patri51.jpg (40591 Byte) Kreuz des Patriarchen von Jerusalem im Kreuzgang des Klosters

    

Willkommen im Kloster Denkendorf

  

Links zu Informationsseiten:

Im Bereich der Sprachhilfe

Erzieherinnen

Diakon/innen 

Beauftragte für Gemeindediakoninnen und -diakone

Sekretär/innen

Kirchenpfleger/innen

Mesner/innen und Hausmeister/innen

   
Bereich "Christen und Juden"

Arbeitsgruppe "Wege zum Verständnis des Judentums"

   
Pastoralkolleg



Das Kloster:

Die Geschichte des Klosters Denkendorf

 

 


Zurück zur Geschichte - Überblick

 

Das Wappen der Gemeinde Denkendorf, 
seine Herkunft und Entwicklung

von Rolf Deuschle  

Wappen0014.jpg (102466 Byte) Wappen0013.jpg (136009 Byte) Wappen0012.jpg (104732 Byte) Wappen0011.jpg (81787 Byte) Wappen0010.jpg (110783 Byte)
Konventssiegel Kl. Denkendorf an Urk. v. 1288 bis 1535 erhalten. Byzantinischen Münzbildern ähnlich. W.H.St.Arch.Stgt. A 480 Nr. 472 Propstsiegel 1288 Hugo Camerland. W.H. Staats-Arch. Stgt. A 480 Nr. 472
Prioratssiegel Entstehungszeit um 1220 an Urk. erstmals vorh. 1272 bis 1478. Staatsarch. Ludwigsburg und Stgt.
Kirchengrundriß Klosterkirche und proportionale Ausdehnung des Kreuzreliquiars
 
Propstsiegel Ulrich Fehleisen, 1535 letzter kath. Propst
Staats-Arch. Ludw. B.B169 Nr. 518


Erstmals kommt die Wappenschildfigur "ein Patriarchenhochkreuz" nach Denkendorf, als 1129 der Patriarch von Jerusalem, dem Stifter Berthold Reliquien vom wahren Kreuz und vom Hl. Grab schenkte. Konrad, ein Chorherr des Domkapitels in Jerusalem, der als 1. Propst nach Denkendorf geschickt wurde, brachte ein Reliquiar, in dem Späne vom wahren Kreuz und Steinsplitter vom Hl. Grab gefasst und in einem Behältnis in Form eines Patriarchenhochkreuzes eingebettet waren, mit. Dieses Kreuzreliquiar war in einer Jerusalemer Goldschmiedewerkstatt nach byzantinischem Vorbild hergestellt. Es wurde im Denkendorfer Kirchen- und Klosterschatz als kostbarstes Stück sorgsam gehütet und offenbar auch vor dem Zugriff der von Herzog Ulrich 1535 nach Denkendorf entsandten Kommissare bewahrt, denn noch im Inventar von 1568 wurde es aufgeführt, später nach Stuttgart verbracht, wo es seit neuerer Zeit im Landesmuseum gut sichtbar ausgestellt ist.

Über den Orden vom Heiligen Grab

schreibt Professor Kaspar Elm, der die Ordensgeschichte und besonders auch die Geschichte des Denkendorfer Klosters neuerdings gründlich erforscht hat: "Unmittelbar nach der Eroberung der Heiligen Stadt erhoben Gottfried von Bouillon und andere Große des Kreuzfahrerheeres einige der mit ihm nach Palästina gekommenen Kleriker zu Kanonikern der Kirche des Grabes des Herrn. Sie wurden dem neu gewählten Patriarchen von Jerusalem unterstellt, mit dem liturgischen Dienst in der Grabbasilika betraut und mit Häusern und Pfründen versorgt. Erst 1112 gelang es, das Kapitel zu einem gemeinsamen Leben in Gehorsam, Armut und Keuschheit nach der Augustinerregel zu veranlassen. Seinem Prior wurde der Vorrang vor allen anderen Prioren und Äbten in der lateinischen Hierarchie Palästinas eingeräumt. Es kam zu diesem Rang durch die bedeutsame Funktion, die es als königliches Stift und Kathedralkapitel in Liturgie, Verwaltung und öffentlichem Leben von Patriarchat und Königreich Jerusalem ausübte. Die sich aus dieser Doppelfunktion ergebenden Vorrechte verblassten jedoch vor der einen, unwiederholbaren Prärogative, die darin bestand, gemeinsam mit dem Patriarchen Wächter der wertvollsten Reliquien der Christenheit, von Grab und Kreuz des Herrn, zu sein. Die Aufgabe, in der Nachfolge des Engels die Wacht am Grabe des Herrn auszuüben, bestimmte dann auch in erster Linie Tätigkeit und Spiritualität des Kapitels. Die Verehrung von Grab und Kreuz nach den Vorschriften der Liturgie war die höchste Würde und der eigentliche Wesensgrund der Kanoniker vom Heiligen Grab. Diese eindeutige Priorität hinderte die Chorherren nicht, Seelsorge auszuüben, Krankenpflege und Hospitalfürsorge zu betreiben und sich mit großer Energie der Mehrung und Ausbeute ihres Besitzes zu widmen, um auf diese Weise nciht nur die Existenz ihrer Gemeinschaft zu sichern, sondern auch zum Unterhalt der Heiligen Stätten und zum Schutz des Heiligen Landes beizutragen.

