenen Schnur mit fünf Knoten und zwei Quasten zusammengehalten, über dem Ganzen ein großer schleppender Mantel. Als besonderes Kennzeichen trugen sie das Doppelkreuz des Patriarchen auf der linken Seite des Mantels. Ob nun der Ritter Berthold von Denkendorf an dem ersten Kreuzzug selbst teilnahm, wie einige sagen, ist zweifelhaft und unwahrscheinlich. Dagegen hat er später, nach 1120, eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen und dabei seine ihm eigene Kirche, an der er von seinen Voreltern her das Patronatsrecht besaß, den Brüdern vom heiligen Grab in Jerusalem als Stiftung übertragen mit dem Recht, neben dieser Kirche eine Niederlassung ihres Ordens zu gründen. Der Patriarch von Jerusalem – die Überlieferung nennt ihn Warimundus – sandte darauf einen Kanoniker seines Chorherrenstiftes, Konrad, als ersten Propst nach Denkendorf und schenkte dem neu zu gründenden Stift daselbst verschiedene Reliquien vom Heiligen Land. Papst Honorius II. nahm das neue Chorherrenstift in seinen Schutz und gestattete den Chorherrn freie Wahl des Propstes und ebenso freie Wahl des weltlichen Schutzherrn oder Vogtes. Zur freien Propstwahl kam es jedoch, wie es scheint, lange nicht. Der Patriarch hielt an seinem Recht fest, den Propst zu bestimmen oder jedenfalls bei der Wahl entscheidend mitzuwirken; am Anfang sandte er oft frühere Chorherrn von Jerusalem. Noch Jahrhunderte später übte der anstelle des Patriarchen getretene Ordensgeneral seinen entscheidenden Einfluss aus. So war das Stift nicht selbständig wie viele andere Klöster, sondern blieb in starker Abhängigkeit von der Ordensleitung. Doch hat Papst Innocenz IV. 1249 die Brüder vom Hl. Grab diesseits des Meeres den Tempelherrn und Spitalbrüdern von Jerusalem gleichgestellt. Das Doppelkreuz, das auch die Denkendorfer Chorherrn trugen, war ein sichtbares Abzeichen ihrer Abhängigkeit. Die freie Vogtwahl dagegen vermochte das Stift im Anfang festzuhalten. Wer als erster Vogt gewählt wurde, ist unsicher. Es kann wohl vermutet, aber nicht bewiesen werden, dass es ein Graf von Wirtemberg war. Später blieb dem Stift nichts anderes übrig, als sich dem jeweils Stärkeren zu fügen, sei’s der Grafschaft Wirtemberg, sei es der benachbarten Reichsstadt Esslingen. Das Gründungsjahr, das nicht ausdrücklich überliefert ist, muss zwischen 1128 und 1130 legen. Einerseits wird Denkendorf in einer Urkunde des Papstes Honorius II. vom 4. September 1129 unter den Besitzungen des Ordens vom Hl. Grab noch nicht genannt, dagegen vollzieht Honorius II., der vom Dezember 1124 bis Februar 1130 Papst war, in einer Urkunde noch die Bestätigung der Gründung von Denkendorf und spricht in einem Schreiben an die Brüder des Herrengrabes zu Jerusalem vom 18. August 1129 neben vielen anderen Besitzungen des Ordens von "ecclesias, quas habetis in Alamannia". So ist das Gründungsjahr höchstwahrscheinlich das Jahr 1129. Nachdem auch König Konrad III. im Jahr 1130 das Stift in den Schutz des Reiches genommen und das Recht freier Vogtwahl zugesichert hatte, war die rechtliche Grundlage des Stiftes fest gegründet. Im Jahr 1144 folgte noch einmal päpstliche Bestätigung durch Coelestin II..
2. DIE ÄUSSERE ENTWICKLUNG DES STIFTES Erwerbungen und Verluste wechselten in den folgenden Jahrhunderten beständig ab. Das Stift machte allerlei, aber doch verhältnismäßig bescheidene Erwerbungen. Zunächst hat der Stifter selbst im Jahr 1142 vollends alle seine Güter an das Stift vergabt. Er erhielt sie von dem Patriarchen auf Lebenszeit gegen einen jährlichen Zins zurück. Ob die Bedingung, die er daran knüpfte, jederzeit, wenn er wolle, als Bruder in Jerusalem oder Denkendorf eintreten zu dürfen, noch zur Ausführung kam, oder ob die Überlieferung, dass er nach einer weiteren Fahrt nach Jerusalem 1143 auf der Rückreise in Bozen gestorben sei, zutrifft, ist nicht mehr mit Sicherheit auszumachen; jedenfalls kam das Stift nach seinem Tod in den reichen Besitz seiner Güter. Fraglich ist nur, ob der nachher noch zu nennende "Herrenhof" zu Denkendorf, der erst 1305 in den Besitz des Klosters kam, als letzter Rest des Stiftergutes anzusehen ist. Im Jahr 1160 wurden nach dem Abgang des bisherigen Kirchherrn in Denkendorf die Seelsorgebefugnisse an der Gemeinde dem Propst übertragen und 1190 die Kirche endgültig dem Stift inkorporiert. Im Jahr 1190 wurde auch die Michaelskirche zu Berkheim in gleicher Weise einverleibt und im Jahr 1207 die Kirche zu Dietbrücke (Vorstadt von Speyer) sowie das Frauenkloster zum Zweck der Umwandlung in ein Chorherrenstift. Diesem Stift wurde sodann 1214 die Kirche zu Kirchheim-Bolanden und 1245 das Spital zu Worms an der Martinsbrücke zugeteilt. An weiteren Gütererwerbungen - durch Schenkung oder Kauf – seien noch folgende besonders genannt: 1200 gehen in Kirchheim unter Teck Güter durch Stiftung in den Besitz des Klosters über; 1225 wird eine Schenkung in Walheim, die durch einen Grafen von Calw vermutlich schon früher vollzogen worden ist, durch den Bischof von Speyer bestätigt; 1231 werden Güter in Berkheim, ein Fischwasser in Esslingen und Anteil an den Salzwerken in Hall erworben und der Erwerb mehrfach bestätigt; 1242 wird eine Schenkung in Ingersheim und 1250 weitere Güter in Walheim erworben; 1254 gelangt die Mühle zu Kemnat in den Besitz des Klosters und 1276 die Vogtei über einen Hof in Pflugfelden, 1288 bzw. 1295 kommt der Fronhof zu Bietigheim samt Fischwasser in der Enz an Denkendorf; 1305 folgt der "Herrenhof" zu Denkendorf, den Rudolf von Stuttgart übergibt. 1319 fasst das Kloster durch Erwerb von Gütern und Vogtrechten in Aich festen Fuß; 1322 wird die Vogtei über Altdorf (bei Nürtingen) von der Familie Kayb an das Kloster abgetreten. 1359 werden Güter in Esslingen erwähnt, wo von 1387 an ein Pflegehof nachgewiesen ist; 1358 wird der Fronhof von Kemnat erworben, 1380 Güter in Köngen (wie zuvor schon 1271 ein Hof daselbst). 1385 werden zur Zeit des Propstes Friedrich Kayb von Hohenstein alle Rechte an Gütern zu Dettingen (Urach) und Bempflingen, die Ulrich Kayb daselbst hatte, dem Kloster geschenkt und durch Berthold Kayb der Zehnte in Grötzingen dem Kloster versetzt. 1392 werden Güter in Neckartailfingen und 1407 solche in Sirnau genannt, 1438 wird in Berkheim der sog. Fritzenhof, der Widdumhof und die Vogtei erworben. 1442 werden in einer Bestätigungsurkunde des Kaisers Friedrich III. noch eine Reihe weiterer Besitzungen meist außerhalb Wirtembergs erwähnt, u.a. das Münster zu St. Ottilienberg, Herrschaft Montfort, das zu einem Jungfrauenkloster von Hl. Grab bestimmt war. 1447 werden außer der Vogtei über Altdorf samt allem Gericht und Bann noch fünf Höfe von Berthold von Baustetten erworben; 1470 Weinberge in Plochingen. Trotz dieser zahlreichen Erwerbungen gehörte Denkendorf im Vergleich mit anderen Klöstern in Wirtemberg zu den kleineren und geringeren, was der Propst Fehleisen 1550 in einem Schreiben an den Herzog Christoph ausdrücklich betont. Die wichtigsten Erwerbungen waren die Einverleibungen von Kirchen mit ihrem Kirchensatz, mit dem großen und kleinen Zehnten und dem Recht der Seelsorge. Ein Stift mit regulierten Chorherrn, wie es Denkendorf war, hatte es leichter als andere Klöster, solche Erwerbungen zu machen. Die Einverleibung der Kirchen zu Denkendorf und Berkheim 1190 ist schon erwähnt. 1266 wird die wohl schon früher geschehene Einverleibung der Kirche zu Walheim vom Papst bestätigt. 1287 wird das Patronat in Türkheim an der Wertach (Bayern) erworben und 1308 die Kirche daselbst inkorporiert. 1288 bzw. 1297 geht mit der Erwerbung des Fronhofs zu Bietigheim auch das Patronat daselbst in das Eigentum Denkendorfs über und 1297 wird alsbald ein Denkendorf Chorherr auf die Pfarrei investiert. 1291 überträgt Anselm von Schlaitdorf, ein Ministerial der Pfalzgrafen von Tübingen, dem Kloster das Patronat in Walddorf (Tübingen) und 1292 wird Werner von Aich als Kirchherr mit der Pfarrei belehnt. Nach dessen Tod 1304 aber wird ein einfacher Kleriker, Konrad, Notar des Albert von Rechberg, dem Bischof von Konstanz präsentiert, um mit der Seelsorge betraut zu werden, was vielleicht schon als eine gewisse Vernachlässigung der Gemeinde gedeutet werden muss; er wird noch 1334 als Kirchherr von Walddorf erwähnt. 1311 wird die Kirche daselbst endgültig inkorporiert, da das Stift "durch Kriege und Gastfreundschaft gegenüber den Grafen zu Wirtemberg und andern adeligen Herren verschuldet sei". 1295 übergibt Rudolf von Neuffen den Kirchensatz zu Güglingen dem Konvent zu Speyer, 1358 folgt mit dem Fronhof die Einverleibung der Kirche zu Kemnat, 1360 die Einverleibung der Kirche zu Aich; 1379 wird der Kirchensatz zu Bempflingen erworben und die Kirche 1398 einverleibt. 1383 verleiht die Propstei Denkendorf einem Kirchherrn zu Hechingen, der an der Kapelle zu Ebingen, deren Patron Denkendorf ist, eine Messpfründe gestiftet hat, das Recht zur Präsentation des Priesters. 1384 wird mit dem Widdumhof auch der Kirchensatz zu Köngen angeeignet und 1395 die Kirche selbst inkorporiert. 1449 wird das Patronat und 1453 die Kirche zu Gundelsheim zugunsten des Priorats von Speyer erworben. Noch 1522 kauft Denkendorf den Kirchensatz und die Kirche zu Hofen bei Brackenheim. Bei den Erwerbungen war es vor allem auf den großen und kleinen Zehnten abgesehen; aber auch auf das Recht der Seelsorge wurde Wert gelegt. dieses Recht wurde allerdings zuweilen von den Bischöfen bestritten. Aber Papst Urban IV., selbst ehemaliger Ordensgeneral vom Hl. Grab, bestätigte es dem Orden als althergebrachtes Recht und befreite im Jahr 1262 die dem Orden zugehörigen Orte von aller Herrschaft der Erzbischöfe und Bischöfe und verbot, das Kloster Denkendorf mit dem Bann zu belegen und mit Abgaben zu beschweren. Wenn das Kloster einmal ausnahmsweise, wie bei der Pfarrei Türkheim an der Wertach, 1457 auf das Recht, sich die Seelsorge übertragen zu lassen, verzichtete, ließ es sich von dem betreffenden Bischof eine Versicherung aus stellen, dass diese Ausnahme dem allgemeinen Recht keinen Eintrag tun solle. Viele Mühe gab sich die Propstei, alle ihre Privilegien zu erhalten und immer weiter auszubauen. Man ließ sich daher diese Vorrechte vom Kaiser, vom Papst oder auch vom Ordensgeneral immer wieder aufs neue bestätigen. Das geschah z.B. 1213 durch Innocenz III., 1281 und 1283 durch Martin IV., 1286 durch Honorius IV., 1290 durch Nikolaus IV., 1405 durch Innocenz VII., 1486 durch Innocenz VIII.. Verlorengegangene Rechte wurden wiederhergestellt, so 1476. So ganz einwandfrei ging es dabei nicht immer zu. Im Jahr 1339 ließ sich der Propst vom Papst das Recht geben, solche, die während einer Notlage des Klosters klösterliche Güter an sich gebracht hatten, durch kirchliche Strafen zur Rückgabe zu zwingen. Sogar Befreiung von der Bezahlung gewisser Schulden ließ sich der Propst vom Papst gelegentlich erteilen. Auch einige Urkundenfälschungen sind im 14. Jahrhundert nachzuweisen. 1365 ließ sich das Stift vom Ordensgeneral das Recht geben, die den Messen gewidmeten Gelder auch zu anderen Zwecken zu verwenden. 