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Beiträge zur Geschichte des Pastoralkollegs Württemberg Übersicht über die bisher hier eingestellten Artikel:
Schreiben von Landesbischof Haug vom 22. August 1952 Württembergische Evangelische Landeskirche Liebe Amtsbrüder! Das Pastoralkolleg der Württembergischen Landeskirche, lange geplant, aber
wegen äußerer Schwierigkeiten bisher nicht verwirklicht, soll am Montag, 29.
September 1952, seinen Dienst beginnen. Im neu eröffneten Evangelischen
Erholungskeim Freudenstadt kann auch unser Pastoralkolleg vorläufig
untergebracht werden. Die Leitung wird Kirchenrat Walther Geißer, bisher
Pfarrer in Korntal, übernehmen. Wir hoffen, dass auch unser Pastoralkolleg in
der guten Lust und Stille Freudenstadt für die Brüder im Amt ein Ort der
Ausspannung und Erquickung, der communio fratrum und der neuen Zurüstung zum
Dienst werde. Ihr gez. Bischof Haug
Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1967 von M. Böckheler: Walther Geißer zum Gedächtnis
Weit über 1000 Pfarrer sind während der ersten 11 Jahre des Bestehens des Kollegs dieser geistvollen Persönlichkeit begegnet und haben durch ihn Stärkung und Ermutigung zum Dienst der Wortverkündigung und Seelsorge erfahren. Man spürte ihm an, dass er ganz persönlich an der Sache des Evangeliums beteiligt war als einer, der die Last und Gnade des Wortes Gottes erfahren hat. Von da her war er auch dem Bruder ganz persönlich zugewandt mit einem weiten verstehenden Herzen, bereit, zu hören und zu helfen und zu lernen. Wortverkündigung und Seelsorge bildeten bei ihm eine untrennbare Einheit. Das gab seiner bildkräftigen Predigt das besondere Gepräge. Davon wissen auch viele dankbare Predighörer aus seinen früheren Gemeinden Gomadingen, Winnenden, Tübingen und Korntal zu sagen. Dieses Verhaftetsein an das Wort und das Charisma der Brüderlichkeit machten Walther Geißer in besonderer Weise zu einem Seelsorger der Seelsorger. Ein Kursteilnehmer bekennt: "In den gemeinsamen Stunden am großen Tisch erlebten wir ihn als Seelsorger. Von der Tiefe der Anfechtung und von dem Trost aus der Tiefe, vom wahren, gänzlich unsentimentalen Gehaltensein im Glauben hat er zu uns gesprochen, wie ich es seitdem nicht mehr vernahm." (In diesem Zusammenhang weisen wir hin auf W. Geißers Besinnung über 'Beichte und Absolution in evangelischer Sicht', veröffentlicht in den 'Calwer Heften', 1966). Mit seinem scharfen Verstand verfolgte er, der von Adolf Schlatters Theologie geprägt war, die theologischen Auseinandersetzungen unserer Zeit und leitete er als ein lebendiger, hilfreicher Gesprächspartner die theologische Diskussion. Seine langjährige Amtserfahrung befähigte ihn, zuverlässigen Rat zu geben, wenn die mannigfachen Fragen des Pfarrerdienstes aufkamen. Dabei ging er auf die Gedanken der am Gespräch Beteiligten gründlich ein. Aus seiner christlichen Verantwortung heraus wagte er auch, zu Fragen der Politik, wie schon einst in der Zeit des Kirchenkampfes, offen Stellung zu nehmen. Er respektierte jedoch die politische Meinung Andersdenkender. Die im Hause Geißer froh geübte, großzügige Gastfreundschaft trug wesentlich dazu bei, dass die Kursteilnehmer sich im Freudenstädter Kolleg heimisch fühlten. Wenn Kirchenrat Geißer die Teilnehmer eines jeden Pastoralkurses nach Colmar an den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald führte, war das mehr als eine genussreiche Kunstfahrt. Wie Johannes auf diesem ergreifenden Altarbild wollte er uns auf den Gekreuzigten und Auferstandenen hinweisen. Als solchen demütigen Vermittlerdienst hat er seinen kirchlichen Auftrag, ja das Amt des Pfarrers überhaupt, verstanden. Dafür danken wir ihm. Aus Walther Geißers geistlichen Gedichten mögen folgende Verse zu uns sprechen: "Ostern 1966
Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1972: Kleines Jubiläum mit großem Dank - Zwanzig Jahre Pastoralkolleg in Freudenstadt Zur Eröffnung des Freudenstädter Pastoralkollegs am 29. September 1952 hat der damalige Landesbischof Martin Haug in einem Brief an alle Pfarrer in Württemberg (siehe oben) der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass diese Einrichtung einen guten Dienst tun möge für Pfarrer und Gemeinden.
Neben der Vertrauensbildung ist die Information eine weitere Zielsetzung der Freudenstädter Arbeit. Oberkirchenrat Gottschick wies in einer Pressekonferenz anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Pastoralkollegs darauf hin, dass Fortbildung kein Modewort sei. Die Verfallszeit des gelernten Wissens habe sich in den letzten Jahren ungemein beschleunigt. Ein voller Rucksack genüge heute nicht mehr bis zum Ruhestand. Kirchenrat Stroh bringt deshalb das Wissen der Pfarrer auf den Stand des unbedingt Notwendigen. Besonderen Wert legt er auf die Diskussion der theologischen Wissenschaft, wobei das Fach "Neues Testament" unbestritten zu seinem Lieblingsfach zählt. Eine dritte Zielsetzung ist die Horizonterweiterung. Die in Freudenstadt
getroffene Auswahl hat notwenig etwas Zufälliges an sich. Hier erhält jede
Gruppe einen anderen Teilausschnitt.Die auffallendste Horizonterweiterung verdankt das Pastoralkolleg nach den
Worten von Kirchenrat Stroh den Besuchen in Strassburg und der engen
Freundschaft mit der dortigen Jüdischen Gemeinde. In jedem Kurs seit dem
Frühjahr 1965 werden mit Juden Glaubensgespräche geführt und Gottesdienste in
der Synagoge besucht.
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