patri51.jpg (40591 Byte) Kreuz des Patriarchen von Jerusalem im Kreuzgang des Klosters

    

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Die Patriarchen von Jerusalem - Die Prioren des Kapitels zu Jerusalem

Von Rolf Deuschle


Die Patriarchen von Jerusalem

1100-1102    Dagobert, Erzbischof von Trier

1102-1109    Thomas

1103-1108    Ebremar, ein Nordfranzose

1108-1111    Gibelin, Bischof von Arles

1111/12-1118    Arnulf von Choques: Normanne, Ratgeber und Stütze des Königreichs Jerusalem; er vereinigte alle wichtigen Ämter des Heilig-Grab-Kapitels in seiner Person; Kanzler der Jerusalemer Kirche, Prokurator ihrer Reliquien, Kustos der milden Gaben.

1118-1128    Warmund (Germund), aus einem kleinen Ort der Diözese Amiens: Er stand dem Personenkreis der Klöster Allerheiligen bei Schaffhausen und Zwiefalten nahe. Während seiner Zeit wurde die Stiftungsurkunde des Klosters Denkendorf ausgestellt, die aufgrund des Denkendorfer Lagerbuchs von 1560 auf 1124 zu datieren ist. Warmund kannte Adalbert von Metzingen, den Abt von Kloster Allerheiligen. Warmunds Prior in Jerusalem, Gerhard war Abt in Allerheiligen gewesen, bevor ihn Adalbert verdrängte.

Gerhards Herkunft ist weiterhin unbekannt. Zu Warmunds Bekanntenkreis gehörte auch Graf Konrad von Urach, 1111-1116 Bischof von Palästina und Bethlehem, sowie Otto von Steußlingen, der von Warmund einen kostbaren Splitter des heiligen Kreuzes erhielt, den er dann nach Zwiefalten brachte. - Graf Konrad von Urach war als Verwandter des Stifters Berthold von Hohenberg Mitstifter von Kloster Denkendorf.

Patriarch Warmund sandte von Jerusalem aus den Chorherren Konrad als ersten Propst nach Denkendorf. Alles spricht dafür, dass der Denkendorfer Stifter Berthold von seiner ersten Pilgerreise nach Jerusalem die Kreuzreliquie mitbrachte und dazu den 1. Propst Konrad. Vieles deutet darauf hin, dass Graf Berthold von Hohenbergs erste Frau Luitgard von Württemberg und der erste Denkendorfer Propst Konrad Geschwister waren. Konrad wurde in Denkendorf begraben, die Grablege seiner Schwester Luitgard kennen wir nicht. Berthold soll auf der Rückreise von seiner zweiten Pilgerreise in Bozen gestorben sein.

1128-1130 Stefan, Abt des Klosters St. Johannes in Chartres (von dort gebürtig). Blutsverwandter von König Balduin.

1130-1146 Wilhelm von Mecheln, zuvor Prior des Kapitels und Bischof von Nazareth. Berthold von Hohenberg besucht ihn im April 1142 auf seiner zweiten Pilgerreise nach Jerusalem, die Schenkungsurkunde wird ausgestellt.

1146-1158 Fulcher, Erzbischof von Tyros, Abt des Klosters Cella, aus Angoulème in Aquitanien.

1158-1180 Amalrich, Nordfranzose aus der Diözese Noyon.

1180-1187 Heraklius, abgesetzt, nach Akkon verzogen

ab 1187 Randolfus. - Nach dem Fall von Akkon ziehen die Kanoniker nach Barletta. Das Denkendorfer Kreuz-Reliquiar und das von Barletta wurden mit derselben Stanze hergestellt; beide stammen - wie auch weitere Kreuzreliquiare - aus einer Jerusalemer Werkstatt. - Nachdem am 2. Oktober 1187 Saladin Jerusalem eingenommen hatte, konnten die Heiligen Stätten nicht mehr besucht werden. Es erfolgte daraufhin die Verlagerung nach Denkendorf. So ist zu erklären, weshalb bald nach 1190 Kaiser Heinrich VI. den Bau der großen Klosterkirche in Denkendorf betreibt. Der Bau wird unter Heinrichs Sohn Kaiser Friedrich II. vollendet. In der Vorhalle der Denkendorfer Klosterkirche ist heute noch der in Stein gehauene Adler Friedrichs II. zu sehen, als Zeichen des Königs von Jerusalem - ein weiteres Indiz für das Bestehen eines Königshofs.

 

Die Prioren des Kapitels zu Jerusalem

Das Jerusalemer Kapitel wählte aus seiner Mitte jeweils den Prior, der dem Patriarchen unterstand:

1114-1120 Prior unbekannt

1120-1125/28 Gerhard, Prior S. Sepulcri, Kustos des Heiligen Grabes. Er war berechtigt, Reliquien zu vergeben. Er hat offenbar die Denkendorfer Reliquie an Graf Berthold von Hohenberg/Lindenfels, den Stifter, übergeben. - Seit 2. November 1096 war Gerhard Abt von Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Er dankte 1098 ab, nahm dann 1099 am l. Kreuzzug teil, wurde im Jahre 1100 Wächter des Heiligen Grabes in Jerusalem und urkundet zum letzten Mal am 2. Mai 1130; er starb danach in Nazareth. Dort übergab er noch seinem schwäbischen Landsmann, dem Kaplan Zeisolf, der dann bald danach in Joppe starb, eine Kreuzreliquie, welche dann Berthold der Jüngere von Sperberseck nach Zwiefalten brachte.

Wer war eigentlich Gerhard, der 1100 Wächter des heiligen Grabes in Jerusalem wurde und sich mit Gottfried von Bouillion, dem Advocatus von Jerusalem, auf den 1. Kreuzzug begab? - Sollte er tatsächlich zum Umkreis der Pfalzgrafen und Grafen von Rätien und Bregenz gehört haben, so liegt die Vermutung nahe, dass er ein nicht bekannter Sohn von Berta, Tochter des Herzogs von Schwaben und Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden war. Berta gehörte ja zur päpstlichen Partei der Hirsauer, wohl auch eine Erklärung dafür, dass Gerhard in Rom geboren sein soll. Von daher wäre verständlich, dass er einerseits mit Berthold, dem Denkendorfer Stifter unmittelbar verwandt gewesen ist, andererseits aber mit Zeisolf, der dem Personenkreis der Kraichgaugrafen zuzurechnen wäre. So wäre erklärbar, daß Gerhard zum Personenkreis der Staufenbergern und Rheinfeldenern, aber auch zu Anselm von Nellingen gehört hat, der ihn ja auch besucht hat. So wäre schließlich erklärbar, dass Gerhard nach Gottfried von Bouillions Tod den hohen Rang eines Wächters vom heiligen Grab bekleidete und dass er auf diese Weise als Prior des Heilig-Grab-Kapitels der Urheber der Denkendorfer Stiftung war.

1126-1130    Wilhelm, Bischof von Nazareth, später Patriarch von Jerusalem. Er unterzeichnete am 22. April 1142 in Jerusalem das Testament des Denkendorfer Stifters.

1130-1148    Petrus I., ein Spanier aus Barcelona. Er bezeugt zusammen mit Patriarch Wilhelm die Testamentsurkunde vom 22. April 1142.

1148-1158    Amalrich, wurde 1158 Patriarch von Jerusalem.

 

 

 

 

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Stand: 07. Februar 2007