1456 erhielt Denkendorf vom Papst Nikolaus V. die Zusicherung, dass seine Sammlungen für das Hl. Grab vor allen anderen Sammlungen den Vorzug haben sollten. Andererseits hatte das Stift auch öfters in kirchlichem Auftrag (teils durch den Papst, teils durch Bischöfe, teils durch den Patriarchen von Jerusalem) Rechtsgeschäfte auszufechten. Das trug dann dem Kloster gelegentlich neue Rechte ein. Schon 1414 war der Propst für die Ehre, die dem Ordensgeneral bei seinem Besuch in Denkendorf erwiesen worden war, zum wirklichen Chorherrn des Hl. Grabes in der Hauptkirche zu Perugia ernannt worden und hatte das Recht erhalten, sich der bischöflichen Insignien zu bedienen. Neben der äußeren Ausdehnung her geht doch auch mancher Verlust. So wird einmal von der Rückgabe durch das Kloster Petershausen widerrechtlich erworbener Güter an Denkendorf berichtet. Auch gegen den Bischof von Speyer, der den Denkendorfer Besitz daselbst beeinträchtigte, musste sich der Propst 1277 wehren. Überliefert sind wohl meist nur die größeren Schädigungen, die im Zusammenhang mit dem folgenden zu erwähnen sind. Ein besonderes Kapitel, mehr des Schadens als des Gewinns, bildet die Geschichte der sogen. Schutzherrschaft für das Kloster. Zwar wurde es immer wieder von neuem nicht nur des päpstlichen, sondern auch des kaiserlichen Schutzes versichert und ihm sein ganzer Besitz mit allen Rechten namentlich bestätigt: schon 1239 durch König Konrad III., 1181 durch Kaiser Friedrich I., 1226 und 1228 durch König Heinrich und dessen Vater Kaiser Friedrich II., 1291 durch Kaiser Rudolf I. und 1299 durch dessen Sohn Albrecht I. (der erstere erlaubte dem Stift sogar, Reichslehen zu behalten). 1333 wurde durch König Ludwig das Privilegium, das Kaiser Friedrich I. ausgestellt hatte, 1346 durch denselben das Privilegium des Königs Heinrich von Jahr 1226 bestätigt; 1359 und 1361 hat Kaiser Karl IV. wiederum die früheren Privilegien erneuert und des Reiches Schutz für das Stift erklärt. 1408 befiehlt König Ruprecht der Stadt Esslingen, das Stift von Reichs wegen zu schirmen. Wiederum 1416 wurde durch Kaiser Sigismund und dann 1442 durch Kaiser Friedrich III. des Reiches Schutz ausgesprochen. letztmals wurde das Kloster von Kaiser Karl V. 1521 in seinen Freiheiten bestätigt und in des Reiches Schutz genommen. Allein der Kaiser war weit entfernt und konnte seinen Schutz nur in seinem Auftrag durch nähergelegene weltliche Herrschaften ausüben. Zudem hat der Kaiser die Schirmvogtei bald der einen, bald der andern übertragen. Aber gerade diese waren zugleich auch sehr begehrliche Nachbarn, die eine Schutzherrschaft am liebsten in Abhängigkeit und Einverleibung verwandelt hätten. Schon 1236 muss der Bischof von Konstanz die Propstei gegenüber Übergriffen von Esslingen in Schutz nehmen. Und jede Verbindung mit dem einen zog die Feindschaft des andern nach sich und führte dazu, dass auch das Kloster in die vielfachen Fehden jener Zeit mit verwickelt wurde. Übrigens kam es auch mehrfach vor, dass deutsche Könige die Schirmherrschaft über Denkendorf an kleinere Herren verpfändeten: das geschah 1252 durch den römischen König Wilhelm von Holland um 200 Mark Silber an den Grafen von Wirtemberg, dem auch die Kurie als Gegenleistung für seinen Übertritt zur päpstlichen Partei gegenüber den Staufen die Vogtei verliehen hatte, und 1284 durch König Rudolf an seinen Parteigänger Diebold von Scharnhausen um 400 Mark Silber. Das letztere geschah im Zusammenhang mit der Fehde zwischen dem König Rudolf und dem widerspenstigen Grafen Eberhard von Wirtemberg. Dabei wurde 1286 Stuttgart sieben Wochen lang belagert und aus diesem Anlass auch das Klostergebiet in Berkheim schwer geschädigt. Im Jahr 1342 wurde durch König Ludwig wiederum Graf Ulrich von Wirtemberg als sein Landvogt mit dem Schirm des Klosters beauftragt. Diese enge Verbindung mit Wirtemberg hatte aber zur Folge, dass in dem Krieg zwischen Wirtemberg und den Reichsstädten 1377 das Kloster von den Städtern (Esslingen und Ulm) völlig niedergebrannt wurde. Der alte Klosterbericht darüber meldet: "Zerstört und verbrannt wurden die Klöster Denkendorf und Weiler durch die Städte Esslingen und Ulm, und das geschah durch Arglist und Betrug. Auch nahmen sie zwei Personen, die das Kreuz trugen, gefangen und plünderten das Kloster im Innern so, dass sie ihnen auch ihre Pferde wegnahmen und die Schwester unseres Herrn, des Propstes Friedrich, genannt Kayb, belästigten, und nahmen uns alle Klostergüter weg, ebenso nahmen sie im Maierhof mehr als 100 Schafe, Rinder und Pferde weg; auch machten sie unsere Landsleute zu Gefangenen und plünderten sie". Nur die Steinmauern der Kirche blieben stehen. Selbst die Grabdenkmäler in der Kirche wurden zusammengeschlagen. Der Hass der Esslinger mag sich zum Teil daraus erklären, dass einige Jahre zuvor der Propst Friedrich Kayb in päpstlicher Vollmacht das Interdikt über die Esslinger Stadtkirche und einige Esslinger Geistliche wegen kirchlicher Streitigkeiten ausgesprochen hatte. Es gelang zwar diesem tatkräftigen Propst, der von 1351-1397 das Stift leitete und seit dem Jahr 1360 als Generalvikar des Ordens für Deutschland in großem Ansehen stand, das Kloster wieder in Gang zu bringen, hauptsächlich durch Sammlung von milden Beisteuern, die von den Bischöfen von Konstanz und Augsburg, sowie von dem Grafen von Wirtemberg gefördert wurden, aber es blieb doch lange eine Zeit der geringen Dinge. 1395 wird bei der Einverleibung der Kirche zu Köngen geklagt, dass im Kloster durch Kriege und Unglück die Zahl der Religiosen und die Einkünfte zurückgegangen, Haus und Gebäude schadhaft, die Äcker unbebaut und unfruchtbar seien. Noch um 1400 war das Kloster tief verschuldet. 1398 waren in Denkendorf nur der Propst und 7 Kanoniker anwesend. Nun schien eine engere Verbindung mit der Reichsstadt Esslingen unausweichlich. Nachdem schon 1353 Propst und Konvent in einer Urkunde die Bürger zu Esslingen ihre "Gesellen und Mitbürger" genannt hatten, erfolgte in einem förmlichen Vertrag 1387 die ausdrückliche Aufnahme in das Esslinger Bürgerrecht. Das Siegel des Klosters musste der Stadt übergeben werden als Pfand dafür, dass der Konvent ohne der Stadt Vorwissen nichts unternehmen wolle. Da die Stadt jedoch bald in Sorge war, der Propst wolle sich wieder von ihr lösen, wurde im Jahr 1400 ein neuer Revers gefordert, der dies unmöglich machen sollte. Zugleich musste das Kloster alle seine Freiheiten und Briefe der Stadt ausliefern. Der Wunsch der Esslinger, eine kaiserliche Bestätigung dieses Vertrages zu erlangen, ging jedoch nicht in Erfüllung. Zwar befahl König Ruprecht im Jahr 1408 der Stadt Esslingen, das Kloster Denkendorf, das in des Reiches Schirm gehöre, von Reichs wegen zu schirmen; aber des besonderen Vertrages mit der Stadt Esslingen wird dabei mit keinem Wort gedacht. Und so scheint sich auch das Verhältnis zu Esslingen bald wieder gelockert zu haben. Nachdem dann im Jahr 1416 das Kloster nochmals von dem Kaiser Sigismund in des Reiches Schutz genommen war, wobei ihm alle früheren Privilegien und Freiheiten bestätigt wurden, stellten sich Propst und Konvent im Jahr 1424, unter Vorbehalt aller Privilegien, endgültig unter den Schutz des Hauses Wirtemberg, das damals durch die beiden jungen Grafen Ludwig und Ulrich vertreten war. 1441 kam Denkendorf bei der Teilung Wirtembergs zu Ludwig, 1442 zu Ulrich. Von da an wurde die Verbindung mit Wirtemberg immer enger, bis es zur völligen Einverleibung in das spätere Herzogtum kam. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass im Jahr 1442, vermutlich um den Vertrag mit Wirtemberg ungültig zu machen, Kaiser Friedrich III, dem Kloster wiederum des Reiches Schutz zusicherte und ausdrücklich verbot, "dass sich sonst niemand einigerlei Vogtei, Rechts oder Gewalt darüber anmaßen sollte". Freilich auch in dieser neuen Verbindung hatte das Kloster noch zu leiden. Am 19. Oktober 1449 wurde in einem neuen Krieg das Dorf von den Esslingern niedergebrannt, während die Wirtemberger sich am Kloster schadlos hielten. Daher wird in den folgenden Jahren wieder von jährlichen Sammlungen berichtet; auch wird der dem Kloster verliehene vollkommene Ablass für Besuch der Kirche am Karfreitag und an divisio apostolorum (15.Juli), dem Kirchweihfest der Kirche zu Jerusalem, bestätigt. Für die äußere Entwicklung des Klosters von Bedeutung ist auch das Verhältnis zur Dorfgemeinde. Der Propst übt seit der Stiftung des Klosters zugleich die Rechte des Gerichtsherrn, des Grundherrn oder Lehnsherrn, des Zehntherrn und vielfach auch des Leibherrn aus. Es lässt sich denken, dass diese Rechte von den Dorfbewohnern oft nur widerwillig ertragen und häufig bestritten wurden. So bestanden zwischen dem Propst und dem Dorfgericht von 1408-1422 lange Streitigkeiten, einmal weil der Propst für gewisse "Frevel" (meist leichtere Vergehen) höhere Strafen als bisher ansetzen wollte, wozu er sich von König Ruprecht das Recht hatte geben lassen, und dann weil er verlangte, dass, wenn er einen bisherigen Richter des Dorfes zu seinem Stabshalter oder Amtmann, d.h. zum Verwalter des Klosteramtes ernenne, derselbe sein Richteramt im Dorf niederlegen müsse. Das Stadtgericht zu Esslingen, das nach langem Streit angerufen wurde, gab 1422 dem Propst Recht. Im Jahr 1425 entstand ein neuer Streit: der Propst forderte, dass zu Richtern nur solche gewählt wurden, die dem Kloster leibeigen oder zum mindesten vom Propst belehnt seien, während das Dorfgericht vermöge Herkommens darin völlige Freiheit verlangte. Das Stadtgericht zu Esslingen verwarf die freie Wahl. Es genehmigte auch sechs Artikel über die Pflichten eines Dorfrichters gegenüber dem Propst und Gotteshaus in Denkendorf, die von jedem Richter beschworen werden mussten. Da es später wegen der Ansetzung der Strafen immer wieder Schwierigkeiten gab, wurde im Jahr 1488 mit Genehmigung des Kaisers Friedrich III. eine Gerichtsordnung über "Frevel, Bußen und Strafen" aufgestellt, in der sich der Propst eng an die wirtembergische Gerichtsordnung anschloss. Der Propst war aber nicht bloß Gerichtsherr, sondern auch Grund- und Lehnsherr. Die meisten liegenden Güter in Denkendorf waren Eigentum des Klosters und wurden von diesem an die Bewohner verliehen, entweder als Fall-Lehen, d.h. solche, die beim Tod des Inhabers oder aus anderem Anlass an den Grundherrn zurückfielen oder als Erblehen, die sich wie das Eigentum vererben ließen. Aus den Äckern musste der Lehensmann ein Viertel bis ein Drittel des Einkommens, aus den Weinbergen ein Sechstel bis zur Hälfte abliefern. Dazu kamen ebenso bei der Belehnung wie beim Rückfall allerlei besondere Abgaben. Als Zehntherr hatte der Propst seit 1160 Anspruch an den großen Zahnten (Getreide) und auf den kleinen Zehnten (Hanf, Flachs, Erbsen, Linsen, Kraut, Rüben usw.). endlich war der Propst auch für viele Einwohner von Denkendorf und Berkheim, zum Teil auch von anderen Orten, der Leibherr. Die Leibeigenschaft bestand zwar nur in gewissen Abgaben und einer gewissen Beschränkung der Freizügigkeit. Aber die Beschränkung war immer noch drückend genug. Den Forderungen des Klosters standen freilich auch bestimmte Gegenleistungen gegenüber: an Kinder, an Mütter am Tauftag ihres Kindes, an das klösterliche Gesinde und an bestimmten Tagen z.B. an Fastnacht an die Drescher und am St. Martinstag an jede Bürgerfamilie.
