patri51.jpg (40591 Byte) Kreuz des Patriarchen von Jerusalem im Kreuzgang des Klosters

    

Willkommen im Kloster Denkendorf

  

Links zu Informationsseiten:

Im Bereich der Sprachhilfe

Erzieherinnen

Diakon/innen 

Beauftragte für Gemeindediakoninnen und -diakone

Sekretär/innen

Kirchenpfleger/innen

Mesner/innen und Hausmeister/innen

   
Bereich "Christen und Juden"

Arbeitsgruppe "Wege zum Verständnis des Judentums"

   
Pastoralkolleg


Kultur im Kloster:

Kreuzgangkonzerte

Ausstellungen


Das Kloster:

Die Geschichte des Klosters Denkendorf

Anmeldung/Anreise

Die Mitarbeiter

Allgemeine Geschäftsbedingungen

 

 


Zurück zur Eingangsseite des Pastoralkollegs   
Zu den Fotoseiten zur Geschichte des Pastoralkollegs   
  

Beiträge zur Geschichte des Pastoralkollegs Württemberg

Übersicht über die bisher hier eingestellten Artikel:  

Schreiben von Landesbischof Haug vom 22. August 1952    
Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1967: Walther Geißer zum Gedächtnis 
Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1972: Kleines Jubiläum mit großem Dank - Zwanzig Jahre Pastoralkolleg in Freudenstadt 
Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 2009: Zum 100. Geburtstag von Hans Stroh  

  

Schreiben von Landesbischof Haug vom 22. August 1952

Württembergische Evangelische Landeskirche 
Der Landesbischof
22. August 1952

Liebe Amtsbrüder!

Das Pastoralkolleg der Württembergischen Landeskirche, lange geplant, aber wegen äußerer Schwierigkeiten bisher nicht verwirklicht, soll am Montag, 29. September 1952, seinen Dienst beginnen. Im neu eröffneten Evangelischen Erholungskeim Freudenstadt kann auch unser Pastoralkolleg vorläufig untergebracht werden. Die Leitung wird Kirchenrat Walther Geißer, bisher Pfarrer in Korntal, übernehmen. Wir hoffen, dass auch unser Pastoralkolleg in der guten Lust und Stille Freudenstadt für die Brüder im Amt ein Ort der Ausspannung und Erquickung, der communio fratrum und der neuen Zurüstung zum Dienst werde.
 
Ich weiß, dass nicht wenige Amtsbrüder heute von Müdigkeit und Verzagtheit angefallen sind, da das Amt so groß und schwer ist, dass andere unter ihrer Einsamkeit leiden oder sich zerarbeiten in der täglichen Mühsal und Unrast. Ich weiß auch, dass wir alle samt unseren Gemeinden Not leiden, wenn unserem Dienst die Freudigkeit und die geistliche Vollmacht fehlt. Das Pastoralkolleg wird keine absolut wirksamen Heilmittel für alle pastoralen Nöte geben können. Aber uns allen wird die stille Vertiefung in Gottes lebendiges Wort heilsam sein; die Begegnung mit den Brüdern im gleichen Amt und der Austausch guter und schlechter Erfahrungen wird uns ebenso eine Hilfe bedeuten, wie die gründliche gemeinsame Besinnung über das Ziel und die Wege unseres Dienstes...
 
Unser Herr segne das Pastoralkolleg unserer Kirche, seinen Leiter und alle seine Mitarbeiter mit seinem Geist der Kraft der Liebe, und der Zucht, so dass es einen guten Dienst tue für Pfarrer und Gemeinden.
 
In der Vorfreude darauf grüßt Sie, liebe Brüder, in herzlicher Verbundenheit.

Ihr  gez. Bischof Haug

 

 

Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1967 von M. Böckheler: Walther Geißer zum Gedächtnis

Gblatt3.jpg (39363 Byte)Vor 15 Jahren, am 29. September 1952, wurde das Pastoralkolleg der Württembergischen Landeskirche in Freudenstadt eröffnet. Dieses Datum erinnert viele württembergische Pfarrer daran, wie großen Dank sie dem jüngst verstorbenen, verehrten ersten Leiter des Pastoralkollegs Kirchenrat Walther Geißer (Foto links) schulden.

Weit über 1000 Pfarrer sind während der ersten 11 Jahre des Bestehens des Kollegs dieser geistvollen Persönlichkeit begegnet und haben durch ihn Stärkung und Ermutigung zum Dienst der Wortverkündigung und Seelsorge erfahren. Man spürte ihm an, dass er ganz persönlich an der Sache des Evangeliums beteiligt war als einer, der die Last und Gnade des Wortes Gottes erfahren hat. Von da her war er auch dem Bruder ganz persönlich zugewandt mit einem weiten verstehenden Herzen, bereit, zu hören und zu helfen und zu lernen.