Der Verlust Jerusalems und der Fall Akkons bedeutet nicht, wie man hätte erwarten können, das Ende des durch seine Entstehung und Aufgabe mit Jerusalem und dem Heiligen Land aufs engste verbundenen Kapitels. Seine Mitglieder blieben auch im Exil, zunächst in Akkon, später in Perugia, im Dienste des Heiligen Grabes und bezeichneten sich auch dann noch, als andere Lateiner die Grabeswacht in Jerusalem übernommen hatten, als die einzig legitimen Hüter des Heiligsten aller Heiligen Stätten." (gekürzt)

Nach dem Verlust der Heiligen Stätten

Als die Denkendorfer Chorherren sich mit dem Plan einer neu zu errichtenden Klosterkirche trugen, war Jerusalem von den Türken zurückerobert, und die Brüder vom Heiligen Grab waren aus Palästina vertrieben. Es gab jedoch in Europa, vor allem in Italien und Südfrankreich, ein Netz von Niederlassungen des Jerusalemer Ordens, wo die Verehrung für das Grab des Herrn bei den Gläubigen geweckt und wach gehalten wurde. Der aus Jerusalem vertriebene Prior ließ sich mit seinem Kapitel in Perugia nieder und fungierte von hier aus als Erzprior (Ordensgeneral) des Heiliggrabordens. Die eigentliche Aufgabe, als Nachfolger des Engels die Wacht am Grabe des Herrn zu halten, behielt der Orden trotz seiner Entfernung von Jerusalem bei. Das Siegel, das der Denkendorfer Propst führte - es ist uns eines aus dem Jahr 1288 erhalten -, zeigt den Engel auf dem Grabe sitzend und die drei ankommenden Marien. Auch das Siegel des Erzpriors, der 1365 zu einer Visitation von Perugia nach Denkendorf kam, zeigt den Engel und die drei Marien beim Grabe des Herrn.

Die Klosterkirche der Brüder vom Heiligen Grab

Das Kreuzreliquiar aus Jerusalem war dem Propst und den Chorherren schon lange Zeit vor Augen gewesen, als sie an die Planung der Klosterkirche herangingen. Wir werden uns der vergleichenden Betrachtung von Kirchengrundriss und Kreuzreliquiar zu. Das dreischiffige Langhaus besteht aus zwei nicht ganz gleich großen Hälften. Die östliche Hälfte ist ein quadratischer Raum von 40 Fuß Länge und Breite (1 Fuß = 36 cm). Mitte der Quadrats ist der Altar, genau im Schnittpunkt der Diagonalen. Er nimmt, beginnend an der früheren Treppe, die etwas größere Hälfte des Langhauses ein und war den Chorherren vorbehalten. Das Ausmaß von 40 Fuß steht im Zusammenhang mit dem Heiligen Grab im Evangelium, nämlich den 40 Tagen von der Auferstehung bis zur Himmelfahrt Christi. Die kleinere westliche Treppe vom Eingang bis zur Treppe war für die Laien bestimmt. Im Grundriss lässt sich anschließend an das Quadrat ein gleichseitiges Dreieck einzeichnen, dessen Spitze am westlichen Eingang liegt.

Fertigt man einen Kirchengrundriss, dessen Länge so bemessen ist, dass man das Patriarchenkreuz unseres Reliquiars bündig darauf legen kann, dann ist die Entfernung vom östlichen Chorfenster bis zum Eingang im Westen gleich der Ausdehnung des Kreuzstammes vom Adlermedaillon am Kreuzeshaupt bis zum Engelmedaillon am Kreuzesfuß. Den Medaillons auf der Rückseite des Reliquiars entsprechen auf der Vorderseite kreisrunde Vertiefungen für die Steinsplitter vom heiligen Grab. Verblüffend ist nun die genaue Übereinstimmung der Breite des Langhauses mit der Ausdehnung des unteren Kreuzbalkens vom Löwen - zum Stiermedaillon und die der Breite des eingezogenen Chores mit der Ausdehnung des oberen Kreuzbalken von einem Engelmedaillon zum anderen.

Nimmt man die östlichen Ecken des Langhauses als Mittelpunkt zweier Kreise, deren Radius der Abstand von der Langhausecke bis zur Mitte des Löwen- bzw. des Stiermedaillons ist, so schneiden sich die beiden Kreise in der Mitte des Adlermedaillons. Beschreibt man einen großen Kreis, dessen Mittelpunkt der Altar und dessen Halbmesser gleich der Entfernung vom Altar zum westlichen Eingang ist, so tangiert seine Kreislinie die beiden vorhin beschriebenen Kreise.