3. DIE INNEREN ZUSTÄNDE IM STIFT Aus der ersten Zeit des Klosters sind wir darüber wenig unterrichtet. Nicht einmal die Namen der unmittelbaren Nachfolger des erstes Propstes Konrad stehen fest. In einem alten Verzeichnis der Pröpste heißt es vom nächsten Nachfolger: "Konradus II., nach anderen Berchtoldus". Von dem ersteren, Konrad II., wird berichtet, dass er sein Amt mehrere Jahre tatkräftig verwaltet habe, dann aber von dem Patriarchen nach Jerusalem zurückgerufen worden sei (der Grund dafür ist nicht angegeben), und dass dann ein Einheimischer an seine Stelle getreten sei; bei dem zweiten Namen Berthold gibt Schmidlin der Möglichkeit Raum, dass es der Stifter selbst gewesen sein könnte, der schon früher mit dem Gedanken ins Kloster einzutreten umgegangen war. Man kann sich fragen, ob die Rückkehr (vielleicht auch Rückberufung) des zweiten Propstes und seine Ersetzung durch einen Einheimischen in inneren Schwierigkeiten begründet war. Auch im zweiten Jahrhundert werden uns fast nur äußere Veränderungen berichtet. Vom Jahr 1240 wird gemeldet, dass ein Propst Hugo, der zuvor Chorherr in Jerusalem war und vom Patriarchen daselbst dem Bischof zu Konstanz für die Propstei präsentiert worden war, "sich nachgehenst gewisser Verbrechen schuldig gemacht" und darauf von dem Bischof zum Rücktritt genötigt worden sei. Von 1260 wird berichtet, dass von Pröpsten zu Denkendorf widerrechtlich an Kleriker und Laien Güter des Stiftes verliehen worden seien, die nun zurückgegeben werden mussten, und von 1261, dass Konventualen wegen verschiedener Vergehen angeklagt und exkommuniziert worden seien. Aus der späteren Zeit wird bekannt, dass im Jahr 1400 wegen schlechter Verwaltung des Klosters die meisten Chorherrn in auswärtigen Klöstern untergebracht werden musste. Die Stadt Esslingen als der stärkste Gläubiger setzte mit Denkendorf gemeinschaftlich Pfleger der Klostereinkünfte ein. Erst wenn das Kloster sich einigermaßen erholt hätte, sollte der ganze Konvent wieder einberufen werden. Mehr hören wir dann aus der Mitte des 15.Jahrhunderts. Da wird über die wildesten Ausbrüche von Sittenlosigkeit, Üppigkeit, Verschwendung und innerer Zwietracht geklagt. Visitationen von kirchlicher Seite hatten wenig Wert. Im Jahr 1438, als in Denkendorf alles voll Aufruhr und Zwietracht war, hat ein Dominikanermönch, der vom Generalprior des Ordens dahin geschickt worden war, um die Zustände im Kloster zu untersuchen, nachher festgestellt: "Nach vorheriger Beratung mit dem Propst und den übrigen Anwesenden habe er für gut befunden, eine förmliche Visitation zu unterlassen und sich begnügt, in einer freundschaftlichen Unterredung mit den Anwesenden sie auszufragen; er habe in Erfahrung gebracht, dass die Klagen gegen den Propst unbegründet seien, dass er dem Kloster keine schädliche Haushaltung geführt, sondern mehrere versetzte Güter wieder beigebracht, neue angekauft und nützliche Haushaltungsgebäude aufgeführt habe. Überhaupt habe er, Visitator, die Brüder in einem ziemlich friedlichen und ehrbaren Zustand angetroffen, und sich durch Propst sowohl als Konventualen sehr erbaut gefunden". Im Jahr 1449 entstand neuer heftiger Streit bei der Wahl des Propstes Bernhard von Baustetten, der 1431 bei der vorhergehenden Wahl unterlegen war und offenbar durch Wühlarbeit es dahin brachte, dass sein Vorgänger schließlich resignierte. Das gab dem Grafen Ulrich von Wirtemberg Anlass, das Kloster 1450 mit bewaffneter Hand zu besetzen. Wenn es richtig ist, was Steinhofer meldet, dass Graf Ulrich schon 1458 das Kloster reformierte ("er führte eine gute Ordnung ein und half allen Klagen ab"), so erkannte er jedenfalls noch nicht, dass die Hauptursache dieser Missstände in der Person des Propstes Bernhard selbst lag. Er begünstigte ihn zuerst und gebrachte ihn sogar als seinen Rat bei verschiedenen auswärtigen Rechtsgeschäften in Kirchheim und Nürnberg. Während der Abwesenheit des Propstes beschwerte sich jedoch die Minderheit über die schlechte Verwaltung des Klosters durch den Propst beim Grafen von Wirtemberg. Die Untersuchung auf einem Gerichtstag zu Nürtingen im Jahr 1460 ergab so viele Anstände und Verirrungen, dass der Graf in scharfem Gegensatz zu dem Propst treten musste. Auch der Ordensgeneral wandte sich von ihm ab: während der Propst seine Gegner, die Anhänger seines Vorgängers, mit dem Kirchenbann belegte, sprach der Ordensgeneral sie davon los. Der Propst appellierte an den Papst. Jahrelang zog sich der Streit hin; kaiserliche, päpstliche, bischöfliche Vermittlungen schlugen fehl. Die finanziellen Forderungen an das Kloster, die der Graf immer unverhüllter stellte (namentlich im Jahr 1464), verschärften den Gegensatz noch mehr. Offenkundiger denn je suchte sich der Propst nun der Schirmvogtei von Wirtemberg zu entziehen. Zu diesem Zweck wandte er sich schließlich an den kurpfälzischen Haushofmeister Ruprecht von Erligheim, einen Gegner des Hauses Wirtemberg, dem er eine ganze lange Liste "gravaminatum ab Ulrico comite Wirtembergico monasterio Denkendorfensi illatorum ab A.C. 1450 usque ad annum 1466" einreichte. Durch Ruprecht erreicht er, dass ihn der Kurfürst von der Pfalz zu seinem Rat ernannte und das Kloster Denkendorf in seinen Schutz nahm. Darauf wurde er Mitte 1467 mit Hilfe des Ordensgenerals Jakob von Baldantoniius von Perugia angesetzt "wegen seiner im Kloster gehaltenen Tänze und Huren und anderer liederlicher Händel". Er musste mit seinem ganzen Anfang, dem ebenfalls allerlei Zuchtlosigkeit nachgesagt wurde, das Kloster verlassen, flog nach Heidelberg und nahm die kostbarsten Geräte des Kloster mit sich fort. Er veranlasste den genannten Haushofmeister zu einem drohenden Schreiben an den Graf von Wirtemberg, worin sich derselbe als Abkömmling des Klosterstifters bezeichnete, der sich des Propstes annehmen müsse. Das Schreiben kam aber zu spät. Schon hatten die zurückgebliebenen Konventualen am 20. Juli mit Einwilligung des Ordensgenerals einen neuen Propst gewählt in der Person des Heinrich Gutzmann von Ensingen (1467-1477). Propst Bernhard starb 1468. Sein Grabmal ist in Walheim am Neckar. Auch nach der Säuberung von 1467 ist die Ordnung im Kloster noch nicht ganz eingekehrt. Im Jahr 1478 mussten widerspenstige Chorherrn außerhalb des Klosters eingesperrt werden. Der nächste Propst Peter Wolff (1477-1508) – er wird schon früher als Prior öfters erwähnt – stand bei dem reformeifrigen Grafen in hohem Ansehen. Dieser benützte ihn zur Reform im Kloster zu Kirchheim u.T. und als Schiedsrichter bei manchen Streitigkeiten. Er war offenbar ein tatkräftiger Mann, der schließlich auch in seiner Propstei die Ordnung wiederherzustellen wusste. In den andern Klöstern des Ordens vom Hl. Grab war damals ebenfalls viel Unordnung. Deshalb wurde der Orden im Jahr 1489 von dem Papst Innocenz VIII. aufgehoben. Graf Eberhard im Bart trat jedoch warm für Denkendorf ein und setzte seine Erhaltung durch. Ob man den Umstand, dass mit der Fürsprache kein Hinweis auf etwaige gute Zucht und Frömmigkeit verbunden ist, als Beweis dafür nehmen kann, dass es daran immer noch fehlte, steht dahin. Im Jahr 1497 wurde durch ein neues päpstliches Breve der Orden in Deutschland wiederhergestellt und das Kloster Denkendorf samt dem Priorat von Speyer ausdrücklich anerkannt. Zugleich wurde der Propst wiederum zum Generalvikar des Ordens für Deutschland ernannt.
4. DAS KLOSTER AM ENDE DES MITTELALTERS Am Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Beziehungen des Kloster zur Grafschaft Wirtemberg unter dem Propst Peter Wolff immer enger. Der Anschluss an dieses junge, geordnete Staatswesen, zumal unter dem trefflichen Fürsten Eberhard, wirkte ordnend und festigend auch auf das Kloster zurück. Schon 1481 war der Propst Beisitzer im wirtembergischen Hofgericht geworden. Im gleichen Jahr 1481 hatte der Propst das Familienbündnis der beiden Grafen Eberhard, die sich damals das Land teilten, mit anderen Prälaten des Landes besiegelt und 1482 den Münsinger Vertrag über die Unteilbarkeit des Landes als Bürge mit unterzeichnet. Durch den Stuttgarter Vertrag vom Jahr 1485 wurden sämtliche Prälaten des Landes endgültig Sitz und Stimme im Landtag zuteil, Sie traten neben den Rittern und Vertretern der Landstände als eigener Stand auf, wurden freilich auch immer mehr zu den Steuern herangezogen, ebenso zu allerlei staatlichen Diensten. Im Jahr 1487 wurde Propst Peter Taufpate bei dem späteren Herzog Ulrich, im gleichen Jahr musste er die Rechnung des Frauenklosters Kirchheim revidieren. 1488 begleitete er den Grafen Eberhard nach Mainz zur Schlichtung von Streitigkeiten. Als im Jahr 1495 dem Grafen Eberhard von Kaiser Maximilian die herzogliche Würde übertragen wurde, war unter den Geschenken, die er dabei erhielt, auch ein vergoldeter Becher mit einem Deckel, auf welchem ein wilder Mann mit dem Denkendorfer Schild abgebildet war, aus der Hand des Propstes Peter Wolff. Im gleichen Jahr 1495 erhielt der Propst zu Denkendorf mit einigen anderen Äbten des Landes vom Kaiser das Recht verliehen, die Briefe des Fürstentums zu beglaubigen, so dass ihre Unterschrift dieselbe Geltung haben sollte, wie die des Reichskammergerichts. Unter Peter Wolff wurde an der Klosterkirche und am Kreuzgang, wie oben bemerkt, weitergebaut. 1501 wurde Stephan Waid, Steinmetz und Baumeister zu Esslingen (gebürtig von Walddorf, Schwiegersohn des Esslinger Baumeister Hans Böblinger), mit dem Neubau der Kirche in dem Klosterort Köngen beauftragt. Peter Wolff war auch ein großer Freund der damals in Wirtemberg mächtig aufblühenden Wissenschaften. Als in Stuttgart 1502 die Pest wütete, wurde der berühmte Gelehrte Johann Reuchlin nach Denkendorf eingeladen und daselbst aufs ehrenvollste behandelt. Der Propst schenkte ihm eine Maschine, an der man die Bewegung der Sonne und des Mondes ersehen konnte, und die der damals berühmte Astronom Johann Stöffler von Justingen verfertigt und dem Propst zugeeignet hatte. Sein Nachfolger war Johann Unger von Kirchheim/Teck (1508-1516; Foto
links zeigt eine Detailansicht seines Grabmales), ein Freund
Reuchlins wie sein Vorgänger, ein tüchtiger Gelehrter und Erzieher, der
Philologie, Theologie und Medizin studiert hatte Während seiner Amtszeit beteiligten sich im Jahr 1514 einige Klosteruntertanen von Denkendorf, Berkheim und Altdorf an den bäuerlichen Unruhen, die aus Anlass des Tübinger Vertrags entstanden waren. Der unmittelbare Anstoß dazu war, dass von dem der Propstei auferlegten Schuldenanteil des Herzogs die Hälfte im Betrag von 50 fl. auf die Klosterleute umgelegt werden sollte. Im folgenden Jahr wurde darüber und über andere Streitigkeiten ein Vergleich zwischen Herzog, Propst und den "armen Leuten" der drei Dörfer geschlossen, wonach zwar die 50 fl. zu bezahlen waren, andererseits aber den Aufrührerischen verziehen werden sollte. Doch sollen "diejenigen, welche die rechten Hauptursächer darunter und sondern auf dem Kappelberg im Lager gewesen waren", ohne Erlaubnis des Propstes künftig keinen Harnisch, Waffen noch Wehr mehr tragen. Der nächste Propst Martin Altweg von Landsberg (1516-1521; Foto
links zeigt eine Detailansicht seines Grabmales) hatte zuvor auf
der 1477 gegründeten Universität Tübingen studiert. Er setzte die Bauarbeiten
seiner Vorgänger an der Klosterkirche (hier die Altwegs Nachfolger, Ulrich Fehleisen von Unterensingen (1521-1560) sollte der letzte Propst der vorreformatorischen Zeit werden. Wie es bei seiner Wahl am 23. Dezember 1521 zuging, ist ausführlich überliefert. Als Abgesandter der österreichischen Landesregierung (nach der Vertreibung des Herzogs) erschien ein Ritter Wolfgang von Hirnheim und der herzoglich wirtembergische Erbmarschall Konrad Thumb von Neuburg. Das anwesende Kapitel, das damals aus 20 Konventualen bestand, von denen acht auswärtige Pfarreien oder Kaplaneien versahen, bereitete sich zuerst durch eine Messe im Chor der Kirche und dann durch eine Besprechung im Kapitelsaal vor. Sie wählten aus ihrer Mitte zwei Stimmenzähler, den Pfarrer Martin von Bempflingen und den Pfarrer Michael von Köngen. die übrigen vom Konvent schwuren einen Eid "zu dem allmächtigen Gott, dem heiligen Pelagius als dem Patron der Kirche und andern Heiligen, denjenigen zu wählen, den ein jeder als den Nützlichsten für das Kloster in geistlichen und zeitlichen Dingen ansehe". Dann wurden die einzelnen von den Stimmenzählern um ihre Stimme gefragt und diese sofort aufgeschrieben. Die meisten der Stimmen fielen auf Ulrich Fehleisen, obgleich er zu den Jüngeren im Konvent zählte. Hierauf baten die Stimmenzähler den Erbmarschall, dass er denselben in ihrem Namen mit lauter Stimme als erwählten Propst ausrufen möchte, was dann in feierlicher Weise geschah. Den Neuerwählten führte der Konvent in die Kirche, setzte ihn auf den Hochaltar und stimmte unter Zusammenläuten aller Glocken ein feierliches Te Deum laudamus an. die Bestätigung der Wahl durch den Bischof von Konstanz wurde alsbald eingeholt, so dass der neue Propst Ende April 1522 sein Amt antreten konnte. Gleich darauf, im Mai 1522, nahm er mit den andern wirtembergischen Prälaten an dem Empfang des Erzherzogs Ferdinand von Österreich und an dem ersten wirtembergischen Landtag, den dieser in Stuttgart hielt, teil. Auf diesem und einem folgenden Landtag wurden sehr starke Umladen den Klöstern auferlegt, "unangesehen, ob das von altersher nicht so bei ihnen gebraucht wäre". Die Klosterprälaten mussten in drei Jahren eine Summe von 36000 fl. aufbringen, wovon 800 fl. auf Denkendorf fielen. dass der Erzherzog schon an eine Säkularisierung der Klöster dachte, wurde noch deutlicher im Jahr 1525 ausgesprochen, als er erklärte, es stehe die Verwaltung zeitlicher Güter Geistlichen übel an und sei den Weltlichen zu überlassen. Wie stand es nun mit diesen "zeitlichen Gütern" am Ende des Mittelalters? Das eigentliche Gebiet des Klosters bestand aus den drei Dörfern Denkendorf, Berkheim und Altdorf. Hier hatte die Propstei die ganze niedere Gerichtsbarkeit (ursprünglich wohl auch die hohe, die jedoch durch die Schirmvogtei allmählich an die Herrschaft Wirtemberg übergegangen sein mag). Sonst hatte das Kloster in Denkendorf und Berkheim den Kirchensatz samt dem großen und kleinen Zehnten. Vor allem aber gehörten der Propstei fast alle liegenden Güter, Häuser, Gärten, Äcker, Wiesen, Weinberge, Seen, Fischwasser und Waldungen als Eigentum zu. Die Propstei selbst benützte für sich an Gebäuden nur die Bauten im Klosterhof, den Viehhof und die Kelter sowie den "hangenden Hof" (der später abging), an Gärten nur den eigentlichen Klostergarten, den sog. Thennisgarten und den Zimmergarten nahe beim Klöster, an Äckern nur etwa 100-150 Jauchert und an Wiesen ungefähr 60 Tagewerk, ferner die Seen am Österbach gegen Nellingen, den Erlachsee, den Weiher beim Viehhof und die sogenannte Wette oberhalb am Kloster, dann das Fischwasser der Körsch und des Sulzbachs und endlich die Waldungen, die 900 Morgen ausmachten. Alle übrigen Güter waren entweder als Fall-Lehen oder als Erb-Lehen an die Dorfbewohner verliehen. In Berkheim wurden in ähnlicher Weise unter genauen Bedingungen eine ganze Reihe von Höfen als Lehensgüter vergeben, vor allem, in drei Teile geteilt, der große Widdumhof (das einstige Pfarrgut). In Altdorf aber besaß die Propstei fünf eigene Höfe, die als Erblehen verliehen waren, dazu noch verschiedene kleine Lehensgüter. Jedes der drei Dörfer hatte sein eigenes "Gericht". Es bestand in Denkendorf aus zwölf Richtern und sechs von der Gemeinde, in Berkheim aus sechs bzw. vier, in Altdorf aus sechs bzw. drei. Dieselben mussten nach dem Vertrag von 1425 entweder Leibeigene oder Lebensleute des Klosters sein. Alle Jahre wurden zwei Heimbürgen (oder Bürgermeister) gewählt; zuerst wählten die zwölf Richter einen aus der Gemeinde, dann die sechs von der Gemeinde einen aus den zwölf Richtern. Der Propst konnte sie bestätigen oder ablehnen. Im übrigen hatte das Kloster am Ende des Mittelalters Rechte, Gefälle und Güter etwa an 57 Orten innerhalb des heutigen Württemberg, nämlich an vielen Orten auf den Fildern, in und um Esslingen, in der Nürtinger und Metzinger Gegend, am Rand des Schönbuchs, im Remstal, im unteren Rheingau, bei Aachen, am Niederrhein, im Hennegau und in Geldern. Das wertvollste Recht, den Kirchensatz mit den dazu gehörigen Einkünften, hatte Denkendorf an acht Orten, in Aich, Bempflingen, Hofen, Kemnat, Köngen, Walddorf (Tübingen), Walheim und endlich in Türkheim an der Wertach. Bei einem solchen Besitz, der freilich durch andere Klöster weit übertroffen wurde, und bei solch umfangreicher Verwaltung kann man wohl verstehen, dass sich am Ende des Mittelalters die letzten Inhaber der Propstei und des Generalvikariats des Ordens trotz der zunehmenden Abhängigkeit von Wirtemberg wie kleine Landesfürsten fast den Bischöfen gleichstellen zu können glaubten, wie wiederum ihre Grabdenkmäler ausweisen. Andererseits ist zu begreifen, dass bei einer solch starken Inanspruchnahme durch Verwaltungsarbeit die geistliche Versorgung der dem Kloster anvertrauten Gemeinden notleiden musste; sonst hätten trotz aller damaligen Stiftungsfreudigkeit schwerlich in einem so kleinen Ort wie Walddorf neben der dem Kloster inkorporierten Pfarrpfründe um 1392 noch eine Frühmesspfründe und 1493 bzw. 1508 (durch den früheren Schultheißen von Walddorf Hans Glend) eine Kaplaneipfründe an einer von ihm gestifteten Kapelle am tiefen Weg entstehen können, ja fast zur gleichen Zeit, 1496 auch noch eine von Schultheiß, Richter und Gemeinde in Walddorf gestiftete Messpfründe in der Pfarrkirche zu Ehren der Dreieinigkeit, Maria und Laurentius.