Wortverkündigung und Seelsorge bildeten bei ihm eine untrennbare Einheit. Das gab seiner bildkräftigen Predigt das besondere Gepräge. Davon wissen auch viele dankbare Predighörer aus seinen früheren Gemeinden Gomadingen, Winnenden, Tübingen und Korntal zu sagen.

Dieses Verhaftetsein an das Wort und das Charisma der Brüderlichkeit machten Walther Geißer in besonderer Weise zu einem Seelsorger der Seelsorger. Ein Kursteilnehmer bekennt: "In den gemeinsamen Stunden am großen Tisch erlebten wir ihn als Seelsorger. Von der Tiefe der Anfechtung und von dem Trost aus der Tiefe, vom wahren, gänzlich unsentimentalen Gehaltensein im Glauben hat er zu uns gesprochen, wie ich es seitdem nicht mehr vernahm." (In diesem Zusammenhang weisen wir hin auf W. Geißers Besinnung über 'Beichte und Absolution in evangelischer Sicht', veröffentlicht in den 'Calwer Heften', 1966).

Mit seinem scharfen Verstand verfolgte er, der von Adolf Schlatters Theologie geprägt war, die theologischen Auseinandersetzungen unserer Zeit und leitete er als ein lebendiger, hilfreicher Gesprächspartner die theologische Diskussion. Seine langjährige Amtserfahrung befähigte ihn, zuverlässigen Rat zu geben, wenn die mannigfachen Fragen des Pfarrerdienstes aufkamen. Dabei ging er auf die Gedanken der am Gespräch Beteiligten gründlich ein. Aus seiner christlichen Verantwortung heraus wagte er auch, zu Fragen der Politik, wie schon einst in der Zeit des Kirchenkampfes, offen Stellung zu nehmen. Er respektierte jedoch die politische Meinung Andersdenkender. Die im Hause Geißer froh geübte, großzügige Gastfreundschaft trug wesentlich dazu bei, dass die Kursteilnehmer sich im Freudenstädter Kolleg heimisch fühlten. Wenn Kirchenrat Geißer die Teilnehmer eines jeden Pastoralkurses nach Colmar an den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald führte, war das mehr als eine genussreiche Kunstfahrt. Wie Johannes auf diesem ergreifenden Altarbild wollte er uns auf den Gekreuzigten und Auferstandenen hinweisen. Als solchen demütigen Vermittlerdienst hat er seinen kirchlichen Auftrag, ja das Amt des Pfarrers überhaupt, verstanden. Dafür danken wir ihm.

Aus Walther Geißers geistlichen Gedichten mögen folgende Verse zu uns sprechen:

"Ostern 1966
Wie wechselt die Gemeinschaft mit dem Herrn!
Bald danken wir, dass er so nahe ist, 
bald trauern wir, als sei er uns ganz fern, 
als flehten wir umsonst: "O komm, Herr Christ,
und lass genesen Leib und Seel' im Licht!"
Getrost! Von seiner Seite ist ohn' Unterlass 
auf uns gericht't sein leuchtend Angesicht, 
denn seine Treue ist ohn' alles Maß 
und jener Ostertag ist nicht mehr weit, 
da auch von unsern Augen jeder Schleier fällt, 
so dass wir schauen seine Herrlichkeit, 
und Gottes Gegenwart die ganze Welt erhellt."  

 

Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1972: Kleines Jubiläum mit großem Dank  - Zwanzig Jahre Pastoralkolleg in Freudenstadt

Zur Eröffnung des Freudenstädter Pastoralkollegs am 29. September 1952 hat der damalige Landesbischof Martin Haug in einem Brief an alle Pfarrer in Württemberg (siehe oben) der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass diese Einrichtung einen guten Dienst tun möge für Pfarrer und Gemeinden.

Gblatt1.jpg (171135 Byte)Seither sind zwanzig Jahre vergangen. In der Freudenstädter Fortbildungsstätte sind 180 Kurse durchgeführt worden, die von 2164 Kollegen unserer Landeskirche besucht worden sind. Im Jahr 1964 hat Kirchenrat Hans Stroh (im Bild links, im Gespräch mit Lehrgangsteilnehmern) den ersten Leiter, Kirchenrat Walther Geißer (Foto links unten), abgelöst. Bis heute ist er Leiter des Kollegs, Dozent der vierzehntägigen Kurse, Theologie und Seelsorger. Man wird heute ohne Übertreibung feststellen dürfen: die Hoffnungen von Bischof Haug haben sich erfüllt. Das Pastoralkolleg hat sich zu einer Einrichtung entwickelt, ohne die unsere Landeskirche ein gutes Stück ärmer wäre. 