In der Krypta wurde schon lange ein quadratischer Raum festgestellt, in dessen Mitte sich das offene Grab befindet. Nimmt man dieses als Mittelpunkt und den Abstand (auf dem gemeinsamen Grundruß von Kirche und Krypta), bis zum Altar der Kirche als Radius, so geht die beschriebene Kreislinie genau durch die Ostecken des Langhauses. Dieselben geometrischen Figuren wiederholen sich im Grundriss der Krypta. Schließlich sei noch auf das gleichseitige Dreieck hingewiesen, dessen Grundlinie von dem einen Engelmedaillon im oberen Querbalken zum anderen gezogen werden kann und dessen Spitze die Altarmitte ist.

Die Anwendung der Geometrie ist auf den Bauplänen des Mittelalters allgemein zu beobachten. Die eigenartigen Beziehungen der Maßverhältnisse zum Gedankenkreis des Heiliggrabordens gibt jedoch besondere Fragen auf.

Gemeindesiegel und Gemeindewappen.

Wann die Gemeinde Denkendorf zur Führung eines eigenen Siegels ermächtigt wurde, wissen wir nicht. Im Jahre 1717 liegt aber eine Urkunde mit dem Denkendorfer "Fleckensiegel" vor. Darf man annehmen, dass die Anschaffung dieses Siegels nicht von der Gemeinde ausgegangen ist, sondern von der Landesregierung? Bei der Prüfung von so wichtigen Personalpapieren wie zum Beispiel der Manumissio (Entlassung aus der Leibeigenschaft), bei der Kontrolle der wand4ernden Handwerksgesellen, bei der Verfolgung desertierter Soldaten waren Ausweispapiere, die außer der Unterschrift des Schultheißen auch das Siegel der Gemeinde trugen, unerlässlich geworden. Das Fleckensiegel von 1717 trägt daher im oberen rechten Felde die drei Hirschstangen des Herzogtums Württemberg. Die linke Hälfte des Wappenschildes ist ein einer symbolischen Darstellung der Kirche und Kapelle Denkendorfs ausgefüllt. Das untere rechte Feld zeigt Propststab und Patriarchenkreuz, letzteres allerdings mit einer bemerkenswerten Abweichung: am oberen Kreuzbalken fehlt ein Arm, d.h. die heraldische Bedeutung hat eine Minderung erfahren. Die Übernahme des Wappens der Klosterverwaltung durch eine nachgeordnete Behörde wurde hiermit sichtbar gemacht.

Die Neuzeit

Als im Jahre 1822 mit der Neuordnung der Gemeindeveraltung im Königreich Württembergs an Stelle des Dorfgerichts der Gemeinderat trat, führte dieser ein Siegel, das dem bisherigen Fleckensiegel ganz ähnlich ist. Auffallend ist die hervorgehobene Umschrift: Gemeinderath Denkendorf. Seit 1854 ist ein königliches Dienstsiegel bekannt. Wie einst das Fleckensiegel nimmt es Bezug auf die Landesregierung, aber auf andere Weise: über dem vereinfachten Wappenschild, der nur noch das Patriarchenkreuz und den Namen der Gemeinde mit zwei D übrig lässt, ist die goldene Königskrone zu sehen. Dieses Dienstsiegel war bis 1934 im Gebrauch. Daran lehnt sich das 1965 vom Innenministerium verliehene Wappen und Dienstsiegel an: ein großes goldenes (gelbes) Patriarchenkreuz mit den zwei D auf blauem Grunde.

Wappen0001.jpg (101109 Byte) Wappen0002.jpg (128467 Byte) Wappen0009.jpg (155868 Byte)
Wappen Kloster Denkendorfs aus Gadners Forstkartenwerk 1596. W.H.St.Arch.Stgt. Konventsiegel des Denkendorfer Priorats der heiligen Gräber zu Speyer um 1250. St.Arch.Ludw. Urk.3342 Nr.494 Siegel des Erzpriors des Ordens vom Hl.Grab von Jerusalem mit Sitz in Perugia, 1365 in Denkendorf. Urkunde W.H.Staats-Arch.v Stgt. A 480 Urk. Nr.75
Wappen0003.jpg (161811 Byte) Wappen0006.jpg (130654 Byte) Wappen0007.jpg (160534 Byte)
Fleckensiegel Denkendorf 1717. W.H. St.Arch.Stgt. A 8 Bü 57 Gemeinderatssiegel 1822 Königliches Gemeindesiegel, 1854 erstmals nachweisbar
Wappen0004.jpg (139269 Byte) Wappen0005.jpg (114753 Byte) Wappen0008.jpg (135283 Byte)
Dorfwappen 1923. Hupp'sche Wappensammlung Gemeindewappen seit 1928 Gemeindewappen seit 1965

 

 

 

 

Copyright © 2001 Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf
Stand: 07. Februar 2007