1. DAS REFORMATIONSJAHRHUNDERT a) Die Anfänge der Reformation Schon lange, ehe die Reformation in Württemberg durchgeführt wurde, war man hier unter der Leitung der letzten geistig regsamen, dem Humanismus zugänglichen Pröpste für neue Gedanken aufgeschlossen, nicht bloß für die Kunst, die damals in Blüte stand, sondern auch für die Wissenschaft, für die in Schwaben ein starkes Interesse erwacht war. Es war eine Tat und ein mutiges Bekenntnis zur Arbeit der Gelehrten, als, wie oben berichtet, Propst und Konvent den nachher von den Dominikanern wegen seiner Förderung der hebräischen Sprache hart angegriffenen, sonst hoch geschätzten Gelehrten Johann Reuchlin während der Pest in Stuttgart 1502/03 mit Weib und Kind in ihren Mauern aufnahmen. Noch bedeutsamer war es, als dann Reuchlin, vom Propst beraten, zum Dank für die freundliche Aufnahme den Konventualen eine ebenda niedergeschriebene Abhandlung "de arte praedicandi" (über die Predigtkunst) widmete. Er hat sie ihnen dann auch vorgelesen, "dass sie endlich zu evangelischen Männern heranwüchsen, durch deren Predigt das Volk zu besseren Sitten bekehrt würde". Es war nicht umsonst; 1518 wurde von dem übernächsten Propst die Kanzel in der Kirche errichtet. Als dann Martin Luther 1517 auftrat, fand er bei den Klosterbrüdern zu Denkendorf bald williges Gehör. Schon die eben erwähnte Kanzel von 1518 mag ein Hinweis darauf sein. Auch die mit Luthers Kloster gemeinsame Augustinerregel und Luthers Erscheinen auf dem Augustinerkonvent zu Heidelberg im April 1518 hat wohl die Aufmerksamkeit der Denkendorfer auf den Erfurter Augustinermönch gelenkt. Weiter mag Eindruck gemacht haben, dass der Großneffe Johann Reuchlins, Philipp Melanchthon, 1518 Professor in Wittenberg wurde und bald eng mit Luther befreundet war. Ohne Zweifel hat Melanchthon unter seinen Freunden in Schwaben für Luthers Sache Verständnis geweckt und genährt. Die Vertreibung Herzog Ulrichs aus dem Land erlebte Denkendorf dadurch sehr augenfällig mit, dass das Heer des Schwäbischen Bundes bei seinem Zug gegen Ulrich zwischen Köngen und Denkendorf ein Lager hatte. Im Bauernkrieg 1525, der manchen Klöstern so übel mitspielte, wurde Denkendorf verschont. Nach dem Brief eines Bauernführers sollte man Denkendorf "unangelangt lassen"; nach einem andern Brief sollte nur der Wein von dort geholt werden. Diese schonende Behandlung mag sich in erster Linie aus der Erinnerung an die Teilnahme von Denkendorfer Bürgern an den bäuerlichen Unruhen vom Jahr 1514 erklären, zum Teil aber auch daraus, dass die Hinneigung der Stiftsherren zur reformatorischen Bewegung bekannt war. Von 1526 an hat dann diese rasch zunehmende Bewegung in der Reichsstadt Esslingen auf die ganze Umgegend außerordentlich stark eingewirkt und die im Jahr 1531/32 dort durchgeführte Reformation viele noch wankende Gemüter vollends ganz für das Evangelium gewonnen. Jedenfalls war der Denkendorfer Prior Wolfgang Röder, genannt Böheim, schon früh der Lehre Luthers zugeneigt. Von der österreichischen Regierung wurde er gezwungen, das Kloster zu verlassen. Er fand wohl Aufnahme in Esslingen, verehelichte sich 1527 mit einer Neuffener Bürgerstochter und war 1532 Pfarrer in Esslingen. Ferner wird gemeldet, dass ein anderer Mönch, Michael N. auf dem Kloster austrat und dass einer (vielleicht einer von den schon Genannten) in Esslingen seine wirtembergischen Landsleute, die zur evangelischen Predigt hineinströmten, öffentlich aufforderte, für den vertriebenen Herzig zu beten (Herzog Ulrich hatte schon in Marburg 1529 gehört, es gebe in Württemberg zwei Todsünden, nämlich dem Evangelium und dem Herzog anzuhangen). Noch weitere müssen frühzeitig um des Evangeliums willen das Kloster verlassen haben, so der nachher noch zu nennende Konrad Gwinngut, der 1532 Prädikant in Geislingen war und 1533 Pfarrer in Köngen wurde, und dann wohl auch Bartholomäus Käs, der spätere Propst in Denkendorf. Von Bedeutung wurden für Denkendorf auch Vorgänge in dem benachbarten Köngen. Dort hatte schon 1527 der Ortsherr, Hans Friedrich Thumb von Neuburg, seinen Pfarrer (wohl auch einen Denkendorfer Klosterbruder), gegen den der Bischof von Konstanz wegen Luthertums einschreiten wollte, kräftig in Schutz genommen mit der Begründung, derselbe hänge nicht Luther, sondern der Hl. Schrift an. Und 1532, als Ambrosius Blarer in Esslingen die Reformation durchführte, tat er in enger Verbindung mit ihm in Köngen dasselbe ohne Rücksicht auf die Propstei Denkendorf, die in Köngen den Kirchensatz hatte, schaffte Messe, Bilder und päpstliche Zeremonien ab und wehrte sich mannhaft gegen die österreichische Regierung in Wirtemberg. 1533 wird als erster evangelischer Pfarrer dasselbe der oben genannte Denkendorfer Klosterbruder Konrad Gwinngut genannt. dass auch der Propst Fehleisen dem Gedanken einer Reformation nicht abgeneigt war, mag daraus hervorgehen, dass er mit dem vertriebenen Herzog, obwohl dessen Verbindung mit den Reformatoren Zwingli und Luther und mit Fürsten wie dem Landgrafen Philipp von Herren ihm bekannt sein musste, ständig in Verbindung blieb und ihm für den geplanten Feldzug zur Wiedereroberung des Landes 1400 Gulden zur Verfügung stellte. Ein weiterer entscheidender Schritt geschah dann unmittelbar nach der Rückkehr Herzog Ulrichs in der Klosterpfarrei Walddorf bei Tübingen, Als der vom Herzog beauftragte Reformator Ambrosius Blarer am 28.September 1534 die in Tübingen zusammengerufenen Pfarrer des Amtes fragte, ob sie bereit seien, die Reformation anzunehmen, erklärte sich als einer der ersten der Denkendorfer Klosterpfarrer von Walddorf, Peter Roth, dazu bereit und wurde als erster evangelischer Pfarrer daselbst bestätigt. Im folgenden Jahr 1535 ging der Herzog dann an die Reformation der Klöster selbst. Mitte Juni erschienen im Auftrag des Herzogs der Erbmarschall Hans Konrad Thumb und sein Bruder, der Obervogt von Kirchheim, der schon genannte Hans Friedrich Thumb von Neuburg, mit dem Reformator Ambrosius Blarer in Denkendorf, um eine Erklärung über die Annahme der Reformation einzuholen. Der Propst bat um Aufschub, da der Konvent, ohne dessen Vorwissen er sich nicht erklären könne, nicht beisammen sei und da die Ernte bevorstehe, die sie nicht versäumen könnten. Die Verhandlung wurden mit Rücksicht darauf abgebrochen. Jedoch wurde sofort ein evangelischer Prediger bestellt, der ebenso die Dorfgemeinde wie den Konvent in den reichen Inhalt des neuentdeckten Evangeliums einführen sollte. Wer dieser erste evangelische Prediger war, ist bisher nicht festgestellt worden. Die Messe wurde abgeschafft und der evangelische Gottesdienst eingerichtet. Weil man befürchtet, dass wertvolles Gut abhanden komme, was z.B. in Maulbronn geschah, nahmen die herzoglichen Kommissare die vornehmsten Kirchengeräte gleich mit sich fort. Die politische Lage Wirtembergs nach der Rückkehr des Herzogs, die große Schuldenlast, die auf dem lange lag, und dem gegenüber der Reichtum vieler Klöster auf der einen Seite und das üppige, wirtschaftlich unfruchtbare Leben vieler Klosterbewohner auf der andern Seite, das alles hatte zur Folge, dass sich mit der kirchlichen Reformation zugleich die politische Maßregel einer teilweisen Säkularisierung der Klöster verband, mit der schon der Erzherzog von Österreich und die bayerischen Herzöge vorangegangen waren. Man kann es aber dem Propst Ulrich Fehleisen, der das in Denkendorf miterleben musste, nachfühlen, wenn er im Blick darauf an der Klosterpfarrer in Türkheim am 24. Juni 1536 schrieb: "Die Hab ist hinweg, alls namtlich Kelch, Ornat, Becher und Brieff gleichwie in allen andern Gottshusern. Ob das Guttshus wider zu Ehren kommt, steet by Gott, unserm Herrn, der gressre Wesen dann Denkendorff hat lassen zunichte werden". Nach der Ernte wurden die Verhandlung wieder aufgenommen und die Reformation des Klosters zu Ende geführt. Den Chorherren wurde anheimgestellt, ob sie evangelische Prediger werden und mit einem jährlichen Leibgeding von 40 fl. Das Kloster, ohne weitere Ansprüche zu machen, verlassen oder bis zu ihrem Tod im Kloster verbleiben wollten. Ein Teil von ihnen wurde mit insgesamt 1400 fl. abgefertigt. Nicht wenige nahmen die evangelische Lehre an und ließen sich als Prediger anstellen, so Wolfgang Kundig, der 1523 in einem Lagerbuch "Prokurator des Gottshus" genannt wird, zu Hofen und später zu Kemnat, Wolfgang Röder, der Hospitalprediger zu Esslingen wurde (er wird später im Briefwechsel des Ambrosius Blarer mit seinem Bruder noch mehrmals genannt) die zwei schon Genannten, Konrad Gwinngut in Köngen und Peter Roth in Walddorf, ferner Hans Zwicknagel in Bempflingen, Konrad Wehlin in Walheim, Jerg Frank in Hofen, Blasius Keblin 1540 in Jesingen und Michael Sattler 1540 in Botnang, vielleicht auch Peter Oeder, der zuvor Prior in Denkendorf war und dann Frühmesser in Walheim wurde und 1557 daselbst starb. Außerdem wäre auch hier Bartholomäus Käs zu nennen, wenn er auch bis zu seiner Ernennung als Koadjudator des Propstes nirgends nachzuweisen ist. Dem Propst wurde freigestellt, ob er bleiben oder anderswohin ziehen wollte. Er wählte das erstere. Der Herzog ernannte ihn darauf zum herzoglichen Rat auf Lebenszeit, "weil er ein guter, treuherziger Mann war". Man überließ ihm weiterhin die Verwaltung des Klosterguts und stellte ihm frei, wenn er wollte, mit Beibehaltung seiner ihm ausgesetzten Besoldung (anstelle eines ihm zuerst angebotenen Leibgedings) in den Pflegehof nach Esslingen zu ziehen und dort seine Tage in Ruhe zu verbringen. Von diesem Recht machte er dann später – es mag zwischen 1542 und 1546 gewesen sein – Gebrauch. Er zog nach Esslingen und das Kloster wurde von einem herzoglichen Beamten verwaltet. Im evangelischen Pfarrdienst war in diesen ersten Jahren bei den vielfach noch ungeklärten Verhältnissen begreiflicherweise viel Wechsel. Überliefert sind nur folgende Namen: 1539 Sebastian Aurelius, der vorher und nachher in Lomersheim amtierte; 1540 der frühere Chorherr Blasius Keblin, der vom Kloster aus auch Berkheim versah und dann von hier nach Jesingen kam; 1541 Nikolaus Rößlin, 1543/44 M. Christoph Binder, 1545/46 Michael Baumann, 1548 Erasmus Forster. Von der Durchführung der Reformation im einzelnen ist nichts überliefert. Es mögen damals viele Veränderungen an der Kirche vorgenommen worden sein, die weiter nicht bekannt sind. dass aber die Reformation in der Gemeinde auf einen guten Boden gefallen ist, geht aus einem Brief hervor, den Erasmus Forster bald nachher an seine Freunde in Denkendorf schrieb (s. im Abschnitt b) Das Interim). (Wie lange aber doch die alte Klosterzeit im Gedächtnis der Gemeinde noch nachgewirkt hat, zeigt eine Sage, die man sich später erzählte. Darnach sei noch öfters ein Mönch gesehen worden, der sinnend langsam durch den Kreuzgang schritt, bald hier, bald dort einen Augenblick stehen blieb und wie in Erinnerung an Vergangenes träumend durch das Maßwerk eines der alten gotischen Fenster blickte. Öfters sei er auch gesehen worden, wie er am hellen Tag unhörbar und wie gewichtlos über den Klosterhof gegangen und im Kloster Einlass gesucht habe. Danach sei er plötzlich verschwunden gewesen. Weiter wird erzählt: in der Nacht auf den Tag, da der Herzog alles Wertvolle, in Säcken verpackt, auf Wagen habe wegführen lassen, sei die zu Mitternacht hell erleuchtete Kirche plötzlich wieder dunkel geworden. Über dem Tal aber habe es angefangen, in den Lüften zu schwirren, und man habe unter Orgelklang ein Singen und Schalmeien gehört, ähnlich wie wenn das wilde Heer, bloß in anderer Weise vorüberzöge).