Gblatt2.jpg (122854 Byte)Zu den jährlich zehn zweiwöchigen Kursen kommen jeweils 14 Pfarrer verschiedenen Alters, theologischer Herkunft und Ausbildung aus allen Kirchenbezirken. Es gelingt Kirchenrat Stroh und seiner Frau in einer Zeit innerkirchliches und theologischer Konflikte Vertrauen unter Pfarrern zu schaffen. In einer Atmosphäre des offenen und ausgiebigen Gesprächs mit der Bibel wird die Glaubensgewissheit der Pfarrer gestärkt. Jeder Teilnehmer hat Gelegenheit zu berichten, warum er Pfarrer wurde, welche Lehrer ihn beeinflusst haben und wie sich seine tägliche Arbeit abspielt. Für die Glaubensfragen bleibt viel Zeit, so dass jeder seine Motive und Sorgen ausführlich darlegen kann. So müssen Lasten nicht allein getragen werden, und die Weggenossenschaft von Amtsbrüdern wird Wirklichkeit. "Wir haben Frieden im Haus, bei uns wird gemeinsam gebetet." Hans Stroh weiß, dass er damit nicht etwas Selbstverständliches ausspricht.

Neben der Vertrauensbildung ist die Information eine weitere Zielsetzung der Freudenstädter Arbeit. Oberkirchenrat Gottschick wies in einer Pressekonferenz anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Pastoralkollegs darauf hin, dass Fortbildung kein Modewort sei. Die Verfallszeit des gelernten Wissens habe sich in den letzten Jahren ungemein beschleunigt. Ein voller Rucksack genüge heute nicht mehr bis zum Ruhestand. Kirchenrat Stroh bringt deshalb das Wissen der Pfarrer auf den Stand des unbedingt Notwendigen. Besonderen Wert legt er auf die Diskussion der theologischen Wissenschaft, wobei das Fach "Neues Testament" unbestritten zu seinem Lieblingsfach zählt.

Eine dritte Zielsetzung ist die Horizonterweiterung. Die in Freudenstadt getroffene Auswahl hat notwenig etwas Zufälliges an sich. Hier erhält jede Gruppe einen anderen Teilausschnitt.Die auffallendste Horizonterweiterung verdankt das Pastoralkolleg nach den Worten von Kirchenrat Stroh den Besuchen in Strassburg und der engen Freundschaft mit der dortigen Jüdischen Gemeinde. In jedem Kurs seit dem Frühjahr 1965 werden mit Juden Glaubensgespräche geführt und Gottesdienste in der Synagoge besucht. 
Oberkirchenrat Gottschick hat das zwanzigjährige Bestehen des Pastoralkollegs als "kleines Jubiläum mit großem Dank" bezeichnet. In Freudenstadt sei keine Paukschule entstanden, in der von den Pfarrern ein bestimmtes Pensum absolviert werden müsse. Vielmehr werde dort in gemeinschaftlicher Arbeit gerungen, gelitten und Gemeinschaft gebaut. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass das Kolleg nach zwanzig Jahren kein Problemfall der Landeskirche ist." 

  
   

Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt August 2008: Über Kirchenrat Hans Stroh (1908-1989, Leiter des Pastoralkollegs von 1964 bis 1974) 
  
Album12.jpg (46865 Byte)Artikel im "Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg" Nr. 31/32, August 2008 (Foto aus Archiv des Pastoralkollegs): 
"Hans Stroh, der bei vielen Pfarrern bis heute unvergessene ehemalige Leiter des Pastoralkollegs der Fortbildungsstätte für Pfarrer in Freudenstadt, wäre am 6. August 100 Jahre alt geworden. 
Hans Stroh starb Ende Oktober 1989 im Alter von 81 Jahren. Stroh gehörte zu den prägenden Mitarbeitern in den Anfangsjahren der Evangelischen Akademie Bad Boll. Er hat als einer der Ersten nach dem Zweiten Weltkrieg Kontakte zu jüdischen Gemeinden aufgebaut. Von Freudenstadt aus baute Stroh die ersten Kontakte zur jüdischen Gemeinde in Straßburg auf, die er dann mit Teilnehmern der Fortbildungskurse regelmäß0ig besuchte. Als 'unermüdlichen Lehrer und Helfer beschrieb Oberkirchenrat Konrad Gottschick den in Österreich geborenen und in Holland verstorbenen Stroh bei der Trauerfeier am 27. Oktober 1989 in Reutlingen.  
Stroh wurde in St. Aegyd, Niederösterreich, als Sohn eines Fabrikdirektors geboren. Nach dem Schulbesuch in Wien kam er 1919 nach Pfaffenhofen bei Brackenheim, legte 1926 in Wien das Abitur ab und studierte Theologie in Wien, zurück und Tübingen. 1964 übernahm er die Leitung des Pastoralkollegs. 1974 verlieh ihm die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Tübingen die Ehrendoktorwürde."  

 

 

 

 

 

 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: info@kloster-denkendorf.de 
Copyright © 2001 Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf
Stand: 28. März 2009