b) Das Interim Aber nun sollte es zu einer schweren Prüfung der neuen Kirche kommen. Kaiser Karl V. hatte das Ziel: ein Reich, ein Glaube, eine Kirche. Von da aus war er entschlossen, dem Streit zwischen der alten und neuen Kirche mit Gewalt ein Ende zu bereiten. Es kam zum Krieg. Die evangelischen Fürsten und Städte unterlagen. Nun stellte der Kaiser bis zur Entscheidung durch ein Konzil eine vorläufige staatliche Unterwerfung. Die evangelischen Fürsten und Städte unterwarfen sich und nahmen das Interium an. Auch Herzog Ulrich musste, wie er sagte, dem Teufel den Willen lassen und dem kaiserlichen Befehl Folge leisten. Die evangelischen Prediger sollten weichen und die Messe wieder eingeführt werden. So hat auch hier der evangelische Pfarrer, es war wohl Erasmus Forster, sein Amt verloren. Er schrieb bald darauf (23.Juli 1549) vom Elsass aus, wo er Schulmeister in Kolmar geworden war, einen Brief an seine bisherige Gemeinde und ermahnte sie, "im Glauben standhaft zu bleiben und sich nicht wieder zu dem alten abgöttischen Kirchendienst zu bekehren". Es war wohl kaum nötig; die meisten Gemeinden standen zu ihrem neuen evangelischen Glauben so treu wie ihre Pfarrer. Ob ein Interimspriester hierher kam und die Messe wirklich wieder gehalten wurde, oder ob, wie anderwärts, ein Katechet die Verkündigung des Evangeliums fortsetzte, ist nicht überliefert. Von dem Klosterort Walddorf wird gemeldet: "Zu Walddorf und Altdorf sitzen zwei Messpfaffen schändlichen Lebens und unleidlicher Lehre, damit die Untertanen geärgert, versäumt und an Leib und Leben möchten verderbt werden". Zu Walddorf scheint der frühere Denkendorfer Klosterbruder Blasius Keblin wieder ganz in das frühere Wesen zurückgefallen zu sein. dass die Gemeinden sich nicht bloß innerlich, sondern auch äußerlich dagegen wehrten, mag die Tatsache beweisen, dass z.B. in Walddorf noch während des Interims (1551) durch Schultheiß und Gericht ein Schulmeister angestellt wurde, dem dann schon vor der allgemeinen Aufhebung der Messe "der Katechismus oder Kinderlehr samt den ernstenlichen Lobgesang zu lernen und singen aufgelegt" wurde. Auch wurde im gleichen Jahr die Nonnenklause, in der nur noch zwei Nonnen wohnten, zum Rathaus bestimmt. Um zu verhindern, dass das Kloster von fremder Seite aufs neue in Besitz genommen würde, veranlasste der Herzog den alten Propst Ulrich Fehleisen, die Verwaltung des Klosters wieder zu übernehmen. wie es scheint, hat er erst nach längerem Zögern der Bitte entsprochen und am 9. Juli 1549 die Propstei wieder angetreten. Inwieweit er das Interim annahm, ist schwer zu sagen. Immerhin sind einige Konventualen wieder ins Kloster eingetreten. Bekannt sind Christoph Höl und Leonhard Alber. Es mag nicht zu bestreiten sein, was der Geschichtsschreiber Sattler von dem Propst Fehleisen sagt, dass er im geheimen der evangelischen Lehre zugetan war. Aber da er wohl mehr Verwaltungsmann als Kirchenmann war, gelangte er vielleicht nur schwer zu einer klaren Entscheidung und fügte sich dem Zwang der jeweiligen Verhältnisse. c) Die Neuordnung Es wird auch hier so gewesen sein, wie es von vielen anderen Orten, so von der früheren Denkendorfer Klosterpfarrei Walddorf, bezeugt ist, dass infolge des starken Widerstandes der Gemeinde das Interim schon sehr bald von selbst außer Kraft trat und die Messe wieder aufhörte, ehe noch der herzogliche Befehl vom 30. Juni 1552 (veröffentlicht am 8. August 1552) dafür erging und der Passauer Vertrag von 152 die staatsrechtliche Grundlage dafür gab. Für Denkendorf fehlt ein genauer Bericht darüber. Aber in Walddorf wurde die Messe schon an Ostern 1552 wieder abgeschafft. Der Propst Ulrich Fehleisen hatte in diesen Jahren unter den Wirren der Zeit viel Not mit dem Einzug der auswärtigen Zehnten und sonstigen Gefälle. So hatte er einen langen Streit mit dem Pfarrer von Türkheim. Der war ein Denkendorfer Konventuale, wollte aber von der Reformation nichts wissen und weigerte sich nun, wie früher den Zehnten nach Denkendorf anzuliefern. Er wurde von dem Inhaber seiner Herrschaft und dem Herzog von Bayern in Schutz genommen, während der wirtembergische Herzog für seinen Propst eintrat. Der Verkauf der Pfarrei an Hieronymus Krafft von Augsburg im Jahr 1560 beendete den Rechtsstreit. Andererseits hatte das Kloster einen vermehrten Aufwand teils durch den Missbrauch von Gastungen im Kloster durch Leute, die sich für fürstliche Diener ausgaben und es doch nicht waren, und durch viele Fuhren im herrschaftlichen Dienst, teils durch Ansprüche, die der Kaiser stellte, so dass der Propst einmal klagte, das Kloster Denkendorf sei offenbar an Einkommen das geringste der Klöster. Auch gegen einen "Panisbrief" (Anweisung einer Laienpfründe oder eines lebenslänglichen Unterhalts für einen weltlichen kaiserlichen Diener) von Seiten des Kaisers Karl V. hatte er sich 1552 zu wehren, wobei sich der Herzog seiner annahm. Infolge dieser Schwierigkeiten wünschte er schon bald wieder abzudanken. Die herzoglichen Räte gaben jedoch dem Herzog den Rat, ihm lieber einen Koadjutor zu geben. Das geschah denn am 4. April 1553 in der Person des schon mehrfach erwähnten früheren Konventualen Bartholomäus Käs aus Bönnigheim. dass er sich mit der Neuordnung der Kirche, wie sie von 1552 an der neue Herzog Christoph vornahm, abgefunden hat, mag daraus hervorgehen, dass er dem Herzog den Rat gab, die Klöster in Klosterschulen zu verwandeln, in denen junge Leute durch eigene Lehrmeister unter der Aufsicht der Prälaten zum Dienst der Kirche vorbereitet werden sollten. Nach andern soll der Reformator Brenz diesen Rat gegeben haben. Es mag beides seine Richtigkeit haben; der Gedanke lag ohnehin nahe, zumal nach dem Vorbild der sächsischen Fürstenschulen. Noch bedeutsamer aber als dieser Rat ist die Tatsache, dass, als der alte Propst in Bartholomäus Käs einen Koadjutor erhielt, dieser bei seiner Einführung in das Amt schon 1553 u.a. "freiwillig sich verschrieb": "die Jungen des Konvents mit christlicher reiner Schrift und Lehre als in einer christlichen Schule und der christlichen herzoglichen Konfession und Kirchenordnung nicht ungemäß durch einen gelehrten und ehrbaren Präzeptor, der zuvor durch herzoglich geordnete Gelehrte approbiert wäre, erziehen und darunter die geschicktesten und fleißigsten mit deswegen dazu verordnetem herzoglichem Rat die angefangenen Studien in der Theologie bei der Universität zu Tübingen von ermeldter Propstei Einkommen fortsetzen zu lassen, damit man sie hernach zu Kirchendiensten desto nützlich brauchen könnte". Dem entspricht auch eine spätere Mitteilung; darnach ist "anno 1553 unter Herzog Christoph das Glück des Klosters dadurch vermehrt worden, dass nach Verdrängung der Mönche eine Klosterschule errichtet wurde unter der treuen Obhut des Propstes Bartholomäus Käs, der auf Kosten des Klosters Alumnen unterhielt, ebenso wohl solche, die an diesem Ort sich aufhalten sollten wie solche, die nach Tübingen befördert worden wären". 1555 wird auch eine "dem Lehrmeister aufgetragene Postill" erwähnt. In der Tat sind die beiden obengenannten Konventualen Christoph Höl und Leonhard Alber von Denkendorf aus 1556 ins Stift in Tübingen eingetreten. Der erstere wurde allerdings 1559 "propter contractum matrimonium" (ohne Vorwissen des Propstes) ausgeschlossen. Leonhard Alber dagegen hat 1559 absolviert und wurde Diakonus in Nürtingen, 1561 Pfarrer in Walddorf und von 156-1588 in Denkendorf selbst. (Im Jahr 1557 hat sich auch ein Georg Silber aus Denkendorf in Tübingen immatrikulieren lassen). Aus dem allem ist mit großer Wahrscheinlichkeit zu schließen, dass Bartholomäus Käs schon 1553 oder bald hernach mit der Umwandlung des Klosters in die Klosterschule begonnen und sie rasch durchgeführt hat. So mag Denkendorf vielleicht die erste oder eine der ersten tatsächlich eröffneten Klosterschulen gewesen sein. 1556 erfolgte dann im Rittersaal des Schlosses zu Stuttgart durch eine feierliche Erklärung Herzog Christophs die Verkündigung der neuen Klosterordnung und damit die offizielle Einführung der Klosterschulen für das ganze Land. Denkendorf gehörte nun zu den niederen, sogenannten Grammatistenschulen im Unterschied von den höheren wie Bebenhausen und Maulbronn. Da jedoch die Zahl solcher Klosterschulen für das kleine Herzogtum zu groß war, zum Teil aber auch wegen allerlei Unstimmigkeiten in der Haushaltung – der Herzog beschwerte sich einmal, dass er deswegen für Denkendorf und Lorch einen eigenen Sekretär unterhalten müsse – wurde die Denkendorfer Klosterschule mit andern schon im Jahr 1584/84 wieder aufgehoben und die Schüler auf die weiterbestehenden Schulen Adelberg, Bebenhausen und Maulbronn verteilt. Bartholomäus Käs nahm im Benehmen mit dem Propst und mit Hilfe eines herzoglichen Verwalters die Geschäfte tatkräftig in die Hand. 1556 erhielt er die Erlaubnis zur Verheiratung. Propst Fehleisen, der zuletzt wieder nach Esslingen gezogen war, starb am 22.August 1560. Es wurde ihm nachgerühmt, dass er "duci Ulrici charus" und "vir grandis staturae et reverendae faciei" gewesen sei. Er wurde in der Klosterkirche begraben. Nun wurde Bartholomäus Käs sein Nachfolger als Propst von Denkendorf und herzoglicher Rat (nominell vielleicht schon vom Jahr 1557 an). Mit großer Umsicht suchte er die Verwaltung der Klostergüter wieder in Ordnung zu bringen. Zu diesem Zweck ließ er vor allem neue Lagerbücher anfertigen für alle Orte, wo das Kloster Güter, Gülten, Zehnten, Zinsen und andere Einkünfte oder Rechte besaß. Was die Güter betrifft, so nahm er sich besonders der Waldungen an, die durch verschwenderischen Holzschlag und andere Missbräuche nach und nach dergestalt verwüstet waren, dass es höchst notwendig schien, Maß und Ziel zu setzen. Im Jahr 1570 hat er ferner in dem sog. Käs’schen Statutenbuch alle alten Rechte, Privilegien, Herkommen, Gebräuche und Gewohnheiten der Propstei und der dazu gehörigen Dörfer aufgezeichnet, "ein Werk – so sagt Schmidlin – dergleichen man in allen Klöstern haben sollte, indem daraus weit mehr Nutzen zu ziehen ist als aus den gewöhnlichen Lagerbüchern". Im Jahr 1573 wurde durch ihn auch das zur Propstei gehörige Priorat vom Hl. Grab zu Speyer reformiert, wobei der Prior samt dem Konvent die Augsburger Konfession annahm. (Es wurde übrigens 1585 an die Stadt Speyer verkauft, jedoch unter der Bedingung, dass man es "allein zur Fortpflanzung der evangelischen Religion gebrauchten sollte). Wie im Abschnitt der Baugeschichte (s.o.) berichtet, hat Propst Bartholomäus auch im Jahr 1569 die bauliche Erneuerung der Klosterkirche veranlasst. Die lateinischen Verse, die er bei diesem Anlass an der Kirche anbringen ließ, beweisen, dass ihm die kirchliche Arbeit in seiner Klostergemeinde ebenso wichtig war wie seine Verwaltungsarbeit. Durch ihn wurde es so geordnet, dass der Predigtgottesdienst in der Klosterkirche künftig Aufgabe des Propstes war, während dem im Dorf wohnenden Pfarrer der übrige Pfarrdienst sowie die Versehung des Filials Berkheim zugewiesen war. In den Zeiten, wo der Propst ortsabwesend war, was später oft lange währte, trat ein Vikar für ihn ein. Wer von 1549-1560 den Pfarrdienst versah, ist nicht überliefert. Es ist aber kaum zu bezweifeln, dass Bartholomäus Käs gleich nach seiner Bestallung als Koadjutor i.J. 1553 auch den evang. Pfarrdienst übernahm und ihn bis 1560 allein ausübte. Erst von 1560 an sind die Namen der Pfarrer wieder bekannt. Bartholomäus Käs hat wohl auch 1559/60 an der Stuttgarter Synode teilgenommen, die das Bekenntnis der württ. Kirche gegenüber dem Calvinismus abzugrenzen suchte. Und von 1563 an gehörte er dem herzoglichen Visitationsrat an, der durchs Land reisen und überall nach dem Rechten sehen musste, von 1565 an auch dem allgemeinen Landtag in Stuttgart. Kurz vor seinem Tod hat er noch die Konkordienformel eigenhändig unterschrieben. Er starb am 11. September 1577, wie Schmidlin sagt, "mit dem Ruhm eines echten evangelischen Lehrers, eines rechtschaffenen Mannes, eines unermüdlichen und nützlichen Vorstehers der Propstei, eines treuen Rats und Dieners seines Fürsten, eines liebreichen und billigen Oberen gegenüber seinen Untergebenen und eines Vaters seiner Alumnen, welcher ungemein viel Gutes schaffte und vielleicht noch mehr Gutes würde geschafft haben, wenn ihm nicht in manchen Stücken die Hände gebunden gewesen wären". Sein Grabmahl steht in der Friedhofkirche neben dem seiner vor ihm gestorbenen ersten Gattin. Wie schon unter ihm, so musste auch unter seinen nächsten Nachfolgern Jakob
Schropp (1577/78), der gleich darauf Abt in Maulbronn wurde, Johannes Rucker,
der nach ganz kurzer Amtszeit 1579 in Denkendorf starb (Grabmal siehe Foto
links, zur Vergrößerung anklicken), und Johannes Stecher
(1580-1597), der nachher Abt in Bebenhausen wurde das
2. DAS JAHRHUNDERT DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES Der große Krieg Auf Johann Stecher folgte in der Propstei Andreas Gramer (1567-1611), zu dessen Zeit Denkendorf einmal von einer großen Feuersbrunst heimgesucht wurde. Er wurde nachher wie sein Vorgänger Abt von Bebenhausen. Es folgten weiter Johann Magirus (1612-1619) und Anselm Hagenlocher (1619-1636). Unter diesen beiden begann der Dreißigjährige Krieg. Am Anfang blieb es in der Umgebung noch ziemlich ruhig. Anders wurde es, als im Jahr 1629 das sog. Restitutionsedikt des Kaisers Ferdinand ergangen war, dass alle Klöster, die zur Zeit des Passauer Vertrages noch im Besitz der katholischen Kirche gewesen waren, dieser zurückgegeben werden sollten. Das traf zwar auf Denkendorf nicht zu. Die herzogliche Regierung erklärte, dass weder vor, noch nach dem Passauer Vertrag in Denkendorf der katholische Gottesdienst in Geltung gewesen sei. Ferdinand dagegen berief sich darauf, dass die Propstei erst mit dem Tod des Propstes Fehleisen im Jahr 1560 evangelisch geworden sei. Daher schickte der Bischof von Konstanz dem damaligen Administrator von Wirtemberg ein kaiserliches Mandat vom 11.Dezember 1629, dass er ihm die Propstei Denkendorf ohne alle Ausflüchte abtreten solle. Wenige Wochen darauf folgte ein zweites Schreiben, womit die kaiserliche Kommission der Regierung meldet, dass sie eben im Begriff sei, die wirtembergischen Klöster innerhalb von dreißig Tagen in Besitz zu nehmen. Das geschah dann am 19. August 1630 durch den kaiserlichen General von Osa, der mit 50 Reitern ankam. Der Propst Hagenloch musste weichen, zuerst aus Denkendorf, nachher auch noch aus Esslingen. Der langjährige Ortspfarrer M. Johannes Jakober (1600-1630) wurde, wie das Kirchenbuch meldet, am 20. August "von dem Konstanzischen Gesandten beurlaubt und abgeschaffen". Der katholische Dechant von Neuhausen, mit Namen Georg, wurde als Propsteiverweser eingesetzt und ihm ein Verwalter beigegeben. Er bemächtigte sich der Schlüssel zu der Kirche, um den alten Gottesdienst wieder einzuführen. Es wurde auch ein eigener Messpriester samt einem Kaplan dahin beordert. Schmidlin berichtet weiter: "Weil aber der Herzog wusste, dass der Kaiser dem Bischof von Konstanz das Kloster zu seiner Tafel und also eigentlich nur die Einkünfte desselben geschenkt hatte, so behauptete er mit gutem Grunde, dass der neue Inhaber in Religionssachen nichts befehlen könnte, und schickte seinen Vogt mit dem Auftrag, die Schlüssel zu der unteren Kapelle abzufordern, um darin den evangelischen Gottesdienst fortzusetzen, und im Verweigerungsfall dieselbe durch einen Schlosser oder Zimmermann eröffnen zu lassen". Es wurde sodann auch ein evangelischer Vikar, M. Johann Georg Hutzelin, nach Denkendorf geschickt. Derselbe wurde jedoch vom Kloster aus bedroht und genötigt, den Kirchendienst zu unterlassen und das Dorf zu räumen, auch wurden die Dorfbewohner "mit gewappneter Hand" gezwungen, in die Messe zu gehen. Darauf erhielt der Vogt abermals den Befehl, den Vikar wieder in sein Amt einzusetzen und kundzutun, "dass man sich versähe, es würde ihm in diesem seinem Vikariat und folglich dem Herzog in seiner landesfürstlichen Obrigkeit kein weiterer Eintrag getan werden. Zugleich wurde den Untertanen durch den Schultheißen Georg Schmid bei ernstlicher Strafe geboten, seine Predigten mit Fleiß zu besuchen und sich durch nichts davon abhalten zu lassen". Der Schultheiß verließ bald darauf das Dorf, um allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. "Um dieses unrühmlichen Austretens willen konnte er nachgehends, als er wieder Schultheiß werden sollte, kaum soviel Stimmen erhalten, dass er der fünfte Richter wurde". Die Lage änderte sich, als König Gustav Adolf von Schweden 1630 in Deutschland landete und im Jahr darauf seinen Siegeszug antrat. Bald nachher wurde wohl in Denkendorf ein neuer Pfarrer eingesetzt: M. Johann Leonhard Frank, der nach der Pfarrerliste von Binder von 1631-1635 das Amt versah. Er wird zwar in den vorhandenen kirchlichen Registern von Denkendorf nirgends erwähnt, weil das entsprechende Buch fehlt. Er ist aber ohne Zweifel jener Denkendorf Pfarrer, der unter den dreizehn Landpfarrern gezählt wird, die im Jahr 1635 nach dem Bericht des Stuttgarter Spezials in seiner Superintendenz an der Pest gestorben sind. Am 11. Februar 1632 wurde die Propstei von katholischer Seite geräumt und Propst Hagenloch konnte zurückkehren. Er erlebte aber im folgenden Jahr das Unglück, dass seine Propsteiwohnung auf der Vorhalle mit dem oberen Teil des Turmes abbrannte. Und wieder wandte sich das Geschick. Als nach der verhängnisvollen Schlacht bei Nördlingen im August 1634 das kaiserliche Heer in Wirtemberg einfiel, musste der 81jährige Propst abermals flüchten; er starb bald darauf in Esslingen. Am 6. September wurde das Dorf von den kaiserlichen Truppen eingenommen. Mehrere Leute wurden niedergehauen; ein Drittel des Dorfes ging in Flammen auf. Im Pfarrhaus wurde das neue Tauf-, Ehe- und Totenbuch (von 1630 an) von den Soldaten weggenommen und vernichtet. Die Propstei wurde einem gewissen Johann Schnitzer übergeben, der sich jedoch nie Propst, nur Administrator nannte. Sein Vogt und Amtsschreiber war Michael Baier von Trochtelfingen. Die öffentlichen Rechte wurden teils vom Administrator, teils von der Herrschaft Wirtemberg, teils wieder von anderer Seite ausgeübt. Die Leute wussten nicht, wem sie gehorchen sollten. Die Güter wurden entweder gar nicht oder schlecht angebaut, die Waldungen aufs neue verwüstet. Dazu kam 1635 im Gefolge des feindlichen Heeres die Pest, die wie überall so auch hier furchtbar hauste. Der Ort war von 120 Familien mit 450 Seelen im Jahr 1633 auf 20 Familien zusammengeschmolzen. Schmidlin sagt: "Der evangelische Gottesdienst hörte auf, und die Untertanen mussten die päpstlichen Zeremonien mitmachen, sie mochten wollen oder nicht". Es ist jedoch nicht sicher, ob der evangelische Gottesdienst wirklich ganz aufhörte oder doch von einem gewissen Zeitpunkt in irgendeiner Form weitergeführt werden konnte. Den es wird ein neuer evangelischer Pfarrer, M. Matthäus Bauhoff, genannt, der nach dem Tod des an der Pest verstorbenen Pfarrers Frank am 20. Oktober 1635 ernannt wurde und von 1636 an im Amt stand. Wenn jedoch bis 1648 kein kirchliches Register geführt wurde (es ist von ihm erst nachträglich notdürftig aus den vorangegangenen Jahren ergänzt worden), so ist daraus auf irgendwelche starke Behinderung zu schließen, die im einzelnen nicht mehr festgestellt werden kann.
Die Nachkriegszeit Der Westfälische Friede setzte endlich dem Krieg ein Ende. Die Propstei fiel mit allem, was noch zu ihr gehörte, an das Herzogtum zurück. Schon 1646 wurde sie vom Herzog zurückgefordert. Der Administrator Johann Schnitzer, "sonst ein wunderlicher und hitziger Kopf", meldet ganz bescheiden, dass er solches Ansinnen an den Bischof von Konstanz weitergeben wolle und dass er "nicht zweifle, dass der Bischof in Ansehung der freundschaftlichen Nachbarschaft dem Herzog sein Verlangen gewähren" dürfte. Nach der tatsächlichen Rückgabe, deren Datum nicht bekannt ist, wurde wieder ein herzoglicher Verwalter bestellt. Doch erforderte es lange Zeit, bis alles in Ordnung gebracht war. Das zum Kloster gehörige Dorf Altdorf war bis auf sieben Einwohner entvölkert; der Verwalter musste sich darum bemühen, die Weggezogenen zur Rückkehr in ihr Dorf und zum Wiederanbau ihrer Markung zu bewegen. Die Propstei konnte erst am 17. Mai 1650 wieder besetzt werden, und zwar durch Johann Wilhelm Heerbrand. Er war und blieb zugleich Hofprediger in Stuttgart, wo er auch seinen Wohnsitz beibehielt. Das erste Beispiel, dass die Propstei nicht wirklich bezogen wurde. Seinen Namen trugen die im Jahr 1651 gegossenen Glocken, die damals zu der kleinen Glocke vom Jahr 1626 hinzugefügt wurden. Er starb in Stuttgart 1658. Dem Propst Heerbrand folgte als Propst und Generalsuperintendent D. Christoph Zeller (d.Ä.) von 1658-1669; er war vorher 1635-1645 Diakonus und Dekan in Calw, der Stammvater der Denkendorfer Zellerlinie. Auch er war von 1645 an und blieb weiterhin Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart und starb daselbst. Ebenso behielt sein Nachfolger Christoph Hingher (1669-1678) die Stiftsprädikatur in Stuttgart, die er innehatte, mit dem Wohnsitz dort bei. Zu dieser Zeit erlebte auch Denkendorf das düstere Schauspiel eines jener Hexenprozesse, die dieses Jahrhundert so grausam gemacht haben. Ein 72jähriges Weiblein wurde beschuldigt, ihre Nachbarin vergiftet zu haben. Sie wurde festgenommen und im Kloster vom Verwalter einem strengen Verhör unterzogen. Dann wurde sie nach Stuttgart gebracht und dort von einem Verhör ins andere geschleppt. Ein Rechtsgutachtern der Tübinger Professoren wurde eingeholt; das besagte: die Belastungspunkte zwar nicht der Zauberei, aber der Giftmischerei rechtfertigen die Anwendung der Folter, aber das Alter der Angeklagten schließe sie aus. Der Ausgang des Prozesses ist nicht bekannt. Erst der nächste Propst, Johann Eberhard Noll d.Ä. (1678-1689) bezog wieder die Propstei. Er war zuvor 1652-1656 Diakonus in Calw, 1656 in Stuttgart, 1661 Dekan in Tübingen, 1672 in Urach, 1675 zugleich designierter Abt von St. Georgen, ein Mann, den "man als einen hervorragend gewissenhaften Theologen, unerschrocken geraden Sinnes schildert", der "vor seinem Ende sich mehr um die Zukunft von Kirche und Volk geängstigt habe als ums eigene Sterben". Er ist in der Klosterkirche begraben, wo auch sein Grabmal steht. Ihm folgte Johann Jakob Müller (1689-1699) als Propst und Generalsuperintendent. Er war zugleich Landschaftsassessor zuerst im größeren, nachher im engeren Ausschuss. Es wurde ihm ganz besonders innige Frömmigkeit nachgerühmt. Er erlebte den Franzoseneinfall von 1693 und dabei die schwer Plünderung und Verwüstung des Klosters. Zu seiner Zeit wurde auf Bitte der Gemeinde die Gottesdienstordnung im Jahr 1691 insoweit geändert, dass von da an ein Teil der Gottesdienst in der Friedhofkirche gehalten werden sollten, während die Hauptgottesdienste weiterhin in der Klosterkirche blieben. Von 1699-1706 war Propst und Generalsuperintendent Johann Wolfgang Dietrich; von 1704 war er zugleich, wie schon 1692 Konsistorialrat mit dem Sitz in Stuttgart. Sein Nachfolger war D. Johann Friedrich Hochstetter, der zuvor 26 Jahre lang Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart und zugleich Propst in Herbrechtingen gewesen war. Er behielt seinen Wohnsitz zunächst von 1706-1713 in Stuttgart bei.
3. DAS JAHRHUNDERT DER ZWEITEN KLOSTERSCHULE Die Klosterschule zur Zeit Bengels Mit dem Jahr 1713 vollzog sich für das alte Kloster eine einschneidende Änderung. Im Jahr 1692 hatten die Franzosen das Kloster Hirsau niedergebrannt. Dadurch hatte die dortige Klosterschule ihre Heimat verloren. Nach längerer Unterbrechung und baulicher Vorbereitung wurde sie im November 1713 im Kloster Denkendorf wieder eröffnet. Sie sollte nun fast ein Jahrhundert lang dem Kloster ein neues starkes Gepräge geben. Es entstand eine neue Klostergemeinde. Dazu gehörte als Leiter der Schule der Propst von Denkendorf, damals, wie wir sagen, D. Johann Friedrich Hochstetter, der nun von Stuttgart herüberkam und seine Wohnung hier bezog; dann die beiden Klosterpräzeptoren – das waren M. Andreas Christoph Zeller, der Großneffe des früheren Propstes Christoph Zeller (von ihm rührt ein Verzeichnis der Denkendorfer Pröpste her) und M. Johann Albrecht Bengel, ein nachkomme des Reformators Johannes Brenz; dann der jeweilige Schülerjahrgang, die etwa 25 Alumnen umfassende Promotion; außerdem eine Reihe von Männern, die für das äußere Wohl zu sorgen hatten: der Klosterverwalter, der Speisemeister, der Klosterbarbier (Wundarzt) u.a. Der Propst übernahm den theologischen Unterricht; die Präzeptoren hatten jeden Tag zwei Unterrichtsstunden in den andern Fächern (Latein, Griechisch, Hebräisch, Geschichte, Geographie, Mathematik, Logik). Im übrigen Dienst an der Schule (Andacht, Aufsicht), wechselten sie wöchentlich ab. Die Alumnen, die durch eine sorgfältige Auswahlprüfung (das spätere Landexamen) hindurchgegangen waren, fanden in der Schule für zwei bis drei Jahre ausgedehnten Unterricht und sorgfältige Erziehung. Es standen ihnen dabei Kost, Wohnung und Kleidung (damals noch Kutte und Perücke) frei zur Verfügung. Der zweite Klosterpräzeptor Johann Albrecht Bengel (Foto
links unten zeigt einen Ausschnitt aus dem Bild in der Klosterkirche,
zur Vergrößerung anklicken), eben von einer ertragreichen
wissenschaftlichen Reise zurückgekehrt, arbeitete gleich in den ersten tagen
nach seiner Ankunft zwei gedankenreiche Pläne für seine Schüler aus, einen
allgemeinen für die Ziele und Aufgaben, die der Schüler sich stecken soll, und
Am 23. und 24. November 1717 erlebte die Klosterschule den denkwürdigen Besuch des damals hochgefeierten Professors der Theologie und Begründers des bekannten Waisenhauses in Halle, August Hermann Francke. Darüber ist ein eingehender Bericht – vermutlich von dem älteren Klosterpräzeptor Zeller herrührend – vorhanden, der "den Gang des Besuchs fast mit protokollarischer Treue wiedergibt". Im Jahr 1733 hat auch Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, der Gründer der Herrnhuter Brüdergemeinde, den damals schon weit bekannten Klosterpräzeptor Johann Albrecht Bengel hier besucht, der sich in jener Zeit viel mit der Offenbarung des Johannes beschäftigte. Zinzendorf hat einen tiefen Eindruck von Bengel mitgenommen, den er freilich nicht lange festhielt. Bengel war unstreitig der Mann, durch den die neuen Klosterschule weit über Württemberg hinaus bekannt geworden ist. Er war ein gottbegnadeter Erzieher. In den 27 ½ Jahren seines Wirkens hier sind über 300 Schüler durch seine Hand gegangen und haben bleibende Eindrücke von ihm empfangen. Von den vielen, die ihm zeitlebens verbunden waren, seien nur einige wenige genannt: Philipp Friedrich Hiller, der bekannte Kirchenlieddichter, Jeremias Friedrich Reuß, der spätere Tübinger Kanzler, Johann Christoph Storr, der große Prediger, Johann Friedrich Flattich, der berühmte Erzieher, Philipp Ulrich Moser, durch den Friedrich Schiller später in Lorch den ersten Unterricht empfing (er hat ihm in den Räubern ein Denkmal gesetzt) und Philipp David Birk, der gesegnete Gemeinschaftsmann; ein weiterer ist nachher noch zu nennen. Diesen und vielen anderen blieb neben dem heiligen Ernst und dem beredten Schweigen so manches fein geprägte und zur rechten zeit gesprochene Wort von ihm unvergesslich, am meisten jenes Wort, mit dem er seine Schüler am Samstagabend zu entlassen pflegte: "Colligite animas!". Bengel war ein tiefschürfender Gelehrter der Heiligen Schrift, dem nicht nur die neutestamentliche Wissenschaft durch seine umfangreiche Arbeit am neutestamentlichen Urtext viel verdankt, sondern auch die christliche Gemeinde durch seine in die Tiefe gehende Auslegung des Bibelwortes. Sein Hauptwerk, der Gnomon, ist in Denkendorf entstanden. Er war auch ein hervorragender Prediger, der über 800 mal auf der Kanzel der Klosterkirche stand, um der Gemeinde das Wort Gottes zu sagen. Sie hat die starken Kräfte, die davon ausgingen, treu bewahrt. Die Privatversammlungen des Pietismus, die damals in Württemberg Eingang gefunden hatten, besaßen an Bengel, der den Wert brüderlicher Gemeinschaft in Halle kennengelernt hatte, einen besonnene, nüchternen, aber auch warmherzigen Freund, dem es mit zu verdanken ist, dass ihr Recht im Jahr 1743 durch ein fürstliches Generalreskript in entgegenkommender Weise gesetzlich geordnet wurde. Wohl nicht auf seine unmittelbare Anregung, aber doch auf seinen starken Einfluss gehen auch die Privatversammlungen in Denkendorf selbst zurück, die dann während der Wirksamkeit seines einstigen Schülers, des Pfarrers Johann Christoph Glöckler (1739-1751) im Dorf behalten wurden und von 1750 an sicher nachzuweisen sind. Der letztere hat dann in gleichem Sinn wie Bengel selbst viel dazu beigetragen, dass sich die Gemeinschaftsbewegung in Württemberg in gesunden und nüchternen Bahnen hielt, besonders durch ein Zusammentreffen mit andern Führern der Gemeinschaftskreise in Esslingen. Die Wirkung der Arbeit Bengels hat sich schon damals weit über seine Klosterschule hinaus erstreckt; sie hat der ganzen württembergischen Kirche ihr Gepräge gegeben. Auch zwei seiner Lieder ("Du Wort des Vaters, rede du" und "Gott lebet! Sein Name gibt Leben und Stärke" 1734 und 1738 in seiner Klosterstube entstanden) haben sich im Württ. Gesangbuch erhalten. Bengel kam 1741 als Propst nach Herbrechtingen und später als Prälat nach Stuttgart. Dort ist er 1752 gestorben und begraben. Die Erinnerung an ihn wird in Denkendorf durch sein Bild im südlichen Seitenschiff, durch eine Erinnerungstafel außen an der Vorhalle (1937 angebracht) und neuerdings durch eine ständige Ausstellung von Bengel-Erinnerungen im Kloster, noch mehr aber durch treue Weiterarbeit in seinem Sinn daselbst gepflegt. Propst Hochstetter wirkte noch bis 1720. Er starb in Denkendorf und ist in der Klosterkirche begraben. Sein Ölbild wird seit den letzten Bauarbeiten vermisst. Sein Nachfolger war von 1720-1727 Propst Johann Eberhard Knoll d.J., Sohn des früheren Propstes gleichen Namens. Er wird einerseits als "ein hitziger, gewalttätiger Kirchenfürst" geschildert, und andererseits von ihm gerühmt, er sei ein abgesagter Feind von aller Heuchelei und à-la-modischem Wesen gewesen und habe von Herzen die alte deutsche Treue geliebt. Auch er ist hier begraben; sein Grabmal steht neben dem seines Vaters in der Vorhalle. Ihm folgte Wilhelm Adam Drommer, der, zuvor schon mit Bengel bekannt, nun in enger Verbindung mit ihm von 1727-1740 die Klosterschule leitete. Von 1731-1734 war er zugleich Konsistorialrat, Oberhofprediger und Beichtvater des Herzogs Eberhard Ludwig in Ludwigsburg, kehrte dann aber wieder nach Denkendorf zurück. In der Zeit seiner Abwesenheit hatte Bengel, der inzwischen erster Klosterpräzeptor geworden war, die Hauptlast im Unterricht und in der Schulleitung zu tragen. Er hielt auch im Jahr 1740 die Grabrede für Propst Drommer, der in der Klosterkirche begraben wurde. Sein Bild ist an der Wand des südöstlichen Seitenschiffs angebracht. Im Jahr 1739 wurde die Predigtaufgabe in der Klosterkirche dem Propst und den Präzeptoren abgenommen und dem Ortspfarrer (damals war es der schon erwähnte Johann Christoph Glöckler) übertragen, der dafür das Filial Berkheim an Nellingen abgab.
Die Klosterschule nach der Zeit Bengels Nach dem Tod Drommers wurde die Propstei kurz vor dem Abgang Bengels dem M. Philipp Heinrich Weißensee übertragen, der, mit Bengel längst befreundet, als Hofprediger in Stuttgart durch seine unsichere Stellung zur Zeit des Süß Oppenheimer und des zum Katholizismus übergetretenen Herzogs Karl Alexander eine umstrittene Persönlichkeit war. Obwohl schon 67 Jahre alt, leitete er nun noch 27 Jahre die Klosterschule. Er ist bekannt durch sein Lied "Jesu, hilf beten", das jedoch vor seiner Denkendorfer Zeit entstanden ist. Der Briefwechsel mit seinem alten Freund Bengel aus späterer Zeit zeigt, wie sehr der damals schon betagte Mann noch in seinem Beruf lebte, wie er seine Schüler kannte und sich auch noch für allgemeine Erziehungsfragen interessierte. Auch aus seiner Zeit wissen manche frühere Schüler von tiefen Eindrücken zu erzählen, die sie in der Klosterschule Denkendorf empfangen haben. Damals, um 1742, war Schillers Vater, Johann Kaspar Schiller, hier bei dem Klosterbarbier Jakob Fröschle, um die Wundarzneikunde zu erlernen. Er erzählt in seiner Lebensbeschreibung, dass er hier Gelegenheit gehabt habe, "von Weißensee ein und anderes in der Kräuterkunde zu lernen". So hat also der alte Herr auch dafür sich Zeit genommen. Daneben hatte Weißensee noch Kraft zu wissenschaftlicher Arbeit. Er führte einen regen Briefwechsel mit Wenzel Mirkiewicz, Kanoniker des H. Grabes aus Miechow bei Krakau. Es sind noch vier Briefe dieses Mannes an Weißensee erhalten, in denen er sich für Notizen über das Kloster Denkendorf bedankt und dafür Abschriften von Urkunden sendet, die er in Rom über Denkendorfs Gründung und Geschichte zur Hand hatte. Eine solche Leistungsfähigkeit Weißensees war nur möglich bei einer vortrefflichen Gesundheit, die ihn bis in sein höchstes Alter begleitete. Er starb, 94 Jahre alt, in Denkendorf und wurde in der Klosterkirche begraben. Sein Grabmal sowie das seiner ersten Gattin steht in der Vorhalle. Weißensees Nachfolger wurde 1767 Johann Christoph Schmidlin, der bis 1773 die Stelle eines Propstes und Generalsuperintendenten innehatte und dann Abt von Alpirsbach und Konsistorialrat in Stuttgart wurde. (Sein Sohn gleichen Namens, Professor und später Rektor am herzoglichen Gymnasium in Stuttgart, hat die im Jahr 1781 erschienene Geschichte des Klosters geschrieben). Von 1773-1791 war Propst Johann Jakob Erbe, der auch als einstiger Schüler von Bengel bezeugt, welche tiefe Eindrücke er von ihm empfangen hatte. Zu seiner Zeit war Friedrich Hölderlin hier in der Klosterschule. In einem Brief, den Hölderlin von Denkendorf aus an seinen Nürtinger Seelsorger, den Diakonus Köstlin, schrieb, klagt er sich selbst der Menschenfeindschaft, des Hangs zur Einsamkeit, ja der Verachtung und des Misstrauens gegen alle Menschen an. Beim Rückblick auf seine Jugend schreibt er später: "Der Menschen Worte verstand ich nie". Schon in Denkendorf wird es so gewesen sein, wie es dann wohl in Maulbronn noch in verstärktem Maße war, dass ihn das derbe Treiben seiner Kameraden, "der Lärm der Toren", in seiner empfindsamen Seele gestört hat. Seine ersten Gedichte stammen schon aus der Denkendorfer Zeit. Auf dem Taufstein der Klosterkirche findet man allerlei Namen von Schülern aus seiner Zeit eingegraben. Sein Name ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Die Aufklärung hat auch in der Klosterschule Eingang gefunden. Von der Promotion 1780 wird gemeldet: zwei Schüler wollten Jus, einer Medizin studieren; vier wurden ausgeschlossen, drei gingen unter die Soldaten, einer wurde von den Franzosen standrechtlich erschossen. Nachfolger von Propst Erbe wurde Johann Friedrich Märklin (1791-1804), der sich um die Reform des Unterrichts, insbesondere des Religionsunterrichts, verdient gemacht hat. Der letzte Propst, damals Prälat genannt, war Immanuel Pfleiderer, der noch von 1804-1810 die Klosterschule leitete. In diesen letzten Jahrzehnten der Klosterschule machte sich die Einwirkung der Aufklärung immer stärker geltend, teils im Nachlassen des Andrangs zum theologischen Studium (1802 waren nur zwölf Seminaristen hier), teils im Ausschluss zügelloser Schüler, teils darin, dass viele nachher zu anderen Berufsarten übergingen. Die Jahrhundertwende, die Zeit der Französischen Revolution und des Kaisers Napoleon, brachte wie für ganz Europa und das deutsche Land, so auch für unser Kloster eine gewaltige Umwälzung. Friedrich I. von Württemberg hatte am 1. Januar 1806 die Annahme der Königswürde feierlich verkündet, zugleich damit aber auch die unumschränkte Herrschaft über sein Land angetreten. Mit unglaublicher Rücksichtslosigkeit wurde nun vom König auch in die kirchlichen Dinge hineinregiert. Die Einführung der aus der Aufklärung stammenden Liturgie von1809, ohne die kirchliche Behörde zu beteiligen, war ein königlicher Gewaltakt. Viele haben auch ganz persönlich die königliche Ungnade erfahren müssen, wie jener Erste in der 1808 in Denkendorf aufgenommenen Promotion, der, weil er ein Metzgersohn war, vom König einfach aus der Liste gestrichen wurde mit der Bemerkung: "soll ein Metzger werden", worauf überhaupt Bauern- und Handwerkersöhnen die Aufnahme in das Seminar untersagt wurde. Nachdem der König am 30. Dezember 1805 die alte Landesverfassung aufgehoben hatte, erklärte er durch ein Generalreskript vom 2. Januar 1806 das Kirchengut, somit auch das einstige Klostergut, für Staatseigentum. Was das zu bedeuten hatte, sollte auch Denkendorf bald zu fühlen bekommen. Das Kloster war jetzt der königlichen Willkür völlig preisgegeben. So wurde im Jahr 1810 unsere Klosterschule in das kurz zuvor säkularisierte Kloster Schöntal an der Jagst verlegt und damit Denkendorf eines Mittelpunkts geistigen Lebens beraubt. Der Anfang zu völliger Verweltlichung des Klosters war damit gemacht. Der Herrschaft der Aufklärung und des königlichen Absolutismus hat die religiös lebendigen Gemeinden in Württemberg stark aufgerührt, zumal da, wo bekannt wurde, dass der König sich für verpflichtet hielt, "die Pest des Pietismus mit allen Mitteln zu reprimieren, welche die Vorsehung in seine Hand gelegt". Die Gefahr der Trennung solcher Gemeinden oder Gemeindegruppen von der Kirche drohte, wie schon im 18.Jahrhundert, so jetzt aufs neue. Männer wie Michael Hahn haben diese Gefahr gebannt, aber doch die Selbständigkeit des christlichen Glaubens und Lebens festgehalten. Zwei Privatversammlungen, die damals hier bestanden, erlebten unter dem Druck der Zeit ein beständiges Wachstum. In den Jahren 1805-1807 war Immanuel Gottlieb Kolb (der bekannte spätere Lehrer in Dagersheim), der kurz zuvor Michael Hahn kennengelernt und sich ihm angeschlossen hatte, selbständiger Provisor in Denkendorf. Er hat dann auch dem einen Gemeinschaftskreis im Sinn Hahns gedient und ihm dadurch einen starken Rückhalt gegeben. Sicher blieb die Verbindung mit ihm bis in sein Todesjahr (1859) lebendig.
Die Geschichte des Klosters im 19. und in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts ist die Geschichte einer Säkularisation. Die staatlichen Behörden, die seit 1806 ganz über die Zukunft des Klosters zu bestimmen die Macht hatten, wussten nicht, was sie mit ihm anfangen sollten. Zuerst wurde die Wohnung des ersten Professors (die einstige Wohnung Bengels) dem Förster eingeräumt. Dann wurde von 1811-1815 der Versuch einer Runkelrübenfabrik im Kloster gemacht, die jedoch nicht gedeihen konnte und darum wieder aufgegeben wurde. Im Jahr 1817 wurde auf königlichen Befehl eine landwirtschaftliche Musteranstalt im Kloster gegründet, die aber sofort 1818 nach Hohenheim verlegt wurde. Nun war wieder guter Rat teuer. Im Sommer 1821 nahm eine herrschaftliche Kommission das Kloster in Augenschein, um zu untersuchen, ob nicht wieder ein Seminar hineinverlegt werden könnte, nachdem sich die Gemeinde Denkendorf darum beworben hatte. Da aber die Kosten der Wiederherstellung auf 15000-18000 fl. veranschlagt wurden und der König sich für Beibehaltung des Seminars im Kloster Schöntal entschieden hatte, wurde der Plan wieder aufgegeben. Zunächst beschloss man 1822, das alte Pfarrhaus im Dorf zu verkaufen und die bisherige Prälatur über der Vorhalle zum Pfarrhaus zu machen. Diese wurde von 1812-18220 von dem im Ruhestand lebenden Prälaten von Cleß bewohnt, der von 1818-1820 die Pfarrei versah. Da sie jedoch baufällig war, wurde die Pfarrwohnung provisorisch in die sog. Oberamtei verlegt, die, 1804 neu erbaut (die alte Oberamtei wurde schon 1712 als baufällig bezeichnet), nun seit 1810 durch das Aufhören der besonderen Klosterverwaltung leer stand. Fast wäre das Kloster auf Abbruch verkauft worden. 1824 hatte man mit dem Abbruch südlicher und westlicher Teil des Klosters beginnen und fuhr dann mit der Amtsknechtswohnung und dem Westtor fort. Ende 1824 wurde darauf der Versuch gemacht, die Wohnung des ersten Professors und die Oberamtei zu verkaufen, letztere auf den Abbruch. Man fand auch Liebhaber: für die Professorswohnung den damaligen Bewohner Förster Vischer, für die Oberamtei den Rektor und Oberschulrat Denzel vom Seminar in Esslingen, der das Gebäude abbrechen und auf dem Marktplatz in Esslingen neu aufbauen wollte. Allein dieser Plan wurde höheren Orts doch nicht genehmigt. Schließlich wurde die baufällige Propstei (Prälatur) 1826 abgebrochen und die Pfarrwohnung in der Oberamtei belassen. Nachdem neue Versuche zum Verkauf oder Abbruch der ersten Professorswohnung fehlgeschlagen waren, wurde sie endgültig Amtswohnung des Försters (sie wurde später, wohl im Jahr 1862, wegen Baufälligkeit abgerissen und nach dem Geschmack jeder Zeit durch einen Neubau ersetzt, der ganz aus dem Rahmen des alten Klosterhofs herausfiel, jedoch jetzt durch ein ganz anderes Gebäude ersetzt ist. Wieder tauchte der Gedanke auf, auch die noch stehenden zwei Flügel des Klosters abzubrechen. "Es kamen wieder Kommissionen, es wurde aufs neue gemessen, geschrieben, verhandelt, und es schien schon um das alte Klösterlein geschehen zu sein, als ganz unerwartet demselben ein glückverheißendes Gestirn aufging". Ein Apotheker Berg von Stuttgart, der in Frankreich die Fabrikation des Runkelrübenzuckers kennengelernt hatte und diese nun selbständig betreiben wollte, bot sich an, das Kloster zu kaufen. Im Juni 1830 fand der Kauf die königliche Genehmigung. Das noch vorhandene Klostergebäude mit seiner unmittelbaren Umgebung, sowie dem See und dem Gärtchen davon gingen um 800 fl. in den Besitz des Apothekers und seines Teilhabers über. Im Spätherbst der Jahres wurde die Zuckerfabrikation aufgenommen. Aber schon im ersten Jahr entsprach der Erfolg den Erwartungen nicht. Es wurden zwar 6000 Zentner Rüben verarbeitet, aber kaum ein Prozent Zucker gewonnen. Der Grund lag ebenso wohl in persönlichen wie sachlichen Schwierigkeiten. Im zweiten Jahr zeigte sich, dass der Gewinn so gering war, dass die Fortsetzung der Fabrikation allzu gewagt erschien. Die Teilhaber hatten, wie man sagte, einen Verlust von 3000 fl. So wurde das Kloster im Jahr 1833 versteigert und um 3700 fl. einem Hammerschmied zugeschlagen, der es mit einem kleinen Draufgeld dem Seminarspeisemeister und Senffabrikanten Mohr in Esslingen überließ. Da dieser jedoch in gerichtliche Vermögensschwierigkeiten geriet, nahm sein Schwiegervater, der Kameralamtskastenknecht Walker von Kirchheim/Teck (der früher Klosterkastenknecht war) sich der Sache an, baute am Kloster allerlei um und richtete eine Ölmühle mit holländischer Presse und eine verbesserte Essigschnellfabrikation ein. Der große Aufwand lohnte sich jedoch nicht. Im Jahr 1838 musste Walker mit seinen Gläubigern einen Akkord schließen, bei dem 80 Prozent verlorengingen. Am 15. Januar 1838 übernahm Friedrich Kauffmann, Fabrikant in Esslingen, das Kloster, um eine Senf- und Likörfabrik darin einzurichten. Durch große Geschäftstüchtigkeit und schonungslosen persönlichen Einsatz machte er seine Fabrik zu einem weithin bekannten und geschätzten Unternehmen, hat sich freilich dabei auch frühzeitig aufgerieben. Er starb, erst 63jährig, im Jahr 1874. Seine imponierende Statur, seine fast unglaubliche Körperstärke, seine Geistesgegenwart, seine Originalität im gesellschaftlichen leben, seine Urwüchsigkeit und sein Mutterwitz haben ihn im großen Umkreis zu einer volkstümlichen Gestalt gemacht, um die ein ganzer Kranz von Anekdoten sich wob. Sein Kloster liebte er über alles. Er war daher bestrebt, die Gebäude, die durch die vielen Veränderungen der vorangegangenen Jahre gelitten hatten, wieder in besseren Stand zu bringen und das gute Alte zu erhalten. Besonders das Kreuzgärtlein und der Klostersee lagen ihm am Herzen. Im Kreuzgärtlein pflanzte er zwei Ginkobäume, die leider später einer gründlichen Umgestaltung des Kreuzgartens zum Opfer fallen mussten. Auch viele Bäume am See gehen auf seine Fürsorge zurück. Nach seinem Tod führte die Witwe teilweise mit Teilhabern das Unternehmen weiter. Vorübergehend war es in anderen Händen. 1890 übernahm der Sohn Karl Kauffmann die Fabrik. Der Denkendorfer "Klostersenf" und die Kauffmannschen Liköre waren allgemein bekannt. Da mit der Zeit jedoch die Räume nicht mehr ausreichten und da im Zeitalter des Verkehrs das Fehlen der Eisenbahn sich immer stärker fühlbar machte, wurde die Fabrik 1905 nach Ebersbach an der Fils verlegt. Das gesamte Klosteranwesen kaufte der Staat 1907 um 45000 Mark zurück. 2. Im 20. Jahrhundert Nun wurde aus dem Kloster eine Präparandenanstalt für künftige Lehrer. Wieder haben junge Menschen einige Jahre schöner Jugendzeit hier zugebracht und denken dankbar daran zurück. Aber es war nur ein Behelf. Als in Backnang das neue Lehrerseminar gebaut wurde, siedelte auch diese Vorbereitungsanstalt von hier nach Backnang über. Das geschah im Jahr 1920. Noch einmal, 1921, sollte das Kloster ein Heim für junge Menschen werden. Der Verein für Volksbildung unter der Leitung des späteren Kultministers Dr. h.c. Theodor Bäuerle gründete im Jahr 1921 das erste süddeutsche Volkshochschulheim für Mädchen in unserem Kloster. Die Leiterin des Heims, Frau Dora Weber, die mit ihren Mitarbeiterinnen 13 Jahr lang das Leben der ihr Anvertrauten mit großer Treue gestaltete, schrieb über die Aufgabe eines solchen Heims: "Die deutsche Volkshochschule bietet nicht in erster Linie Kenntnisse; es knüpfen sich keinerlei Berechtigungen an ihren Besuch. Sie will vielmehr jungen Menschen, gleichviel welchen Standes oder Berufes, zur eigenen Entfaltung helfen, damit sie überall da, wo das Leben sie hinstellt, als verantwortungsbewusste, wahre und tatenfrohe Persönlichkeiten ihre Aufgabe anfassen". "So wirkt das Volkshochschulheim Denkendorf, um den jungen Menschen, die zu ihm kommen, den Weg finden zu helfen zu einer wahren Mütterlichkeit und vollen Menschlichkeit, die kraftvoll in Freud und Leid, liebevoll im Gewährten und Versagen, wahr im Denken und Urteilen ihre Lebensbestimmung zu erfüllen weiß". Diese Volkshochschularbeit fiel dem Aufbruch der Hitlerherrschaft zum Opfer. Von 1933/34 konnte sie zwar noch in Verbindung mit einem weiblichen Arbeitsdienst fortgesetzt werden, musste dann aber dem letzteren allein das Feld überlassen. 1935/36 war ein NSV-Frauenschulungslager im Kloster, und von 1936-1945 benützte die Ortsgruppe der nationalsozialistischen Partei für ihre Gliederungen die Klosterräume; 1939 kam noch ein NSV-Kindergarten dazu. Im Zweiten Weltkrieg und auch am Tage des Einmarsches der alliierten Streitkräfte in Denkendorf (21. April 1945) hat das Kloster in keiner Weise gelitten. Nur einige Fensterscheiben in der Klosterkirche gingen in die Brüche, zum Teil erst nach dem Waffenstillstand bei Sprengungen von Kriegsmaterial im Wald. Die Krypta diente während des Kriegs der großen Bibelsammlung der Württ. Bibelanstalt und Akten des Evang. Oberkirchenrats. der Kapitelsaal im Kloster Aktenbeständen des Staatsarchivs zur Aufbewahrung. Am 20. April 1945 lösten sich alle Parteieinrichtungen auf, und am 21. April, als französische Streitkräfte das Dorf besetzten, stand das Kloster leer. Merkwürdigerweise hat in den ersten sechs Wochen kein Soldat den Klosterhof betreten. Erst später kam einmal ein französischer Plündertrupp, um Gegenstände, die vom Forschungsinstitut Ruit hierher ins Kloster verlagert waren, sich anzueignen. Im Mai 1945 zog für ein paar Jahre (bis 1948) der zweite evangelische Kindergarten im Kloster ein, und als dann im Herbst 1945, am 31. Oktober, die ersten Ostvertriebenen hier eintrafen, wurden in den Klosterräumen mehrere kinderreiche Familien, insgesamt 31 Personen untergebracht, die sich mühsam und notdürftig darin einrichteten. Jedoch konnte und durfte dieses nicht von Dauer sein. Die Räume litten unter der starken Belegung sehr. Es fragte sich von neuem, was nun werden sollte. So sehr die Gemeinde die wirtschaftliche Bedeutung der einstigen Fabrik und später die kulturelle Bedeutung der Lehrerbildungsanstalt und des Volkshochschulheims zu schätzen wusste, und so nahe es lag, dass man 1945 die Klosterräume zur vorläufigen Unterbringung von Vertriebenen verwendete, so blieb es doch im Blick auf die geschichtliche Bedeutung des Klosters und auf die nahe räumliche Verbindung von Kirche und Kloster immer bedauerlich, dass es seinem ursprünglichen und späteren kirchlichen Dienst so ganz entfremdet war; der Wunsch, dass dies anders werde und dass es wieder einem kirchlichen Zweck zurückgegeben würde, blieb deshalb lebendig und ist nun neuerdings erfüllt worden. Die ersten Versuche in den Jahren 1935/36, um eine Änderung herbeizuführen, waren vergeblich. Auch im Jahr 1945 schien die Zeit dafür noch nicht reif zu sein. Erst 1947 gelang es nach längeren schwierigen Verhandlungen dem Landesverband der Inneren Mission (Dr. Vöhringer) zunächst grundsätzlich das Kloster für Zwecke der Ausbildung von Gemeindehelferinnen und Katechetinnen zu gewinnen. Tatsächlich frei von seinen letzten Bewohnern wurde das Kloster jedoch erst im Jahr 1949, und so konnte der umfangreiche Umbau des Klosters, den der Württ. Evang. Oberkirchenrat unter der Leitung von Oberkirchenrat Georg Kopp und Reg.-Baumeister Erwin Rohrberg in großzügiger Weise in die Hand nahm, für den genannten Zweck durchgeführt und 1950 vollendet werden. Der Umbau umfasste neben der Entfernung entstellender Zutaten im Altbestand des Innenhofes die Verlängerung des Ostbaus (zur Aufnahme einer Wohnung des Seminarleiters und neuzeitlicher Küchenräume), außerdem den Ausbau des Dachstockes mit Dachgauben zur weiteren Raumbeschaffung. Am 18. Mai 1950 konnte dann das "Evangelische Diakonieseminar Denkendorf" feierlich eingeweiht werden. 22 Jahre lang wurden Gemeindehelferinnen und Katechetinnen hier ausgebildet. Im Berufsleben stehend, schlossen sie sich zum "Verband evang. Gemeindehelferinnen und Katechetinnen in Württemberg" zusammen, der in Denkendorf seinen Sitz hat. Im Jahr 1960 konnte ein modernes Tagungsgebäude, das Margarete-Blarer-Haus (nach der Schwester von Ambrosius Blarer - Margarete Blarer - benannt), an der Stelle des abgebrochenen, alten Forsthauses errichtet werden. 1972 wurde die Ausbildung der Gemeindehelferinnen und Katechetinnen in Denkendorf und die Ausbildung der Diakone auf der Karlshöhe, Ludwigsburg, zusammengelegt. Die neue "Ausbildungsstätte für Diakonie und Religionspädagogik" befindet sich nun auf der Karlshöhe in Ludwigsburg. Ab Herbst 1972 wurde das Diakonieseminar für eine neue Aufgabe frei. Es wurde unter dem alten Namen "Kloster Denkendorf" zur landeskirchlichen Fortbildungsstätte. Erzieherinnen, Mesner und Mesnerinnen, Pfarramtssekretärinnen, Diakone und Diakoninnen sowie andere hauptamtliche oder freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den Gemeinden kommen zu Fortbildungskursen ins "Kloster". Besondere Schwerpunkte der Arbeit wurden die Ausbildung von Ehrenamtlichen in der "Sprachhilfe" für ausländische Kinder bzw. Kinder aus Aussiedlerfamilien und das Gespräch zwischen "Christen und Juden". Der derzeitige offizielle Name des Hauses ist "Kloster Denkendorf – Ausbildungsstätte für Gemeinde und Diakonie". Seit 1997 ist im Haus auch das früher in Freudenstadt beheimatete Pastoralkolleg untergebracht. Es bietet Kurse für die Fortbildung von Pfarrern und Pfarrerinnen an.
1. Verzeichnis der Pröpste und Klosterpräzeptoren Pröpste des mittelalterlichen Klosters Die alten Verzeichnisse (Pregizer S.350ff.; Steinweg fol. 307; Sattler Top. 569; Schmidlin S.17ff; Stälin II 734) weichen vielfach voneinander ab; es kann daher nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit erreicht werden. – Die vereinzelten Jahreszahlen nennen die Jahre, in denen die betr. Namen nach den Verzeichnissen urkundlich belegt sind.
Pröpste des evangelischen Klosters
Klosterpräzeptoren 1. In der ersten Klosterschule 1553(1556)-1584(Die ersten Namen sind nicht bekannt)
2. In der zweiten Klosterschule 1713-1810 Erste Stelle
Zweite Stelle:
Von Heinrich Werner wurden im Blick auf seine Darstellung der Klostergeschichte ausgewertet (Nachweise in der gedruckten Darstellung):
Zu eingehender Beschäftigung mit der Kunst und Geschichte Denkendorfs sind besonders die in den Ziff. 14 (Schmidlin), 24 Fiechter), 25 (Mettler), 28 (Klaiber) und 29 (Hermann) genannten Schriften aufs wärmste zu empfehlen.
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